O’zapft is

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade
Der Kolumnist auf Mallorca durfte am gestrigen Tag seine bajuwarischen Sehnsüchte erfüllen, gemeinsam mit einigen Freunden auf dem Oktoberfest in Paguera.
Wer vom Oktoberfest spricht, der denkt natürlich an die Wiesn in München, an das berühmte Volksfest auf diesem riesigen Festzeltplatz. Theresienwiese lautet sein richtiger Name, umgangssprachlich, wie erwähnt, nennt man ihn einfach nur die Wiesn.
Die gigantischen Ausmasse der Original-Wiesn in München, wir sprechen da von sage und schreibe zweiundvierzig Hektar, wem dies zu abstrakt erscheint, zweiundvierzig mal zehntausend Quadratmeter, Summa Summarum gigantische vierhundertzwanzigtausend Quadratmeter, in Zahlen 420.000.
Platz für ein stattliches Dorf, dennoch, die meiste Zeit des Jahres ist diese Riesenfläche einsam und verlassen, neben dem Oktoberfest gibt es nur noch einige wenige Veranstaltungen an jenem Ort.
Wiesngänger kennen den gewohnten Anblick alljährlich zur Wiesnzeit, vor allem diese teils riesigen, überquellenden Festzelte, allesamt bereits zur Mittagszeit geziert von Menschentrauben in zahllosen Warteschlangen an den Eingängen, Einlass begehrend, wartend, dass andere die Zelte hoffentlich bald verlassen werden, damit endlich der ersehnte Platz frei wird.
Drinnen, in den Zelten, Stimmung bis zum Abwinken, spätestens um ein Uhr am Mittag beginnen die ersten schon auf den Tischen zu tanzen. Die Mass Weissbier und die Brezn, reichlich Schweinsbraten oder Hendl, besser noch, die Haxe. Denn wer zur Mittagstunde beginnt das Zechen, der benötigt eine gute, möglichst auch etwas fette Grundlage, sonst wird er in Bälde brechen.
Während da drinnen also die Stimmung stetig aufs Neue scheint zu kollabieren, steigert sich der Trubel da draussen, vor den Zelten ebenfalls ins Unermessliche. Ein Jahrmarkt ohnegleichen, der Budenzauber grenzenlos, Fahrgeschäfte für alle und jedermann, mehrere Achter- und Wildwasserbahnen gehören da genauso dazu wie hunderte andere Attraktionen. Vom Riesenrad, über die Hexenschaukel bis hin zum Teufelsrad, jede Menge Historisches mit dabei. Wer kennt nicht den berühmten Schicht'l.
Die Blende hinüber, hierher auf unsere Insel Mallorca , nach Paguera, dort findet seit vergangenen Mittwoch eine der weltweit Hunderten an Plagiaten dieses grossen Oktoberfestes statt. O’zapft is, so erschallte es am Mittwoch, jedoch, der da oben, er meinte es leider wenig gnädig. Die ersten drei Tage nass und ungemütlich, die richtig grosse Sause, sie blieb leider aus.
Vor allem diejenigen da draussen vor dem grossen Zelt, der erwünschte grosse Zahltag, er blieb dann ebenfalls aus. Und so hat man das Oktoberfest in Paguera kurzerhand verlängert, seit dem gestrigen Tag, da spielt der mallorquinische Wettergott zum Glück auch endlich mit.
Bis Dienstag soll es nun gehen, nach Ansicht des Kolumnisten von der Insel eine excellente Entscheidung, die auch beweist, dass die Uhren hier auf Mallorca doch noch etwas anders gehen, als drüben in Deutschland.
Die Stimmung im Zelt, am gestrigen Tag, grandios ist das richtige Wort, nicht wenige werden sich im Laufe der Stunden mit Tränen in den Augen, vielleicht etwas Heimweh, drüben am Originalschauplatz gewähnt haben. Wo man auch hinschaute, fast alles original, die feschen Bedienungen in bayerischer Tracht, im Dirndl, eine einzige Augenweide.
Welch herrliche Dekolletes, wer hätte sie nicht bewundert, weiblich, feminin, und dann doch diese Bärenkräfte im Stemmen der Masskrüge. Direkt importiert von München, wie vieles andere an Originalem in Paguera. Die fleissigen Damen werden den zusätzlichen Zahltag zusätzlich zu ihren bekanntermassen hohen Einnahmen in München begrüsst haben.
Das Trinkgeld eines einzigen Tages kann in München schon mal einige tausend Euro betragen, vor allem in der Nähe der Schönen und Reichen, oder zumindest derjenigen, welche meinen unbedingt dazu gehören zu müssen, und die dann noch etwas kräftiger zechen und blechen.
Die Mädels habens verdient, die meisten werden das restliche Jahr über frei haben, und sie haben das auch verdient. Nach ihrer schier unmenschlichen Maloche lautet das Motto, Servus bis zum nächsten Jahr.
Gestern war es beinahe wie in München, Hendl, Haxe, Braten, Brezn, Weissbier bis zum Abwinken, die Deko in bayerisch-blau, und das Münchner Hofbräuhaus liess grüssen. Die obligatorischen Tänze auf den Tischen, zu bayerischer Musik und den bekannten Stimmungsliedern der üblichen Fetenhits-Interpreten, zahllose Menschen schienen ausser Rand und Band.
Ich muss gestehen, mit jedem Mass Bier finde auch ich jedesmal immer mehr Gefallen daran. Vor allem im Kreise meiner lieben Freunde, die ich heute einmal von dieser Stelle grüße.
Auch und insbesondere die von der Insel Mallorca und den Balearen, ohne deutsches oder gar bayrisches Blut in ihren Adern. Ihr ward zunächst bestimmt etwas erstaunt, denn ihr konntet gestern auch den Marlon tanzen sehen. Aber, und das ist meine kleine Genugtuung, letztendlich hat auch euch das befremdliche alemannische Gehabe gefallen.
Mit jeder Mass Bier strahltet ihr Stück um Stück ein wenig mehr, schlussendlich schon fast schon wie ein richtiger bajuwarischer Stier. Das Wichtigste, das ihr jetzt und heute wisst, der Cabezas Quadradas ganz und gar nicht bayerischer Abstammung ist.
Meine ersten Grüße gehen heute an die Veranstalter in Paguera. Gratulation, euer Oktoberfest muss ganz genauso im nächsten Jahr wiederholt werden. Das eine oder andere, vor allem draussen, das könnte man noch verbessern, drinnen da kam das Oktoberfest-Feeling ganz sicher auf. Eure Preise, na ja, Angebot und Nachfrage, so ist es nunmal, und diese Nachfrage, diese ist zweifelsfrei vorhanden.
Mein Gruß hinüber nach Deutschland, er geht heute natürlich vor allem nach Bayern. Eure Münchner, eure bayerische Lebensart, vor allem die oberbayrische, sie ist weltweit seit Jahrzehnten unheimlich gefragt. Allen Buh- und Schmährufen einiger Spassbremsen zum Trotz, Bayern scheint die Menschen nunmal glücklich zu machen.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, eine Insel der bayerischen Sehnsüchte.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon






