Die Sessel der Macht
Stimmen soll sie gekauft haben auf Mallorca, Wählerstimmen um genau zu sein. Maria Antonia Munàr und ihre Partei liberal nationalistische Union Mallorquina sieht sich diesen Vorwürfen ausgesetzt, und sie streitet sie natürlich ab. Nach alledem Erlebten wäre das zumindest für mich keine Überraschung, murmele ich so vor mich hin, den Blick auf diese Meldung gerichtet. Das wäre allerdings schon wirklich starker Tobak und würde ein Stück Erinnerung eines Franco-Faschismus zurück auf diese Insel holen.
Ist ihr dies wirklich zuzutrauen, ihr und ihrer Partei? Ist eigentlich kaum zu glauben, Fassungslosigkeit macht sich breit angesichts einer derartigen Meldung. Die nackte Angst ums Überleben kann schon wie zu oft gesehen tiefe Abgründe in einem Menschen hervorrufen, und wieso soll es hier ausgerechnet völlig anders sein.
Die Sessel einer Macht sind schön kuschelig und bequem. Dies wird sie nur zu gut gespürt haben, Maria Antonia Munàr, denn sie hat die Hebel dieser Macht ja auch nicht selten in schlagzeilenträchtiger Weise hin- und herbewegt.
Publicity schien oft ihr Ziel. Diese hat sie nicht selten angestrebt und diese hat sie selbst jetzt, kurz vor der Wahl wieder einmal bekommen, als sie und der Inselrat, dessen Präsidentin sie bekanntermaßen ist, wieder einmal hat Häuser abreißen lassen. Niederreißen gegen den Widerstand der Betroffenen, ja sogar der Gemeinden. Dies schafft nicht nur Freunde auf der Insel Mallorca. Dies wird sie nur zu gut wissen.
Sie gehörte zu denen, die polarisiert haben in diesem Wahlkampf, weit mehr als Jaume Matas, der zuweilen, wenn auch nicht immer, etwas besonnener wirkte. Na ja, denke ich mir, Frauen von heute, ein schwieriges Thema, sie lassen sich halt nicht mehr so gerne etwas sagen.
Ob dies die Gründe dafür sind, daß sie nicht selten über ihre politische Vernunft hinausgeschossen ist, frage ich mich, um mir im gleichen Atemzug die Antwort zu geben, ich weiß es wirklich nicht. Jedenfalls klangen ihre regelmäßigen Dementis in der deutschen Insel-Journaille wenig glaubwürdig, in denen sie ihr nationalistisches Gedankengut doch deutlich relativiert gesehen haben wollte.
Nur noch ein einziger Tag ist es vor der Wahl, deren Ausgang auch einen Kolumnisten mehr als interessiert, über den ich mir allerdings auch keinerlei Illusionen mache. Es wird wie immer auch darauf ankommen wer überhaupt erst hingeht, wer seine Wähler mobilisieren konnte, und ob die immer weiter wachsende Schar von Nichtwählern, verdammt noch einmal bin ich geneigt zu sagen, endlich einmal ihrer demokratischen Pflicht nachkommen werden und auch wählen gehen.
Sonst haben wir bald auch hier amerikanische Verhältnisse, und wenn die frustrierten Bürger im wachsenden Maße am Wahltag zuhause bleiben, dann freuen sich doch genau diejenigen, die die oben genannten Hebel ihrer Macht nicht selten ungeniert nach eigenen Gutdünken schwingen. Dann bleiben sie nämlich dran, an dieser Macht, und dann kann es ganz schnell einmal lauten, Insel Mallorca, Gute Nacht.
Herzliche Grüße richte ich heute vor allem einmal an die notorischen und unverbesserlichen Nichtwähler, die es überall und immer mehr gibt. Ihr, genau ihr seid in erheblichem Maße an den politischen Zuständen in euren Ländern Schuld. Der regelmäßige Wechsel der Macht ist eine der wichtigsten Voraussetzungen gegen genau den Mißbrauch eben dieser Macht in einer Demokratie. Den Mißbrauch, den ihr immer stärker und öfter beobachtet, und wegen dem ihr dann leider einfach nicht wählen geht.
Herzliche Grüße gehen wie immer hinüber nach Deutschland, so wie an alle anderen hier auf meiner schönen Insel,
Herzliche Grüße vond er Insel Mallorca
Ihr Marlon
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