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Die Wahrheit liegt im Hosensack

Die Wahrheit liegt im Hosensack

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade

Die Insel Mallorca im Sommer 2008, diese Insel ist aufgewühlt, sie befindet sich im Umbruch.

Immobilienkrise mit fallenden Preisen für Immobilien auf Mallorca, Finanzkrise, der Abbau von Arbeitsplätzen, eine bereits seit Monaten andauernde Preissteigerungswelle, das allgegenwärtige Schreckgespenst der Korruption, und dazu kommt dann noch, als wenn dies alles nicht schon genügend Unbill wäre, die kaum zu bremsende Flut an legalen und illegalen Einwanderern.

Noch mehr als bei Ihnen drüben in Deutschland und in vielen anderen Ländern Europas lechzen wir hier auf Mallorca förmlich nach angenehmeren Schlagzeilen. Dem täglichen Blick auf die neuesten Meldungen in vielerlei Medien folgt regelmässig die Ernüchterung.

Das kurze Zwischenhoch, ausgelöst durch den Gewinn des EM-Titels und den Wimbledonsieg Rafael Nadals, es war emotionaler Art, und damit wichtig und gut. Aber, es ist auch schon wieder verpufft. Der Inselalltag hat uns alle eingeholt, und Tag für Tag lebt man in grosser innerer Anspannung, weil man sich nicht nur bewusst, sondern auch unbewusst zu fragen scheint, was kommt als Nächstes auf uns zu.

Selbst der Kolumnist auf Mallorca erwischt sich neuerdings immer öfter auf der Suche nach den wenigen Ereignis-Strohalmen, die die Leser mit mehr Zuversicht und Optimismus erfüllen. Alleine sie gibt es leider nicht, im Gegenteil.

Die Entlassung von weit über 1000 Mitarbeitern der Fluggesellschaft Spanair erschüttert alle Insulaner, wohlwissend, dass es bei dieser Zahl nicht bleiben wird. Der Flughafen von Palma de Mallorca soll nach dem Willen der Strategen der Fluggesellschaft SAS, zu dessen Konzern Spanair gehört, bereits in naher Zukunft nur noch eine Nebenrolle spielen.

Die angespannte Kostensituation, verursacht durch steigende Kerosinpreise, sinkende Passagierzahlen und dem ohnehin permanent vorhandenen Konkurrenzdruck lassen nach Auffassung des SAS-Mangements keine andere Lösung als diese zu. Dies nachzuvollziehen und zu beurteilen ist schwierig.

Die Gründe für die Tatsache, dass Spanien bereits fest von einer knüppelharten Rezession erfasst ist, sie sind bekanntermassen vielschichtiger. Sie liegen in einer falschen europäischen und globalen Politik, in deren Folge die Insel Mallorca zum willenlosen Spielball von Spekulanten wurde, genauso wie viele andere Regionen Spaniens.

Dies zu wissen nutzt den 250 Mitarbeitern von Spanair auf Mallorca, die jetzt ihre Arbeitsstelle quasi über Nacht verlieren werden, allerdings nichts, und der Betriebsrat von Spanair wird da auch nur geringe kosmetische Korrekturen bewirken können.

Genauso wie die Autonomie-Regierung in Palma, die noch vor gut einem Jahr, nach dem überraschenden Wahlsieg, mit soviel Optimismus in die Legislaturperiode gestartet war, und deren Zuversicht längst schon gewichen ist.

Ministerpräsident Francesc Antich, er wird auch seine zweite Chance nicht nutzen können, ist zu vermuten. Politik ist Tagesgeschäft, wenngleich die Folgen politischer Entscheidungen lange andauern können, wie man heute hautnah erleben kann.

Mallorca trifft die Rezession wesentlich stärker als die meisten anderen Regionen Spaniens, und diese Regionen, egal ob an der Küste oder im Landesinnern, sie blicken nicht ohne eine gehörige Spur Häme in Richtung Balearen, wie auch gen Barcelona.

Wer die Nase so weit oben trägt wie die autonome katalanische Provinz dies nach Einschätzung nicht weniger Spanier über Jahrzehnte zu tun pflegte, wer sich selbst auf einen hohen Sockel stellt, der fällt nunmal auch tief, und kann dann nicht auch noch mit dem Mitleid der anderen rechnen. Hochmut kommt nunmal vor dem Fall. Das alte Sprichwort könnte sich auch hier wieder einmal bewahrheiten.

