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Recht und Gesetz

Recht und Gesetz

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade

Geradezu paradiesische Zustände auf der Insel Mallorca. So oder ähnlich könnte die Losung bei all denen lauten, die es mit den Buchstaben des Gesetzes noch weniger genau nehmen als man es in den südlichen Gefilden Europas ohnehin gewohnt ist.

Ein Schlaraffenland für die diebischen Nelkenfrauen, für Betrügerbanden aus Osteuropa, Afrika und anderswo, und natürlich auch für nicht wenige Wirtschaftskriminelle wie auch andere, die wahrscheinlich seit Wochen nur einen einzigen Gedanken haben werden.

Ein Gedanke, verbunden mit einem Stossgebet an den Allmächtigen da oben, der da lautet, Herr, bitte lass diese chaotischen Zustände in der balearischen Justizverwaltung noch einige Monate länger andauern.

Wer nun von meinen Leserinnen und Lesern glauben mag, dass man dem Kolumnisten der Insel Mallorca heute Morgen ganz still und leise und unbemerkt einige Wonnetropfen in seinen café con leche geträufelt haben könnte, der irrt gewaltig. Was sich im ersten Moment wie Humor britischen Ursprungs anhört, ist leider Gottes bitterer Ernst, und damit alles andere als spassig.

Seit Anfang Februar schon streiken auf Mallorca die Justizangestellten, und wer die Zustände der spanischen Justiz genau kennt, der weiss, welche haarsträubenden Konsequenzen dies für Zehntausende Betroffene hat.

Chaotisch und nahezu irreparabel, diese Beschreibung und Zusammenfassung der Situation an den Gerichten auf Mallorca wäre doch glatt noch eine masslose Untertreibung, wenn der Balearenpräsident Francecs Antich jetzt und heute einen offiziellen Lagebericht abgeben müsste.

Weit über 80.000 juristische Vorgänge liegen teilweise seit Monaten einfach nur herum, niemand kümmert sich um sie, niemand bearbeitet sie. Wenn denn die Zustände in der spanischen Jusitz nicht ohnehin schon chaotisch wären, durch die Brille eines durchschnittlichen Mitteleuropäers betrachtet, selbstverständlich.

Auch ohne Streik kann es nämlich durchaus sein, dass sich ein einfaches Zivilverfahren bis zu zehn, ja sogar auch schon einmal 15 Jahre hinziehen kann. In der ersten Instanz, versteht sich.

Keine Frage, wenn politisch gewollt, der nötige Nachdruck also vorhanden ist, dann kann ein Justizvorgang, wie zum Beispiel ein Gerichtsverfahren, natürlich auch einmal ganz, ganz schnell gehen. Bei Steuerverfahren ist dies ohnehin der Fall.

Oder wenn das berühmte Vitamin B mit im Spiel ist, Beziehungen sind hier in Spanien bekanntermassen, mehr noch als bei Ihnen drüben in Deutschland, das halbe Leben. Der afrikanische Kontinent lässt schön grüssen.

Nun verfallen an jedem neuen Streiktag wichtige Fristen vieler Justizvorgänge, und die Folgen vor allem in den zahllosen Strafverfahren in Palma, sie sind erheblich und erschreckend.

Die Streikursache, sie ist bei all dem fast schon nebensächlich geworden, aber dies scheint in Palmas Regierungsviertel ohnehin nur wenige zu interessieren. Es geht klarerweise um mehr Lohn, und wer die kargen spanischen Löhne kennt, der hat grosses Verständnis für den Unmut der Streikenden. Die im Vergleich zu anderen spanischen Regionen so wohlhabende Insel Mallorca bezahlt ihre Justizangestellten schlechter als anderswo.

Dieser Streik ist nur einer von vielen, werden jetzt eiige vielleicht sagen. Worauf ich entgegne, das stimmt, und gehört auch zum Leben hier bei uns dazu. Jedoch, eine Justiz hat einen ganz besonderen Stellenwert. Sie sollte möglichst reibungslos und wirkungsvoll funktionieren, und genau davon ist die spanische, wie auch die mallorquinische Justiz, selbst ohne Streik, meilenweit entfernt.

Mein erster Gruß am heutigen Tag, er gilt den Oberen in Palma. Wie ihr da seit Wochen die Tarifverhandlungen führt, das ist beileibe kein Ruhmesblatt. Aber, und dies ist eine weithin bekannte traurige Tatsache, wer für seine Handlungen haftungsrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, wie dies nunmal auch hier in Spanien bei Politikern der Fall ist, dem kann man leider auch nur wenig Feuer unterm Hintern machen.

Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen heute direkt in die feinen Vorstandsetagen der Formel 1 Rennställe BWM und Mercedes. Ihr meldet euch dieser Tage in einer höchst fragwürdigen Affäre um Max Mosley, dem FIA-Chef, mit offiziellen Stellungnahmen zu Wort. Genauso, wie dies die Honda-Führung, diverse jüdische Organisationen und auch andere tun.

Was an den angeblichen Ereignissen im Schlafzimmer von Max Mosley wahr ist oder nicht, darüber kann oder darf jedoch in keinster Weise diskutiert werden, weil Geschehnisse in der Intimsphäre Dritter ein absolutes Tabu sind.

Abgesehen von Rechtsnormen, die dies gebieten, sollte euch dies sollte eigentlich schon der ganz normale Anstand sagen. Und deshalb ist das Thema genauso zu behandeln als hätte es nie eine Veröffentlichung gegeben. Ansonsten wird es nicht mehr lange dauern, und es schnüffelt jemand in krimineller Weise im Schlafzimmer von Norbert Haug oder einem anderen eurer Mitarbeiter herum.

Wenn ihr unbedingt die moralische Keule schwingen wollt, dann Ihr solltet ihr lieber verurteilen, das ein Unrechtsregime wie China die Olympischen Spiele ausrichten darf, und jetzt endlich dafür sorgen, dass diese Olympischen Spiele 2008 auf breiter Front boykottiert werden. Dies alleine wäre aller Ehren wert, und ihr könntet genau damit ein Vorbild in Sitte und Anstand, Moral und Ethik sein.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca , auf der bald anarchistische Zustände herrschen, Dank der Unfähigkeit der Verantwortlichen in Palma den Streik der Justizangestellten zu beenden.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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