Deutschland zuliebe
So schön ist es dieser Tage auf Mallorca, und Deutschland ist zum Glück so weit weg, wird der Eine oder Andere am heutigen Tage sinnieren, wenn er wieder einmal die Schlagzeilen von drüben liest. Wohl dem, der das nicht muss, der meint, darauf ganz verzichten zu können. Wohl dem, der da glaubt, von diesen Schlagzeilen weder aus beruflichen noch privaten Gründen Notiz nehmen zu müssen.
Frei nach dem Motto, mir gehts doch gut, was interessieren mich die da drüben, noch dazu in einem Land, welches mich nie mehr wiedersehen wird. Jedoch, diese Gedanken könnten fatale Folgen nach sich ziehen, sie könnten irgendwann einmal zum Eigentor werden.
Immer mehr Menschen in Deutschland wollen das Weite suchen, wollen zum Beispiel nach Mallorca auswandern, oder auch an einen anderen Ort, in Spanien, oder sonst wo in dieser Welt. Diese Welt ist angesichts der heutzutage kurzen Wege in der Datenübertragung denkbar klein geworden, den Erfindungen wie Weiterentwicklungen der Informationstechnologie sei Dank.
Warum möchten immer mehr Menschen weg, ganz einfach, die Luft zum freien Atmen wird in Deutschland so langsam eng. Das freie Leben, sich sicher fühlen in seiner eigenen Privatspähre, in seiner eigenen Intimssphäre, eine Utopie bereits heute oder erst in der Zukunft?
Insider behaupten bereits heute ist das kaum noch möglich, Schuld seien die an die ehemaligen menschenverachtenden Stasimethoden erinnernden Staats-Schnüffeleien, mit basierend auf dem Gedankengut eines Otto Schily oder Wolfgang Schäuble.
Wie weit ist es mit einem Land gekommen, in dem man in den Sechzigern und Siebzigern alles dafür tat, Ursachen wie Folgen eines schmutzigen Krieges vergessen zu machen, und in dem Politiker wie die beiden eben Genannten, zumindest teilweise, in einer den Lehren des Krieges entgegengesetzter Weise agieren können, ohne dass hier ein Staatsanwalt tätig wird.
Otto Schily, ehemals ein ganz linker, gar ein RAF-Sympathisant, er übernimmt mit wachsendem Wohlstand, nachdem alle Taschen sinnbildlich voller Geld waren, eine mehr und mehr reaktionär werdende Lebenseinstellung. Welche eine Lebenslüge steht hinter der Karriere eines Otto Schily, fragt sich da ein Kolumnist auf Mallorca.
Sein Pendant von der CDU, obwohl Parteien eigentlich heute kaum noch eine Rolle spielen, weil alles austauschbar scheint, dieses Pendant nennt sich Wolfgang Schäuble, Schilys Nachfolger im Ministeramt, und dieser darf anscheinend jetzt auch noch ungestraft den Namen Adolf Hilter ins Spiel bringen, wenn es ihm darum geht diejenigen zu diffamieren, die angesichts seiner unsäglichen Schnüffeleibestrebungen den mahnenden Zeigefinger heben.
Wolfgang Schäuble sagte jetzt in einem Interview mit der Berliner Zeitung taz, Wir hatten den größten Feldherrn aller Zeiten, den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten, in Anspielung auf die mehr als 6000 deutschen Staatsbürger, die eine Sammel-Verfassungsbeschwerde gegen das unsägliche Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung einreichen werden, sobald dieses Gesetz veröffentlicht wird.
Zu den Klagewilligen gehört zum Beispiel der frühere Bundestagsvizepräsident Burkhard Hirsch, oder auch der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum, beides waren sie Politiker, an dessen Berufsauffassung wie auch Demokratie- und Verfassungsverständnis sich ein Wolfgang Schäuble eigentlich ein grosses Beispiel nehmen sollte. Die beiden genannten Herren klagten in Karlsruhe bereits erfolgreich gegen den großen Lauschangriff, gemeinsam mit der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.
Die jüngste Aussage des Wolfgang Schäuble, eines deutschen Bundesinnenministers wohlgemerkt, halte nicht nur ich für ganz besonders perfide und geschmacklos, dazu noch in der Sache völlig unangebracht, wie auch schädlich für die Reputation des Amtes eines Bundespolitikers. Ganz besonders aber für das Ansehen der Deutschen Bundesregierung, auch im Ausland.
Ich frage mich, welcher Teufel muss diesen Mann geritten haben, als er diesen Satz raushaute. Dumm ist er ja nicht, ganz im Gegenteil, denn wenn man die Formulierung genau betrachtet, dann erscheint sie wohl durchdacht. Denunzieren, dabei jedoch die Wahl der Worte sorgfältig auf die Vermeidung strafrechtlicher Relevanz ausrichten.
In Anbetracht der völlig unzweifelhaften Untadeligkeit der beiden Politiker Hirsch und Baum könnte die Äusserung von Wolfgang Schäuble dennoch Folgen haben. Wenn schon nicht strafrechtlicher Natur, oder vielleicht doch, aber wenn nicht, dann zumindest politisch. Es wäre zumindest zu hoffen, Deutschland zuliebe.
Meine ersten Grüße gehen heute an die beiden Politiker Burhard Hirsch und Gerhart Baum. Viele Menschen in Deutschland werden euer Engagement für sie und ihr Land leider nicht zu schätzen wissen, weil die meisten wie immer erst dann aufwachen, wenn es zu spät ist. Um so mehr ziehe ich den Hut vor eurem Rückrat, wie auch vor dem der Anderen. Ihr habt nicht vergessen, die Demokratie ist, genauso wie die Deutsche Verfassung, ein heiliges Gut, welches zu verteidigen gilt.
Mein Gruss nach Deutschland ist verbunden mit Ohnmacht angesichts der Zustände in diesem Land. Alle da drüben sollten Politikern wie Wolfgang Schäuble und seinen Mitstreitern ganz genau auf die Finger schauen. Blickt auf die deutsche Geschichte, denn nicht zuletzt diese hat uns allen gezeigt, dass das Volk seine Politik, sprich die Damen und Herren Politiker überwachen und kontrollieren muss, und auf keinen Fall umgekehrt.
Herzliche Grüße auch an alle anderen hier auf der Insel, eine Trauminsel, einer Insel, auf der man sich unbedingt auch für die Vorkommnisse in Deutschland interessieren sollte. Wer weiss, wo das sonst noch hinführt.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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