Arm und reich

Marlon über Armut und Wolhstand auf Mallorca und in EuropaArmut und Wohlstand, ob hier auf Mallorca, in Deutschland und ganz Europa, oder auch sonst auf unserem Erdball, ganz gewiss ist dies ein besonders trauriges Thema.

Die meisten von uns schauen erst gar nicht hin, beachten es nicht. Ein Kolumnist auf Mallorca will hier nicht den moralischen Zeigefinger heben, um Himmels Willen, zu gut kennt er die Menschen. Und auch sich selbst, er ist ja zum Glück auch einer.

Nur zu menschlich ist es nämlich nicht Tag für Tag auf das Elend zu schauen, fast schon so etwas wie ein Überlebenstrieb, damit wir alle nicht der ganz grossen Depression verfallen. Genau dies müsste dann geschehen, denn das Ungleichgewicht zwischen denen, die am schönen Leben teilnehmen und den anderen, die da in die Röhre schauen, das wird immer grösser.

Wegfall nahezu jeglicher Handelsbeschränkungen, zumindest im Sinne derer, die sich sowieso schon an den Ressourcen im Übermass bedienen, das Globalisierungszeitalter kennt eigentlich nur zwei Gewinner. Der eine ist der eben genannte, der finanz- und kapitalstarke Multi, seine Finanziers, Investmentfonds, der Begriff Hedge Fond ist zu einem Synonym für ein modernes Raubrittertum geworden.

Im Sog dieser Genannten versuchen so viele Menschen wie möglich auch einige Brocken für sich zu erhaschen, na ja, Krümel wäre wohl das richtige Wort hierfür. Neben den Giganten, deren Kapitalkraft das Bruttosozialprodukt der meisten Länder unserer Erde übersteigt, geht alles andere schier vor Ehrfurcht in die Knie.

Statt aus ehrenhaften Motiven heraus für etwas mehr soziale Gerechtigkeit einzustehen, unterstützt die Politik der mächtigen Nationen die alleine von Profitoptimierung geleiteten wirtschaftlichen Interessen der Grossen. Wo man auch hinschaut, die Politik scheint der zweite Gewinner des Globalisierungszeitalters zu sein.

Sie generiert beträchtliche Zusatzeinnahmen mittels Berater- und anderen Verträgen, diese Nebeneinnahmen übersteigen das Abgeordnetengehalt nicht selten um das Vielfache. Was in der freien Wirtschaft undenkbar wäre und nach Bekanntwerden folgerichtigerweise zur sofortigen fristlosen Kündigung führen würde, wird bei den Staatsdienern nicht nur geduldet, sondern mehr und mehr offensiv und ungeniert praktiziert.

Das von den Betroffenen teils heftig und mit allen denkbar möglichen juristischen Mitteln bekämpfte Gesetz über die Offenlegungspflicht der Nebeneinkünfte der deutschen Bundestagsabgeordneten hat deutlich gezeigt, wie das Selbstverständnis zahlloser Lobbyisten in Politikergewändern ist.

Friedrich Merz ist da nur ein Name, es gibt genügend andere, ihnen scheint jegliches Unrechtsbewusstsein zu fehlen, im Gegenteil. Die im erwähnten Gesetz geregelte und mittels höchstrichterlichem Spruch gegen den erheblichen Widerstand von Friedrich Merz und Co durchgesetzte Offenlegung der Nebentätigkeiten der Bundestagsabgeordneten besitzt ohnehin nur ungenügende Aussagekraft, zuviel kann da immer noch verschleiert werden.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, nein, natürlich gilt das nicht für die Politik, zumindest glauben machen will sie dies den Menschen in ihrem Land. Diese Menschen aber, sie glauben dies längst nicht mehr, vielmehr noch, sie streben ihren Vorbildern so gut es irgendwie geht einfach nach.

Für sie mündet das Verhalten der da oben in die Losung, man stopfe sich die Taschen voll, wo immer man kann, so gut man kann. Wen's erwischt, dann ist's halt wie im Doping, der hat einfach Pech und versucht dann mit gewitzten Schwindeleien, juristischen Tricks oder mit dem In-die-Pfanne-hauen Anderer seine Haut irgendwie noch zu retten.

