Hirn vom Himmel

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade
Es hört sich an wie ein Schildbürgerstreich, ist aber leider keiner. Der Kolumnist auf Mallorca hat lange gezögert zu dem Chaos im Flugverkehr nach dem Vulkanausbruch in Island Stellung zu nehmen.
Kommentare lagen mir zwar genügend auf der Zunge, zu grotesk schien doch die Situation zu sein, aber warten wirs doch erst einmal ab, entschied ich mich noch vor wenigen Tagen.
Höchst überflüssig, wie sich jetzt herausstellte, denn mein mich immer stärker beschleichendes Gefühl, dass an dieser Sache etwas gewaltig stinkt, hat sich nun amtlicherseits bestätigt.
Das gesamte Theater um die Sperrung des europäischen Luftraumes war völlig unnötig, wie sich nämlich jetzt herausstellte. Die britische Luftfahrtbehörde, Civil Aviation Authority, so heisst sie genau, hat als erste europäische Luftfahrtbehörde einen Grenzwert für Vulkanasche in der Luft erlassen.
Und das tollste daran ist, und daher die Ausgangsthese vom Schildbürgerstreich: Nach dem Limit, welches diese britische Luftfahrtbehörde am Dienstagabend in London verkündete, wäre die Sperrung des europäischen Luftraums völlig unnötig gewesen. Im Nachhinein betrachtet zwar, aber immerhin.
Die Insel Mallorca ist somit ein Opfer der Inkompetenz politisch Verantwortlicher, die in den Zeiten regelmäßigen eigenen Versagens schier jede Gelegenheit wahrzunehmen scheinen, von ihrem eigenen Tun abzulenken. Koste es, was es wolle. Da wird auf der Basis eines Computersimulationsmodells ein Flugverbot erlassen, ohne Messballone in den Himmel zu schicken. Ohne Sinn und Verstand, könnte man durchaus meinen.
Rund 60.000 Touristen alleine auf dem Flughafen Palma de Mallorca, teils voller Verzweiflung, übernächtig, sich mehr und mehr panisch fragend, was denn nun geschehen werde. Nicht wenige Urlauber waren bereits bereits abgebrannt, oder so gut wie. Wann endlich kann ich weg, die Hoffnung bewegte viele der Touristen gleich ganz am Flughafen zu verharren. Nicht nur Stunden, sondern auch Tage. Die Verpflegung, die Sicherung des Hab und Guts, die Morgentoilette. Es waren Zustände beinahe wie im alten Rom. Die Bedingungen bei der Verrichtung der Notdurft wollen wir bei dieser Gelegenheit besser nicht ansprechen.
Der Mallorca-Urlaub wurde durch dieses Luftfahrtchaos nicht nur deutlich teuer. Viele der Reisenden werden die Insel noch lür viele Jahre in weniger guter Erinnerung haben und deshalb nicht wieder an den Ort ihres zurückliegenden Schreckens zurückkehren wollen.
Hoteliers, Ferienwohnungsvermieter, Mietwagenbetreiber und viele andere Betriebe auf Mallorca sind nun die Leidtragenden. Von Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften ganz zu schweigen. Die Schäden gehen in die Milliarden, wahrscheinliche Hunderte davon, wenn man es korrekt berechnen könnte. Als wenn die Menschen nicht schon genügend Probleme zu meistern hätten.
Und wenn nicht wenigstens die Unternehmensvorstände von Air Berlin und Lufthansa die Sinnhaftigkeit des Luftfahrtverbots kritisch hinterfragt hätten, würden inkompetente Computerprogrammierer auch jetzt noch dafür sorgen, dass kein Flieger in Europa mehr abheben darf. Und am Flughafen Palma würde immer noch der Ausnahmezustand herrschen.
Dass dann Beamte der Flugsicherung scheints von Kadavergehorsam geleitet, vielleicht mit mangelndem Verstand ausgezeichnet, oder sich auch einfach nur wichtig aufplusternd, Hand in Hand mit dem heute nahezu allerorten zu findenden eingangs beschriebenen Politikerschlag das amateurhafte Flugsimulationsmodell dazu nutzten nahezu den gesamten Flugverkehr auf dem europäischen Kontinent lahmzulegen, schlägt im Grunde dem Fass den Boden aus.
Das Beste kommt jedoch, wie immer, erst zum Schluss. Nun raten Sie mal, verehrte Leserinnen und Leser, was der ganzen Story doch noch eine goldene Krone aufsetzen könnte? Darauf werden Sie nie kommen. Das I-Tüpfelchen an der ganzen Angelegenheit ist, man kann es kaum glauben:
Dasselbe Land, welches Europa und damit auch den Balearen und der Insel Mallorca das Flugverbot eingebrockt hat, nämlich England, oder korrekter formuliert UK – worauf dann alle anderen wie die Lemminge gefolgt sind – hat diese offiziellen Grenzwerte jetzt als Allererstes festgelegt.
Herr Im Himmel, lass bitte ein klein wenig Hirn vom Himmel regnen. Willkommen in Schildburg, liebe Mallorca-Freundinnen und liebe Mallorca-Freunde,
Ihr Marlon








