Endzeitstimmung am Ballermann – Holt die Party wieder zurück!

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade
Eigentlich sollte es doch endlich aufwärts gehen mit meiner Insel Mallorca. Den unrühmlichen Jahren der politischen Korruption sollte endlich eine Politik der Nachhaltigkeit folgen. Seriös und transparent, für alle Mallorquiner wie auch Touristen nachvollziehbar. Nachhaltig auch im ökologischen Sinne.
Die schlimmen Fehler des letzten Jahrzehnts, als Balearenregierung sowie Inserat, angeführt von Jaume Matas, Partido Popular (PP), und Maria Antònia Munar, Unió Mallorquina (UN), aus Mallorca quasi einen Selbstbedienungsladen machten, sie sollten endlich in Vergessenheit geraten. Und mit ihnen auch das Motto, wer von uns hat noch nicht, wer will nochmal.
Eitel Sonnenschein sollte also weithin herrschen, aber weit gefehlt. Dieser ist noch nicht einmal im Alltag auf Mallorca zu sehen. Was ist bloß mit dem Wetter los, fragt man sich. Mallorca-Wetter bedeutete doch, die Sonne strahlt schier unendlich, zuweilen gar gnadenlos.
Dazu der blaue Himmel, der jedem Touristen die allerschönsten Urlaubsträume beschert, wenn er denn, wie gemeinhin üblich, an einem der wunderbaren Inselstrände liegt und glückselig gen Himmel blinzelt. Zumindest von Mai bis September galt Mallorca als so gut wie regenfrei. Wenn man einmal von der Serra de Tramuntana und der Westküste absieht, aber dorthin zieht es ohnehin nur den kleineren Teil der Inseltouristen.
Aber jetzt erlebt der Feriengast bereits im Mai so etwas wie Endzeitstimmung. Und dies ausgrechnet auch an der Playa de Palma. Endzeitstimmung am Ballermann. Diese Schlagzeile drückt die derzeitige Stimmung am einstmals so berühmten Balenario 6 vielleicht noch am treffensten aus.
Und die Stimmung am Ballermann, direkt zum Saisonauftakt, sie ist mehr als mies. Hatte man doch in den letzten Jahren die ungezwungene Party selbst dort, an dieser für deutsche Mallorca-Urlauber geradezu als Heiligtum betrachtete Strandmeile, weitestgehend verboten.
Die logische Folge, der Ballermanngast orientiert sich woandershin. Alternativen gibt es genug, und auch in anderen Urlaubsgebieten weiß man geschickt mit EU-Geldern umzugehen, um sich touristisch wettbewerbsfähig aufzustellen.
Schikanen hier, Schikanen dort. Lautstärkemessung am Strand, Musik ist dort längst verboten. Alle ordentlich in Reih' und Glied, wie bekannt kommt mir das doch vor. Es hat etwas von preußischen Tugenden, oder noch schlimmer. Nur dass die, die Derartiges anordnen, sich selbst alles andere als vorbildich verhalten. Endlose Strafverfahren in Palma sprechen Bände.
Lautstärkemessungen noch dazu direkt vor dem Oberbayern, und auch dem deutschen Eck. Am Megapark sowieso. Um Gottes willen nicht so laut feiern, heißt es seit einigen Jahren. Zuviel Urlaubsfreude tut nicht gut, sollte dies wohl bedeuten. Und wem es nicht gut getan hat, sieht man heute. Dem Ballermann und den Hotels drumherum fehlen die Gäste. Und die miese Mallorca-Stimmung macht die Runde. Hier auf der Insel, und in der Heimat erst recht. Schlechte Urlaubserinnerungen multiplizieren sich nicht nur. Sie potentieren sich.
Die Urlauber, die gerade jetzt, zum Saisonauftakt noch kommen, ertrinken schier in den Wassermassen, die von oben kommen. Anstatt sich, wie einst üblich, mit riesigen Strohhälmen aus Eimern Sangria am Strand vor der Ballermann-Promenade in ihre Kehlen laufen zu lassen. Na, wenn das kein Treppenwitz der Geschichte ist.