Der innere Schweinehund kommt dann mit Brachialgewalt nach aussen, wenn nicht gar die Ratte, die Vorbilder im Sport sind längst bekannt. Ob nun der bewusste Masseur aus Belgien, der eine oder andere Radprofi, oder die Damen und Herren der Politik, die Jungen wie die Alten sehen nur zu gut, wie der Hase wirklich läuft.

Man rennt dem nach, strebt den gleichen Werten nach, Werte, die sich in den letzten dreissig Jahren radikal verändert haben. Mit Erweiterung der Europäischen Union und der Globalisierung sind die Spielregeln härter geworden. Um nicht zu sagen knallhart, mit der Folge, dass auch in den alten EU-Ländern, auch in Deutschland, die Zahl der Menschen, die in die Armut abgleiten, wächst.

Es hat genügend Experten gegeben, die in den letzten fünfzehn Jahren davor gewarnt haben. Diesen klugen Köpfen hat man sich seitens der Politik nicht bedient, man bediente sich anderen. Diese wiederum finanzieren sich zumeist in erheblicher Weise aus Zuwendungen der Öffentlichen Hand.

Ein fast schon in sich geschlossenes System, welches nicht nur in den Augen des Mallorca-Kolumnisten geradezu pervers anmutet, wenn eine stattliche Anzahl von Mitarbeitern einiger Multis, eben der Globalisierungsgewinnler, an den Schreibtischen einiger Bundesministerien sitzt und deren Tätigkeit quasi direkt an der Quelle beeinflusst.

Lobbyismus in seiner schlimmsten Form, wo Geld ist, kommt seit einigen Jahren noch sehr viel mehr hin, der Arme ist zunehmends chancenlos am schönen Leben teilzuhaben. Und arm werden immer mehr Menschen in Mitteleuropa, was nun auch die Experten der Politik entdeckt haben wollen.

Diese Experten durften nun via Bildzeitung verbreiten, dass die derzeitige Preiserhöhungswelle vor allem die Armen trifft, und weniger die Wohlhabenden. Was seit Urzeiten immer so war, und was dem kleinen Mann sagt sein gesunder Menschenverstand, ja, dafür gibts es sogar studierte Experten im Land. Wer's nicht glaubt, was ich durchaus verstehe, der kann es einfach nachlesen.

Meine ersten Grüße geht heute an diesen scheinbar geschlossenen Kreislauf, an die Politik, die Multis, Hedge Fonds und die zu ihnen gehörenden Experten. Eure Strategien, sie scheinen erfolgreich, gnadenlos für die Mehrheit der Menschen, zum Wohle einer Minderheit. Ihr habt es sogar hinbekommen, dass mit Al Gore ein Hedge Fond den Friedensnobelpreis erhält.

Nicht wenige von euch sind darüber stolz, man lebt in Saus und Braus, betrachtet sich als Genie. Wie viele von euch geben sich noch dazu besonders fromm. Doch zu dem da oben, wenn es ihn denn hoffentlich und wirklich gibt, zu ihm hinauf in den Himmel, da kommt ihr sicher nie.

Mein Gruss nach Deutschland, er gilt der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deutschlands Massen verarmen, und diese Dame reist in der Weltgeschichte herum. Als gäbs kein Aussenminister, auf der anderen Seite, man könnte auch das fast meinen.

Angela Merkel, bestens beraten von ihren PR-Fachleuten, sie will anscheinend nicht in Berührung kommen mit der wachsenden Not in ihrem Land. Sie führt die Strategien ihres Vorgängers in genialer Weise fort, mit entsprechender Hofberichterstattung in den Massenmedien. Ihr Volk geht ihr noch auf den Leim, aber, wehe, wehe, wenn ich in die Zukunft sehe.

Herzliche Grüße auch an alle anderen hier auf der Insel, eine Insel der zunehmend kühlen Nächte.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,

Ihr Marlon
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