Auswandern? Ende der Diskussion.

Kolumnist Mallorca - Rauchverbot auf Mallorca - Tourismus ade
Es gibt ihn tatsächlich immer noch. Den Mallorca-Auswanderer. Der Mann von Nebenan, zuweilen auch die Frau. Normalsterbliche, so wie Du und ich. Er muss selbstverständlich arbeiten für sein Geld, so wie Du und ich dies auch tun müssen.
Hart arbeiten, mit eigener Hände Arbeit, versteht sich. Und, er muss diese Arbeit unmittelbar, vor Ort, verrichten. Keine virtuelle Tätigkeit, im Internet, für die der Wohnsitz in der Regel eher nicht entscheidend ist, solange der High-Speed-Zugang vorhanden ist.
Auch keine Tätigkeit wie sie der Kolumnist auf Mallorca verrichtet. Dieser ist, dem lieben Gott sei es gedankt, in der glücklichen Lage sein Arbeitsumfeld alleine nur nach seinen privaten Bedürfnissen zu bestimmen. Auch im modernen, globalen 21. Jahrhundert zieht man üblicherweise in die Nähe seines Arbeitsplatzes, so wie dies seit Jahrtausenden quasi Naturgesetz ist.
Der Mallorca-Auswanderer weiss dies schon, zumindest im Unterbewusstsein ist ihm diese existenzielle Kenntnis tief verankert. Alleine nur, er scheint sie zu verdrängen. Aus der Not heraus? Vielleicht. Der menschliche Überlebensinstinkt kann jedenfalls nicht die Ursache für die sträfliche Missachtung einer der wichtigsten Grundregeln zu sein, für alle die nach Mallorca auswandern wollen.
Diese erste wichtigste Regel lautet, und dies schon seit vielen Jahren, suche Dir vor dem Umzug einen seriösen Job auf der Baleareninsel. Keinesfalls hinterher, also nicht erst nach dem Umzug. Denn die Suche hier vor Ort kann zu einem nicht enden wollenden Märthyium werden, und als letzte Konsequenz hieraus droht schnell der Ruin. Die vollständige Selbstaufgabe in einem fremden Umfeld. Ein Umfeld, dass sich ganz schnell von seiner übelsten Seite präsentieren kann. Unmenschlich, kalt, lebensfeindlich, perspektivlos.
Dass das Beherrschen der Landesprache ebenfalls ein absolutes Muss ist, sagt tief im Inneren unseres Überlebensinstinktes die Grundregel Nummer zwei. Mallorca hat zwei Landesprachen, wobei das mallorquí, ein Dialekt des catalan, für den Jobsuchenden unter Umständen sogar die Wichtigere von beiden sein kann.
In Jedem Fall erleichtern Grundkenntnisse der Inselsprache das Knüpfen von wichtigen Kontakten auf Mallorca, genauso wie auf den Baleareninseln Ibiza und Menorca Grundkenntnisse der dort gesprochenen Dialekte eivissenc und menorquí dies tun. Auch wenn ein Grossteil der Balearen nicht in ihrer Inselsprache schreiben können, da die genannten Dialekte, ebenso wie das catalan, in den Jahrzehnten der Franco-Diktatur verboten waren – die Kommunikation findet auf Mallorca vornehmlich in mallorquí statt, wenn gleich bei offiziellen Anlässen das gesprochen wird, was der Deutsche gemeinhin als spanisch bezeichnet, das castellano.
Wer von den Auswanderungswilligen das castellano fliessend beherrscht hat natürlich bereits auch bessere Chancen bei der Jobsuche auf Mallorca. Diese Chancen sind leider jedoch nicht in einem so hohen Masse vorteilhaft, als dass man seine Jobsuche in blindem Vertrauen darauf bis auf die Zeit nach erfolgreicher Umsiedelung verschieben könnte. Wer dies dennoch tut handelt grob fahrlässig und darf dann hinterher nicht lamentieren und vielleicht sogar noch Dritte für sein Scheitern verantwortlich machen, da es vorhersehbar war.
Gerade jetzt, zum Jahreswechsel 2008/2009 hin, sind auf Mallorca Tausende arbeitslos gemeldet, die eine gute Qualifikation nachweisen können. Einheimische mit Kenntnissen in mehreren Sprachen, viele von Ihnen sprechen sogar deutsch. Man kann es daher nicht deutlich genug bekräftigen, es gibt auf Mallorca nunmal keine Jobs für auswanderungswillige Deutsche. Punkt. Aus. Ende der Diskussion.