Der Kolumnist auf Mallorca zählt sich selbst nicht unbedingt zu den Ballermännern, aber er schaut auch nicht wie viele andere, die sich als etwas Besseres ansehen, naserümpfend auf sie herab. Im Gegenteil. Von meiner Bleibe in Portixol bis nach El Arenal ist es nur ein Katzensprung. Und ich habe mich vor Jahren noch hin und wieder gerne an dem fröhlich-ungezwungenen Anblick der Partymeile direkt auf der Promenade des Balenario 6 und dem Strand davor erfreut. Es gibt doch kaum etwas Schöneres als glückliche Gesichter zu sehen:
Ich habe die Ballermänner niemals als Störung empfunden, weil ich den Wunsch der Feiernden, zumindest und endlich einmal im Urlaub die berüchtigte Sau rauszulassen, immer gut verstehen konnte. Wer kann sich schon zu den zehn bis zwanzig Prozent derer zählen, die das ganze Jahr hinüber, materiell gesehen, in bevorzugter Weise den Rahm abschöpfen dürfen? Um es sich danach mit überquellendem Reisebudget in Wellness & Spa – Hotels bequem zu machen und vielleicht noch Golf zu spielen.
Nun ist der Ballermann so gut wie tot. Eigenhändig von denen umgebracht, die sich Tourismusfachleute schimpfen, und die doch in der Vergangenheit nur auf ihren persönlichen Vorteil aus waren. Investiert wurde an der Playa von den ortsansässigen Unternehmen auch nur noch in das Nötigste. Wer will schon in etwas investieren, dass er danach nicht so wie früher üblich nutzen darf.
Die Politik in Palma hat es augenscheinlich auch heute noch nicht begriffen. Das 5-Sterne-Hotel Tourismussegment führt die Insel Mallorca direkt in die Pleite. Zumindest, wenn man es permanent und allerorten präferiert. Wenn man diesem allerhöchste Priorität einräumt. Besser war schon immer die alte Unternehmerregel, das eine tun, aber das andere nicht lassen. Der großen Reibach wird nunmal mit den Ballermännern gemacht.
Einst kamen sie noch in Scharen, landeten auf dem nahegelegenen Flughafen Son Sant Joan, wurden mit dem Bus in wenigen Minuten nach El Arenal chauffiert, feierten ihre zwei bis drei Wochen Party, und danach ging es wieder retour. Und wissen Sie was das Schöne für Mallorca war? Die wertvollen Ressourcen der Insel wurden weitesgehend geschont. Vorteilhaft, weil kostengünstig war dies für beide Seiten. Sowohl kurzfristig, als auch langfristig gesehen. Für den Ballermann-Urlauber genauso, wie für den Mallorquiner.
Und genau dahin muss der Tourismusweg wieder zurückgehen. Die Playa sanieren? Selbstverständlich, denn sie ist längst in die Jahre gekommen. Aber, für die richtige Zielgruppe. Der Ballermann muss wieder her, und zwar schnell. Die Zielgruppe darf nicht der Feriengast mit der dicken Brieftasche sein, denn dieser belastet die wertvollen Inselressourcen um das Vielfache, und bringt eben nicht den erwarteten Gewinn. Bei seriöser betriebs- und volkswirtschaftlicher Berechnung. Und für die Inselbewohner schon gar nicht. Dies alles konnte man in den letzten Jahren sehr anschaulich beobachten.
Die tourismusfeindliche Gesetzgebung muss wieder zurückgefahren werden. Die Party am Ballermann wäre zumindest ein erster und wichtiger Schritt in die alte Erfolgsspur einer Urlaubsinsel Mallorca. Das würde blitzschnell die Runde machen. Garantiert.
Ihr Marlon






