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Emotionale Nähe

Emotionale Nähe

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade

Ist das, was sich am Nachmittag des 20. August 2008 auf dem Madrider Flughafen Barajas abgespielt hat, schicksalhafter Zufall oder gibt es nachvollziehbare Ursachen und Hintergründe für diese schreckliche Katastrophe?

Der Flugzeugabsturz einer Urlaubermaschine der spanischen Fluggesellschaft Spanair, direkt nach dem Start in Richtung Cran Canaria, er wirft jede Menge Fragen auf. Fragen, die auch heute, einige Tage nach dem Unglück, noch immer nicht beantwortet sind.

Viele dieser Fragen wurden in den Medien bereits zur Genüge diskutiert. Auf die Antworten wartet man allerdings bis heute noch, was besonders für die Angehörigen der mehr als 150 Todesopfer ein unerträglicher Zustand ist.

Deren ohnehin grenzenloser Schmerz wird noch einmal durch die Tatsache gesteigert, dass ihre Angehörigen noch leben könnten, wenn die Boardcrew, nach einem zuvor erfolgten technisch bedingten Startabbruch, deren Drängen aus der Maschine auszusteigen und auf den Flug zu verzichten nachgegeben hätte.

Zahlreiche Fluggäste mussten nämlich nach dem ersten Fehlstart gut eineinhalb Stunden in der Enge der Maschine ausharren. Solange, bis das Flugzeug repariert wurde und dann der zweite, folgenreiche Startversuch erfolgen konnte. Verlassen durfte das Flugzeug niemand.

Der Pilot der Spanair-Maschine hat hierfür die Genehmigung verweigert, und der Kolumnist auf Mallorca wird beileibe nicht der einzige sein, der sich jetzt, nach dem Unglück, in die Haut der in der Unglücksmaschine verharrenden Fluggäste versetzen kann.

Ausgeliefert, in böser Vorahnung dessen was dann auch tatsächlich geschehen ist, so mussten sich die Flugpassagiere vorkommen. Wie kann der von einigen Passagieren aus völlig natürlichen Ängsten und daher auch nachvollziehbaren Gründen geäusserte Wunsch das Flugzeug zu verlassen von der Spanair-Crew verwehrt werden, frage ich mich.

Da kann doch etwas im gesamten System nicht stimmen. Mit dem Selbstverständnis der Fluggesellschaft Spanair, der Fluggesellschaften generell, oder vielleicht auch nur das des Flugkapitäns, der dann letztendlich selbst Opfer seiner Fehlentscheidung erneut zu starten geworden ist.

Einmal ganz abgesehen von der Tatsache, dass dieses lange Verhaaren in der Enge eines Fliegers vor dem Abflug an sich schon alles andere als ein Vergnügen ist. Man kann sich das teilweise panikartige Szenario ausmalen, welches die Weigerung des Piloten die spätere Unglücksmaschine zu verlassen in den Köpfen und Herzen einiger Passagiere ausgelöst haben wird.

Diese werden sich dann aus einem falschen Stolz heraus in ihr Schicksal gefügt haben. Wer will schon sein Gesicht verlieren, bei den anderen Passagieren und vor der Crew als Angsthase da stehen, oder gar solange protestieren bis seitens des Flugkapitäns sogar auch noch die Polizei alarmiert wird.

Mit dem ganzen Rattenschwanz an unangenehmen Folgen, die dann da auf den Betreffenden zukommen könnten. Nein, da fügt sich nahezu jeder zunächst einmal in sein Schicksal und versucht seine vermeintlich irrationalen Ängste zu unterdrücken. In diesem Fall mit fatalen Folgen.

Dass die Verzweiflung unter den Angehörigen der Todesopfer sogar so gross ist, dass Polizeikräfte sowie Psychologen einschreiten müssen um Prügeleinen jener mit Verantwortlichen von Spanair und spanischen Behördenvertretern zu verhindern, ist dabei mehr als verständlich. Die Spanair-Verantwortlichen vor Ort bedachte man mit wenig schmeichelhaften Begriffen, wie Lügner, Halsabschneider und anderen, wenige Schmeichelhaftem und noch weniger Druckreifem.

In jedem Fall zu Recht erfolgt der Vorwurf, dass die Unglücksmaschine gar nicht erst hätte zum Start freigegeben werden dürfen. Diese Feststellung kann natürlich mit Fug und Recht getroffen werden. Nur, wer ist dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Es geht bei Grenzentscheidungen wie dieser, Starten oder Nicht-Starten, selbstverständlich auch immer um die Frage der Wirtschaftlichkeit, des Geldes. Ein endgültiger Startabbruch mit Austausch der Maschine hätte zu erheblichen Mehrkosten für Spanair geführt.

Und in einer Zeit der Rezession, dem Kampf um das Überleben in einer Branche, die bekanntermassen einem knallharten Wettbewerb ausgesetzt ist und in der der Druck der Aktionäre allgegenwärtig ist, da dreht man jeden Cent oft merhmals um, bevor man ihn ausgibt. Womit sich weitere Fragen in den Vordergrund drängen.

Fragen, zu richten an die Verantwortlichen der SAS, der skandinavischen Muttergesellschaft der Spanair, und an spanische wie europäische Politikvertreter. Wieso passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der die zweitgrösste spanische Fluggesellschaft massiv Personal auf dem Hauptsitz Mallorca wie auch an anderen Standorten abbaut, dieses tragische Unglück?

Ist es Zufall, oder ist das Arbeitsklima bei Spanair samt Zulieferern und Dienstleistern derzeit auf einem Tiefpunkt, an dem tragische Ereignisse wie dieser Flugzeugabsturz fast schon eine unvermeidbare Konsequenz sind?

