Panem et circenses – Brot und Spiele

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade
Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika beherrscht die Schlagzeilen im Sommer 2010, und die Welt diskutiert dieser Tage die Stärken und Schwächen der jeweiligen Nationalmannschaften.
Kann es und werden es die deutschen und spanischen Kicker noch richten? Wieso müssen südamerikanische Fußballspieler ihre betrügerisch erzielte Tore der Öffentlichkeit als vom lieben Gott erzielt verkaufen?
Und, hat etwa der spanische Schiedsrichter Alberto Undiano die Deutschen im Spiel gegen Serbien ganz bewusst, mit großer Heimtücke geschädigt, aus welchen Motiven auch immer?
Geradezu genüsslich dürfte die Politik in Madrid, Berlin, wie auch in Brüssel die willkommende Ablenkung durch den Fußball betrachten. Gilt doch das alte Motto, Panem et circenses – Brot und Spiele, gerade jetzt mehr denn je.
Bereits der römische Kaiser Marcus Ulpius Traianus, in der Geschichtsstunde kurz Trajan genannt, hatte Massenunterhaltungen besonders gepflegt, weil er erkannt hatte, dass sein Volk relativ problemlos mit nur zwei Dingen bei Laune gehalten werden konnte. Mit Getreide, sprich Brot, und mit Unterhaltung durch Spiele.
Korrekt übersetzt lautet Panem et circenses zwar Brot und Wagenrennen. Umgangsprachlich, weil verständlicher und im Grunde auch zutreffender wurde Brot und Spiele daraus.
Die Massenunterhaltung war beileibe nicht nur die Politik im antiken Rom. Wir alle, verehrte Leserinnen und Leser, dürfen davon ausgehen, dass dieser aus Sicht von Despoten grandiose Leitsatz des römischen Kaisers Trajan gerade auch jetzt, in den westlichen Demokratien von heute, eine emminent wichtige Rolle spielt.
Hunderte von Strategieberatern der politischen Drahtzieher auf den europäischen Regierungsbänken raten ihren Klienten mehr denn je, Großereignisse dieser Art möglichst prächtig zu inszenieren, und dabei die niederen Instinkte der Wählerschaft genau auf die Fährte zu locken, auf der sie, die Politik, möglichst weit weg ist. Ist die allgemeine Stimmung im Volk möglichst hoch, schluckt dieses dann willfährich Kröte um Kröte, und bemerkt es zumeist oft nicht einmal. Und zu schlucken bekommen die Menschen derzeit Vieles.
Damit ist jetzt nicht das Bier gemeint, welches durch die Kehlen genau der Proleten gelaufen ist, die sich unlängst am Rande eines WM-Spiels in Calvia auf Mallorca eine Massenschlägerei geliefert hatten, während die Protagonisten des Fußballspiels selbst kurze Zeit später in ihren 5-Sterne-Luxushotels die höchsten Freuden eines Multimillionärslebens genießen durften.
Die Kröte der immer schlechter bezahlten Arbeit, beispielsweise. Mit dem am Horizont von Politik und Großunternehmern ungeniert geschwungenen Zaunpfahl drohender Arbeitslosigkeit. Die Kröte des Heimatverlustes, durch das Aufreißen sämtlicher Grenzen und Schranken, in dessen Folge immer mehr Menschen ohne festen Halt durchs Leben schlingern. Ängstlich, geduckt, vor Sorge, sich und seinen Nächsten nicht einmal mehr die grundlegensten Bedürfnisse eines menschwürdigen Lebens finanzieren zu können.
Die Kröte schwindender sozialer Absicherung bei gleichzeitig höherer Steuerbelastung, denn der Hunderte von Milliarden Euro teure Schaden, den die Politik und ihre Hochfinanzlobby fahrlässig und vielleicht sogar vorsätzlich verursacht haben, muss doch von irgend jemandem getragen werden.
Die Kröte des lückenlos überwacht und kontrolliert werdens, falls der dumme Fußballaugust überraschenderweise irgendwann doch noch auf die Idee kommen sollte, wer denn sein Leben verpfuscht hat. Dann könnte der Mobb ja genau die zur Verantwortung ziehen, die bei Spitzengehältern, und mit Aussicht auf noch bessere Ruhegehälter, Arbeitsleistungen abliefern, für die eben jener Fußballaugust in der freien Wirtschaft bereits nach wenigen Wochen die fristlose Kündigung erhalten hätte.
Der Kolumnist der Insel Mallorca sieht nicht, wie es überall sonst in Europa ausschaut, aber hier bei uns auf Mallorca, hier rumort es gewaltig. Die Menschen bei uns haben erkannt, dass sie die Politik in die Armut getrieben hat, und dass nur wenige von dieser Politik profitieren.
Vielleicht würden diese Menschen ihre Politikvertreter sogar irgendwann zur Verantwortung ziehen. Wenn es nur diese Spiele nicht gäbe.
Ihr Marlon






