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Ich werde Pirat

26. Juni 2009 - Mallorcainfos
Ich werde Pirat

Marlon - Kolumnist auf Mallorca

Sie gehören zur Generation der Internetausdrucker. Greise Männer und Frauen mit Kugelschreibern. So werden sie genannt, dabei sind sie zumeist noch nicht einmal 50 Jahre alt. Halt, was sage ich da, viele von ihnen haben sogar noch nicht einmal das 40. Lebensjahr erreicht.

Gemeint sind Parlamentarier, Politiker aller etablierten Parteien, redeschwingende Grußauguste nach Ansicht vieler, scheints krampfhaft und mit aller Kraft bemüht sich an ihren gut dotierten Pöstchen festzukrallen.

Sie opfern Söhne und Väter in sinnlosen Kriegen, während sie sich zuhause an Banketten laben und geflissentlich sorgfältig formulierte, nichtssagende Allgemeinplätze von sich geben. Das Land, zu dessen Wohl sie sich mit einem Schwur auf die Verfassung verpflichtet haben, wird durch ihre Politik zunehmends flächendeckend verslumt.

Sie frisieren Arbeitsmarkt- und andere Statistiken, basteln mit orwellschen Überwachungsszenarien den Schnüffelstaat. Tausende ehemalige Mitarbeiter der DDR Staatssicherheit in vielerlei einflussreichen Ämtern und Funktionen drehen hierzu eiskalt mit der ihnen eigenen Arglist an den Stellschrauben des demokratischen Systems. Still und leise, im Hintergrund, unbemerkt und unregistriert vom Bürger, maßgeblich unterstützt von ehemaligen DDR-Systemgrössen, die seinerzeit zur Wende, gerade noch rechtzeitig ihre Hälse in den richtigen, finanzkräftigen Wind gestreckt hatten.

Mit einmütig dabei die ehemaligen 68er. Eine unheilvolle Allianz.. Diese 68er, einst selbst Toleranz für sich beanspruchend, sind sie zu Neoliberalen mutiert. Früher rief man noch Scheißliberale.

Sie hetzen die Arbeitnehmer ihres Landes in den globalen Wettbewerb, wohlwissend um die Gesetze freier, von Kapitalinteressen gelenkten Märkte. Sie haben dafür gesorgt, dass Millionen ihren Jobs verloren haben, und noch verlieren, an Billigarbeitskräfte in Osteuropa und Asien.

Die Löhne hierzulande sinken dramatisch. Noch schlimmer die Kaufkraft des Einzelnen. Nicht nur der Autokauf ist unmöglich, die Monatsmiete fällt auch schon schwer. Das strahlende Lächeln will gar nicht erst aufkommen, die Zähne zeigen fällt noch viel schwerer. Denn diese Zähne, der Zahnersatz, ist für viele auch schon unerschwinglich geworden.

Ohne Zähne fällt das Essen ohnehin sehr schwer, denkt sich die Politik aus SPD und CDU. Die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel soll drastisch erhöht werden. Nach der Wahl, versteht sich. Der Wähler wird bis dahin in gewohnter Manier schön eingeseift. Hand in Hand mit den Massenmedien geht man einher.

Springer, Süddeutsche, Zeit, wo bitte ist da noch der Unterschied. Die Internetausdrucker, sie sitzen auch dort, wie auch in den Konzernzentralen multinationaler Unternehmen. Das Triumvirat aus Politik, Multis und Medien, wie perfekt hat doch bis heute alles funktioniert. Was nur noch stört, ist der Wähler.

Der Wahlaugust, denkt sich der Grußaugust, und macht sich nun emsig daran die freien Informationsflüsse im Internet zu regulieren. Denn das ist es, was noch stört. Nicht im Iran und in China, aber hier. Entsprechende Gesetze müssen her. Das soeben beschlossene Gesetz ist vielleicht das Dümmste aller deutschen Gesetze nach 1949. Angeblich soll damit Kinderpornographie eingedämmt werden. Kann es aber nicht. Das ist bekannt, macht aber nichts.

Nach außen hin verkauft und in die Wege geleitet durch Ursula von der Leyen. Eine Frau aus sehr reichem Elternhaus. Die Familie scheffelt Millionen mit in Deutschland verbotenen Glückspiel. Vater Ministerpräsident von Niedersachsen. Ebenfalls CDU. Aber das ist heute austauschbar. Ob CDU, SPD, FDP oder Grüne, alles gleich.

Im Hintergrund dreht Wolfgang Schäuble am Rad der Zensur. Er hat jetzt genau das Instrument, dass er schon jahrelang wollte und dass ihm die Verfassungsrichter in Karlsruhe noch jedesmal verweigerten. Als Trittbrett für ein Zensurgesetz, das viele an üble Stasizeiten erinnert, müssen mißbrauchte und vergewaltigte Kinder herhalten. Diese selbst, die vom Leid Betroffenen, sind darüber entsetzt. Aber wen juckts, denken sich Merkel, Müntefering und Co.

Der Wähler? Ha, der hat doch schon genug an der Backe. Was juckt ihn da die Politik. Und wenn doch, hat er doch  gar keine Zeit dafür. Und schon gar keinen Nerv, wegen der vielen Sorgen. Er wendet sich lieber ab. Hockt daheim, schaut DSDS, Jauch, Beckmann, Kerner und allerlei Fernsehköche. Dafür gibts das ja. Wählen tut der doch nicht mehr.

Das kommt entgegen, sagt man aber so nicht. Besser das Gegenteil. Das kommt gut an. Und nur darauf kommts an. Was gut ankommt. Bis zur Wahl im Herbst. Danach ists erstmal wieder egal.

Wie ich darüber denke? Ja, ich bin selbst so alt wie die Internetausdrucker. Ich drucke aber schon jahrelang nichts mehr aus. Ich persönlich finde, spätestens jetzt ist Schluß. Ab jetzt muß auch der Frustrierte wieder zur Wahlurne gehen. So, wie es scheint, gibt es seit Jahrzehnten endlich wieder eine ernst zunehmende politische Gruppierung, die nicht nur zukunftsorientiert, sondern auch demokratisch denkt. Und zwar europaweit gibt es sie schon. Sie sitzen sogar schon im Europaparlament.

Nur durch Zufall bin ich auf sie gestossen. Wo? Zuerst im Internet, natürlich. Die noch junge Piratenpartei . Nein, keine Angst, Nomen ist hier nicht gleich Omen. Der Name polarisiert? Vielleicht. Die Menschen aber, die ich dort bisher kennenlernen durfte, sind nicht nur gebildet, sondern auch anständig und aufrichtig.

Es sind echte Demokraten. Und sie meinen es ernst. Und genau das zählt jetzt. Für mich zumindest.

Ihr Marlon

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