Und, kann ein Zusammenhang zwischen dem Bemühen um eine höchstmögliche Profitoptimierung mit zunehmender Globalisierung und dem hieraus folgenden Verkauf nationaler Unternehmungen an ausländische Anleger hergestellt werden? Das Stichwort in diesem Zusammenhang ist die berühmt-berüchtigte Heuschrecke. Ist die SAS eine dieser Heuschrecken? Eine interessante Fragestellung, finden Sie nicht auch, verehrte Leserinnen und Leser?

Ich persönlich finde, dass eine schwerwiegende Konsequenz aus derartigen Verkäufen der erhebliche Verlust an emotionaler Nähe zum verkauften Unternehmen, zum verkauften Produkt, ist. Je nach Geschick bei der der Umsetzung kleiner oder grösser, aber in jedem Fall ist dies der Fall.

In Bezug auf Spanair wird diese emotionale Nähe bei den Verantwortlichen der SAS nur wenig vorhanden sein, und bei den Spanair-Mitarbeitern selbst dürfte sie spätestens dann deutlich abgekühlt sein, als der Mutterkonzern SAS vor wenigen Wochen einen massiven Personalabbau verkündet hat.

Die Luftfahrt ist sicher. so sagen es zumindest die offiziellen Statistiken, denen ich zumindest nur bedingt Glauben schenke. Frei nach dem alten Zitat, glaube nur den Statistiken, die Du selbst gefälscht hast, aber keinen anderen.

Mit einem Flugzeug zu fliegen soll angeblich sicherer sein als Auto zu fahren, sagt man. Seriöse Statistiken sollen dies angeblich ernsthaft belegen, was ich zumindest bezweifle, da ich als Lenker meines Wagens immerhin selbst Einfluss auf das Verkehrsgeschehen nehmen kann, diese Tatsache jedoch kaum in eine Statistik mit einberechnet werden kann. Hier werden augenscheinlich Äpfel mit Birnen verglichen.

Wir begeben uns immer in fremde Hände, wenn wir ein Flugzeug besteigen. Wir legen unser Schicksal nicht nur in die Hände der Technik an sich, sondern vor allem auch in die um diese Technik herum handelnden Personen. Wir vertrauen dem Piloten, genauso wie den Bodenpersonal-Technikern, die das Flugzeug warten, und auch den Verantwortlichen der Fluggesellschaft. Dies sind alle die, die in Grenzsituationen letztendlich Entscheidungen treffen müssen.

Wir vertrauen quasi blind, gezwungenermassen, den schlimmsten Fall der Fälle verdrängend, sehr oft mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Im vorliegenden Fall des Spanair-Crashs, direkt nach dem Start, ist eine Fehlentscheidung getroffen worden. 154 Tote und verzweifelte Angehörige waren die Folge.

In Gedenken an die Opfer der Flugzeugkatastrophe, und in Gedanken an die von diesem Schicksal leidgeprüften Angehörigen, gehen meine ersten Grüße von heute an die Verantwortlichen von Spanair und SAS, sowie die Verantwortlichen der spanischen Regierungsbehörden, die mit der Aufklärung des Unglücks beauftragt sind.

Hoffentlich kommen bald alle Fakten lückenlos auf den Tisch. Zumindest dies ist man allen Hinterbliebenen schuldig. Diese nämlich haben jetzt grosse Angst davor, dass man von seiten der Spanair, in Absprache mit den Behörden, die Schuld an dem Absturz alleine dem Piloten gibt.

Sollte dies tatsächlich geschehen, dann wäre dies in höchstem Masse bedenklich. Müsste man dann doch mutmassen, dass eine Schlamperei grösseren Ausmasses unter den Teppich gekehrt werden soll.Fluggesellschaf Der Pilot nämlich, er wird kaum eine Maschine starten wollen, die technisch nicht einwandfrei ist. Schliesslich riskiert dann auch er sein Leben. Und dieses Leben haben beide Piloten auf dem Flughafen in Madrid ebenfalls verloren.

Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an den Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, IOC, Thomas Bach. Thomas Bach, noch vor kurzem aufgrund eines Beratervertrag mit der Firma Siemens in die Kritik geraten, aus dem er im laufenden Kalenderjahr 2008 nicht nur 400.000 Euro erhält, sondern auch sage und schreibe 5000 Euro Spesen pro Tag, entblödet sich nicht die Olympischen Spiele von Peking als vollen Erfolg zu bezeichnen.

Diese Spiele waren ihren Namen ganz sicher nicht wert, Herr Bach. Es waren Olympische Spiele zweifelhaften politischen Charakters, bei denen sich ein Unrechtsregime zur Schau stellen durfte. Es waren undemokratische Spiele. Es waren dies Dopingspiele, noch schlimmer wie manch andere zuvor, denn der Gastgeber China wird diesmal den Dopingvogel abgeschossen haben. Über die unrühmliche Rolle des IOC daran kann leider nur spekuliert werden.

Diese Olympischen Spiele 2008 in Peking kann man, genauso wie die Spiele 1936, nur als einen der absoluten Tiefpunkte der Olympischen Geschichte bezeichnen. Und dies obwohl es auch nach dem zweiten Weltrkieg genügend andere Tiefpunkte gegeben hat.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca , auf der die Ermittlungsbehörden immer tiefer in den Korruptionssumpf der Vorgängerregierung eindringen. Das 100 Millionen Projekt Palma Arena, eines der irrwitzigen Projekte des ehemaligen Balearenpräseidenten Jaume Matas, ist nun ebenfalls ins Visier der Korruptionsfahnder geraten.

Und wenn ich da von skurillen Architektenrechnungen höre, dann gehen bei mir alle Alarmlampen an. Da kommt noch etwas ganz Dickes an die Oberfläche. Wir werden sehen, welche illustre Inselgestalt es als nächstes trifft.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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