Neue Parlamentsinitiative der PP für Golfplatz Son Bosc

In einer für heute angesetzten Debatte im Balearenparlament von Palma de Mallorca beabsichtigen die Koalitionspartner der ehemaligen Balearenregierung Matas, Partido Popular (PP) und Unió Mallorquina (UM) den Bau des umstrittenen Golfplatzprojektes Son Bosc nahe des Naturschutzgebietes s´Albufera – Parque Natural de s'Albufera – nun doch noch durchzusetzen.
Der Sprecher der Oppositionspartei PP im Parlament von Palma, Francesc Fiol, wirft in diesem Zusammenhang der amtierenden Balearenregierung einmal mehr vor, ein für den Tourismus der Insel Mallorca wichtiges Projekt zu blockieren, an dem bereits seit zwölf Jahren gearbeitet wird, und das zudem allen gesetzlichen Vorgaben genügen würde. Hierzu zählen auch die ökologischen Anforderungen, auf die die Betreiber vollumfänglich eingegangen seien.
Obwohl die Unió Mallorquina noch bis vor wenigen Wochen Koalitionspartner der sozialistischen Partei PSOE des amtierenden Balearenpräsidenten Francesc Antich gewesen ist und wegen ihrer Verwicklung in zahlreiche Korruptionsfälle auf Mallorca aus der Regierung austreten mußte, spekuliert die stärkste Fraktion im Parlament in Palma PP darauf, dass dies UM sie bei der neuerlich angestrebten Abstimmung über den Golfplatz Son Bosc im Parlament unterstützen wird.
Francesc Fiol erinnert deshalb auch daran, dass die UM noch vor wenigen Jahren den Golfplatz Son Bosc als Koalitionspartner der Regierung Matas selbst noch mit genehmigt habe, und dass er deshalb keinen Hinderungsgrund für eine Unterstützung seiner Partei durch die UM sehe.
Der Umweltverband Mallorca GOB, bezeichnete die Initiative der PP als abscheulich und forderte die konservative Volkspartei auf, den entsprechenden Antrag, das Thema Golfplatz Son Bosc erneut auf die Tagesordnung zu setzen, umgehend wieder zurückzuziehen.
Vertreter des Blocs bezeichneten den Versuch der PP gegen ein gesetzlich geschütztes Naturschutzgebiet vorzugehen als beispiellos in den Demokratien unserer Zeit. Die Annahme eines entsprechenden Antrages wäre nach Ansicht des Bloc, dem als Koalitionspartner der Sozialisten im Balearenparlament von Palma de Mallorca das Umweltministerium der Balearen untersteht, eine Schande für die Insel Mallorca.
Im Jahr 2003 war das Gebiet Son Bosc bereits für 8 Monate Teil des Naturparks s´Albufera, wurde danach jedoch wieder ausgegliedert, um so den Bau des Golfplatzes zu ermöglichen. Die Vertreter der PP wiesen die Kritik von GOB sowie Bloc mit dem Hinweis auf die bestehenden Wirtschaftskrise zurück.
Seit vielen Jahren wehren sich die Umweltschützer auf Mallorca gegen den Bau des Golfplatz Son Bosc, da auf dem Gelände endemische Pflanzenarten beheimatet sein sollen. So haben Forscher der Albufera-Initiative für Biodiversität (TAIB) zum Beispiel heraus gefunden, dass das Große Sumpfknabenkraut (Orchis robusta), eine vom Aussterben bedrohte Orchideenart ,die an der Ostküste der Insel Mallorca wächst und dort mit jährlichen Zählungen einzeln erfasst wird, ausgerechnet auf dem Gelände Son Bosc vorherrschend beheimatet ist.
Neben dem größten europäischen Bestand des Großen Sumpfknabenkrauts befinden sich in Son Bosc weitere schützenswerte Orchideenarten, wie die Orchis fragans, Ophrys apifera sowie Serapias parviflora. Außerdem beherbergt das Terrain die größte Bienenfresser-Kolonie (Merops apiaster) der Insel Mallorca, und der Eleonorenfalke (Falco eleonorae) soll ausgerechnet dort seine Nahrung finden.
Die Notwendigkeit des Schutzes von Son Bosc illustrierten die Naturschützer anhand wissenschaftlicher Untersuchungsergebnisse. Während im angrenzenden Feuchtgebiet s´Albufera lediglich 432 Orchideen des Großen Sumpfknabenkrauts gezählt wurden, wachsen auf dem Areal Son Bosc fast 900 Exemplare. Nach Angaben der TAIB und des Meeresforschungsinstitut Imedea sind dies sogar zwei Drittel des balearischen und auch europäischen Bestandes dieser Orchideenart.
Die Umweltschützer organisierten deshalb in den letzten Jahren nationale und internationale Kampagnen, unter anderem Demonstrationen und Vorträge, gegen den Bau des Golfplatz Son Bosc, welcher noch von der Vorgängerregierung genehmigt wurde.
Mit dem Hotelverband der Insel Mallorca sieht sich der GOB jedoch einem geradezu übermächtigen Gegner ausgesetzt, der mehr denn je seinen politischen Einfluß geltend macht. Die Umweltschützer verweisen deshalb unermüdlich auf die Tatsache hin, dass es bereits 24 Golfplätze auf der Insel Mallorca gäbe und zudem 10 weitere Golfplätze derzeit geplant seien oder errichtet werden.
Sie bestreiten die Argumente des einflußreichen Hotelverbandes und verweisen auf die einzigartige Naturschönheit von Son Bosc, die vor allem in der Nebensaison für den Mallorcatourismus von hohem Interesse sei.