Dazu kommt auch noch eine reichliche Portion Argwohn, mit der man den Katalanen im Land auch schon deshalb begegnet, weil deren politischer Einfluss in der Hauptstadt Madrid als genauso unangemessen hoch eingeschätzt wird, wie deren Nähe zum spanischen Königshaus.

Nun ist zwar der Futterneid nichts ungewöhnliches, jedoch, in schwierigen Zeiten, und vor allem dann, wenn jeder mehr und mehr ans Überleben denkt, dann tritt dieser Futterneid immer stärker zum Vorschein. Grosse Sympathien, Schulterschluss und damit Hilfestellung kann Mallorca daher von aussen nicht gross erwarten. Da kann die Autonomieregierung in Palma, oder die in Barcelona, noch so laut nach mehr finanzieller Unterstützung der Zentralregierung in Madrid schreien.

Die im spanischen Vergleich reiche Provinz Katalonien ist nunmal ein Zahlmeister. Die Steuergelder Kataloniens wandern zum Teil auch in ärmere Regionen. Und auch wenn es vielen hier nicht passt, dies ist nichts anderes als eine Selbsterständlichkeit, wenn man Teil einer sozialen Gemeinschaft ist. Und dies ist unsere autonome Provinz Katalonien, und damit auch Mallorca, nunmal.

Also müssen wir, neben der Hinterfragung politischer Strategien in Madrid und Brüssel, uns in erster an die eigene Nase fassen. Wir müssen die Fehler bei uns hier vor Ort suchen, direkt hier auf der Insel Mallorca . Und diese dann korrigieren.

Anfangen könnte man zum Beispiel mit einem für alle Bürger sichtbaren, definitiv ernstgemeinten, Kampf gegen die Korruption. Mit diesem Ansinnen grüße ich unsere Regierung in Palma genauso wie alle politischen Mandatsträger der Insel in den vielen anderen Inselorten. Egal ob haut- oder ehrenamtlich, an diesem Punkt hapert es leider immer noch.

Oder wie kann es sein, dass korrupte Mitarbeiter des Gefängnisses in Palme de Mallorca ihre ehrlich und vorschriftsmässig arbeitenden Vorgesetzten unter Druck setzen, damit diese aus Angst um ihr Leben und das ihrer Angehörigen bei den Amtsmissbrauch-Straftaten ihrer Mitarbeiter stillschweigend wegschauen?

Wie kann ein demokratisch gesundes Rechtsempfinden durchgesetzt werden, oder auch nur entstehen, wenn verurteilte Straftäter hinter Gittern weiterhin ihren schmutzigen Geschäften nachgehen können, oder abgeurteilte korrupte politische Mandatsträger unzulässige Hafterleichterungen oder sogar Haftverschonung erhalten?

Es gibt jede Menge aufzuräumen, innerhalb des mallorquinischen Gemeinwesens. Fangen wir doch endlich einmal konsequent damit an.

Politisch aufzuräumen, das wäre auch drüben in Deutschland angesagt. Dort sitzen die Hauptverantwortlichen der schlimmsten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Meine Grüße dorthin, sie gelten Politik und Lobbyistentum. Das letztere korrumpiert Teile des Gemeinwesens. Da kann man noch so schlau dafür argumentieren.

Ohne Lobbyismus wäre es ganz sicher nie dazu gekommen, dass Zölle und andere internationale Handelsbeschränkungen aufgehoben werden, mit der Folge der massenhafte Schliessung von Unternehmen am Standort Deutschland und der millionenfachen Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland.

Die Menschen im sogenannten alten Europa, im Europa der alten EU, bevor diese über unsere Köpfe hinweg erweitert wurde, sie haben genau deshalb immer weniger Geld in der Hosentasche. Und in Abwandlung eines Zitates von Otto Rehagel sollte die Politik daher immer bedenken, die Wahrheit liegt nunmal im Hosensack.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca , die ganz gehörig aufräumen muss. Und da der Fisch bekanntlich vom Kopf her stinkt, fängt man am besten auch ganz oben an.

Oben, das heisst bei uns, die autonome Regierung in Palma de Mallorca, deren Ministerien, und dort vor allem die Führungsriege, deren Ministerchefs bei Wahlen regelmässig abgelöst werden, und die nicht selten einfach nur das tun, was sie schon immer getan haben.

Trotz anderslautenden öffentlichen Proklamierungen, wenn nicht sogar trotz gegenteiligen Anweisungen. Zuckerbrot und Peitsche. Das, was aus fehlgeleiteten ideologischen Gründen in der Kindererziehung längst abhanden gekommen ist, scheint auch hier nur selten Anwendung zu finden.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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