Es sei denn der Auswanderer ist bereit seine Menschenwürde gänzlich abzulegen, konkurriert mit illegal auf Mallorca befindlichen Marrokanern und Schwarzafrikanern, oder zeigt Bereitschaft sich versklaven zu lassen. Zu starker Tobak, denken Sie vielleicht jetzt. Mitnichten. Genau so stellt sich die traurige Wirklichkeit bei uns dar. Nicht nur auf Mallorca, auf den Balearen, sondern in ganz Spanien.
Jeder, der nach Mallorca, oder auch in andere Regionen Spaniens, auswandern möchte, sollte sich als allererstes eine gleichermassen wichtige wie traurige Erkenntnis aus der Arbeitsmarktstatistik zu Gemüte führen. Das legale, offizielle Mindestgehalt für eine 40-Stunden-Woche in Spanien beträgt gerade einmal 600 Euro.
Eine Ausnahme, denken Sie? Ganz und gar nicht, im Gegenteil. Weit mehr als ein Drittel aller Arbeitnehmer auf den Balearen erhalten genau diesen Mindestlohn. Und ein Grossteil von ihnen leistet bereitwillig Überstunden. Unbezahlte Überstunden, versteht sich. Die Angst seinen, wenn auch karg entlohnten, Job zu verlieren knechtet mehr und mehr Menschen hier bei uns. Dies ist erlebte Wirklichkeit auf den Baleareninseln, wie auch in ganz Spanien.
Meine ersten Grüsse sollten eigentlich von Ihnen allen, verehrte Leserinnen und Leser in Richtung Politik ausgeprochen werden. Richtung Berlin vor allem, aber auch Paris, London, Rom, Madrid und Brüssel. Dort vor allem sitzen genau die, bei denen sich für die Zustände bei uns bedanken können. Und, diese Politik in Europa schaut nur zu und handelt nicht. Selbst jetzt noch.
Gut wissend, dass es genau ihre politischen Entscheidungen gewesen sind, die zu einer erschreckenden Verarmung der westeuropäischen Gesellschaften geführt haben. Arbeitsmärkte und Handelsbarrieren hat man einfach beiseite geschafft, obwohl diese schwerwiegenden Folgen klar auf der Hand lagen. Und wenn auch in naher Zukunft nicht zurückgerudert wird, dann droht nicht nur der schönen Insel Mallorca unausweichlich eine lang andauernde Depression.
Meine Grüsse hinüber nach Deutschland, sie gehen an eine Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in diesen Wochen mehr und mehr ihr wahres Gesicht zeigt. Oder besser formuliert, dazu gezwungen wird ihr wahres Gesicht und ihre wahren Fähigkeiten zu zeigen sowie politische Verantwortung zu übernehmen und kluge Entscheidungen zu treffen. Ihrer perfekt geölten PR-Maschinerie sind jedoch spätestens jetzt die Argumente ausgegangen. Nichts kann mehr kaschiert werden.
Das einst wirtschaftlich so mächtige Land, Deutschland. Man hat es gegen die Wand gefahren. Mit voller Wucht. Vorhersehbar noch dazu. Die Verantwortlichen? Nicht nur Angela Merkel, selbstredend. Die Liste wäre schier unendlich. Man kann fast schon wahllos notieren. Kohl, Merkel, Schäuble, Glos, Steinbrück, Schröder, Fischer, Westerwelle, Müntefering, CDU, CSU, SPD, FDP, die Grünen. Picken sie sich einfach jemanden heraus. Sie liegen meist richtig.
Globalisierung Juchhe, EU-Osterweiterung ebenso Juchhe, Euro Juchhe. So lauteten die falschen Losungen der letzten 15 Jahre. Geopfert wurde damit ein grosser Teil dessen, was bis Ende der 80er Jahre mit viel Mühe aufgebaut wurde. Ich persönlich kann darüber bereits seit vielen Jahren nur noch mit dem Kopf schütteln.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, eine Insel Mallorca , auf die nur diejenigen auswandern können, die genügend Geld besitzen. Die am besten nicht mehr für ihr Geld selbst arbeiten müssen. Oder die einen Job haben, den sie auch von hier aus, von Mallorca aus, ausüben können.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon






