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Pleiteinsel Mallorca

Pleiteinsel Mallorca

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade

Immobilien auf Mallorca – ein leidiges Thema. Der Staatsanwalt wird mehr und mehr zu tun bekommen auf unserer Insel Mallorca . Wer bis heute noch geglaubt hatte, dass der Totalabsturz des ehemaligen Tourismusparadieses Mallorca irgendwie noch zu verhindern sei, der muss sich spätestens jetzt eines Besseren belehren lassen.

Die grösste Insel der Balearen erlebt im Jahre des Herrn 2008 eine Katastrophe nach der anderen. Und, dies wird gerade jetzt die wichtigste Botschaft sein, das Schlimmste steht unserem schönen Eiland noch bevor.

Der Konkurs der Baufirma Drac, genauer gesagt der Unternehmensgruppe Drac mit den angeschlossenen 14 Firmen, er schlägt dieser Tage, nicht nur auf Mallorca, sondern in ganz Spanien, ein wie eine hochexplosive Bombe.

Für den Kolumnisten auf Mallorca und einigen anderen aufmerksamen Beobachtern des Insellebens kommt dieser Konkurs des grössten Bauunternehmens der Balearen kaum überraschend. Hierfür und noch für einiges mehr, was da in Zukunft noch auf uns zukommt, gab es seit Langem Anzeichen.

Ungeachtet der desaströsen Lage in der Bau- und Immobilienbranche gab es für die Pleite des von Vicenç Grande geführten Vorzeigeunternehmens jede Menge Indizien. Und spätestens als der Fussballclub der Insel, RCD Mallorca, vor einigen Wochen urplötzlich zum Verkauf angeboten wurde, hätte bei allen, die nun von diesem Konkurs in irgendeiner Weise betroffen sein werden, die Alarmglocken klingeln müssen.

Der Verkauf des RCD Mallorca, dessen Haupteigner und Präsident Vicenç Grande ist, sollte anscheinend Geld in die leeren Taschen des Clubpräsidenten spülen. Jedoch, der Verkauf gelang nicht, wen wunderts, angesichts leerer Kassen, wo man auch immer hinschaut.

Schlappe 600 bis 700 Millionen Euro Schulden sollen angeblich zu Buche stehen, aber wie in derartigen Fällen üblich dürfte es noch eine erhebliche Dunkelziffer geben. Wie gemunkelt wird, soll es Banken geben, die Vicenç Grande vor noch nicht allzulanger Zeit zusätzliche Kredite gewährt haben, worauf wir an dieser Stelle wieder bei dem eingangs erwähnten, dem Staatsanwalt, wären.

Vicenç Grande gehört zur Inselprominenz, wie man seit Jahren weiss, und in den nächsten Wochen werden wohl einige aus den den Insidern bekannten Inselseilschaften mehr oder weniger elegant in Deckung gehen.

Dies ist nicht nur meine Mutmassung, denn es rumort ganz gehörig hinter den wohlfeilen Kulissen, weshalb man nicht nur deshalb davon ausgehen kann, dass dieser grösste Konkurs in der Geschichte der Insel Mallorca nur der Auftakt für weitere Schreckensnachrichten in den nächsten Wochen und Monaten sein wird.

Damit meine ich nicht die zahlreichen Konkurse kleinerer Firmen aus dem Bauhandwerk, Handwerk und anderen Inselbranchen, die es zwangsläufig dann gibt, wenn ein Branchenriese zwangsweise die Segel streicht.

Die spannende wie leidvolle Frage wird sein, wieviele Baufirmen, Bauträger und Immobilienmakler werden ebenfalls vor der Pleite stehen? Da wird noch einiges auf uns Insulaner zukommen, ob wir dies wollen oder nicht. Geht jetzt vielleicht sogar bald eine Investmentfirma oder gar eine Bank hopps? Man mag sich vor Augen führen, dass Spanien und da vor allem Katalonien, vorneweg die Insel Mallorca , von der Immobilienkrise ganz besonders betroffen ist.

Allen Dementis und Falschmeldungen zum Trotz, die scheints ohnehin nur noch den Zweck haben die wie immer grosse Zahl der Unbedarften und Gutgläubigen bei der Stange zu halten – die Insel Mallorca steht vor ihrem Ruin, und sie wird diesen Ruin kaum noch abwenden können.

Zehntausende, wenn nicht gar eine sechstellige Zahl an Opfern, werden dann irgendwann zu verzeichnen sein. Treuherzige Geschädigte, brave Untertanen, gottes- und obrigkeitstreue Bürger und Bürgerinnen und natürlich jede Menge Dummköpfe, die den hochtrabenden Sprüchen aus Politik und Wirtschaft ohne grosses Nachdenken vertraut und geglaubt haben.

Und genau diese werden letztendlich die Zeche zahlen, denn die anderen werden ihre Schäfchen, wen würde es wundern, längst im Trockenen haben. Es bleibt somit spannend und abzuwarten, ob, und wenn ja wie tief der Staatsanwalt in der Konkursache Drac ermitteln wird.

Man muss kein Prophet sein, wenn man den grössten Inselpleitier in der Geschichte der Insel Mallorca , Vicenç Grande, auch in Zukunft genau da wiederfindet, wo er und Seinesgleichen schon immer zu finden war. Nämlich bei allerlei gesellschaftlichen Anlässen an den ersten Inseladressen, im Schlepptau die allseits bekannten Politlobbyisten sowie die ihnen wohlfeile Inseljournalie.

Und daran wird sich wohl auch in den nächsten Jahren nur wenig ändern, es sei denn, oder besser formuliert, bis dann doch einmal der gewissenhafte und aufrechte Staatsanwalt kommt.

Mein erster Gruß am heutigen Tage gilt dem balearischen Wirtschaftsminister Carles Manera. Er ist der Partei der Sozialisten, der PSOE, zugehörig und bemüht sich angesichts der gerade eben eingeschlagenen Bombe geflissentlich zu betonen, dass die Balearen-Wirtschaft kräftig genug sei, um dieser jüngsten Krise zu trotzen.

Wenn es nicht so traurig wäre, mein lieber Carles Manera, dann könnte man ob derartiger Aussagen nur noch lachen und feixen. Aber leider Gottes werden auch jetzt wieder viele Tausend Bürgerinnen und Bürger die Zeche dafür zahlen, dass man Politiker Ihres Formats in die Verantwortung gewählt hat. Manchmal ist es auch angebracht den Menschen schlicht und einfach nur die nackte Wahrheit zu sagen.

Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an die Politikerinnen und Politiker, die angesichts der EU-Abstimmung in Irland von einem EU-Desaster reden, obwohl wir alle den Iren grossen Respekt und Dankbarkeit dafür erweisen sollten, dass sie in einem zunehemds undemokratisch werdenden Europa noch als einiges EU-Land die Fahne einer wahrhaften Demokratie in die Höhe strecken.

Ein vereintes Europa wollen wir alle. Ganz sicher. Aber niemand will eine EU als immer stärkeres politisches Instrument, welches den einzelnen EU-Staaten wichtige Kernkompetenzen raubt, mit der Folge, dass wesentliche Verfassungsleitsätze kaum noch ihre Formulierungen wert sind, sollten die Lissabonner Verträge ernsthaft in Kraft treten.

Die Menschen in Europa wollen die EU nicht so wie ihr sie euch zurechtbastelt, werte Politik. Ihr könnt es dieser Tage in allerlei Kommentaren im Internet lesen. Diese sprechen zu weit über 80 % eine klare und deutliche Sprache.

Die Menschen spüren es instinktiv und seit langem am eigenen Leibe, dass euer EU-Europa nur euch selbst und wenigen anderen etwas nutzt. Und wie es in Demokratien so üblich ist, solltet auch ihr endlich diesen Wünschen eurer Wählerinnen und Wähler Rechnung tragen.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca in äusserst stürmischer See. Die Pleiteinsel Mallorca, der es wohl erst dann wieder gut gehen wird, wenn endlich einmal der Staatsanwalt mit dem ganz harten, eisernen Besen kommt.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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