Unrecht

Marlon auf Mallorca über das Rechtsverständnis der türkischen Justiz in     der Strafsache MarcoWie drüben in Deutschland auch, so wird auch hier auf Mallorca das immer offener zutage tretende skandalöse Verhalten der türkischen Justiz diskutiert.

Es geht um ein Strafverfahren wegen angeblicher Vergewaltigung, allerdings liegt dem zuständigen Schwurgericht in Antalya bereits seit mehreren Monaten eine gutachterliche Stellungnahme vor, nach dem das fragliche Opfer gar nicht vergewaltigt wurde.

Eine Liebelei, ein Urlaubsflirt zweier Jugendlicher, dieser wurde für den einen zur erlebten Horrorvision. Der Angeklagte Marco, ein siebzehnjähriger Junge, er sitzt nun schon seit mehr als sieben Monaten in der Türkei im Gefängnis, und obwohl sich mittlerweile auch internationale Strafrechtsexperten sowie Menschenrechtsorganisationen kritisch zu Wort melden, belässt man diesen Jungen ohne handfeste Beweise in Haft.

Führwahr ein Skandal, stellen Sie sich nur einmal vor, verehrte Leser, es könnte auch eines Ihrer Kinder treffen. Die Willkür einer Justiz, eines in elementarsten Bereichen immer noch patriarchalich strukturierten Staates.

Ein Staat, der in den Gesprächen über etwaige Beitrittsverhandlungen mit der und zur Europäischen Union wiederholt seine Anstrengungen zur Schaffung einer demokratischen Staats- und Gesellschaftsform nach mitteleuropäischem Rechtsverständnis bekräftigt hatte. Ein Anspruch, an dem man jedoch möglichst nicht gemessen werden möchte.

Ein Land, welches in fast schon grotesk anmutender Weise seine Unabhängigkeit von äusseren Einflüssen beweisen möchte, vor allem von den Einflüssen aus eben der EU, in die man so dringend aufgenommen werden möchte.

Das Groteske schwindet allerdings vor dem Hintergrund des Schicksals des betreffenden Jugendlichen, mittlerweile muss man sich grosse Sorgen um den Gesundheitszustand von Marco machen. Dem Jungen geht es anscheinend richtig schlecht, wen wundert das noch. Türkische Gefängnisse sind mit deutschen nicht zu vergleichen.

Mehr und mehr zum Skandal wird auch das Verhalten der deutschen Bundesregierung, die scheints aus politischen Gründen Zurückhaltung übt, anstatt den Vertretern eines Landes, dessen Aussendarstellung zu oft mit dem Alltagsleben in der Türkei in Widerspruch steht, das europäische Rechtsverständnis zu erklären.

Türkei ist wichtiger Natopartner der Vereinigten Staaten, es ist vor allem deren Druck auf die Bündnispartner in der EU, der den baldigen Beitritt der Türkei in die EU bewirken soll. Aus politischen, aus militär-strategischen Gründen.

Da würde ein energisches Eingreifen der deutschen Politik atmosphärische Störungen verursachen, und dies ist nicht gewollt. Was zählt da schon ein unschuldiges Menschenleben, noch dazu da unten noch viel weniger als bei uns.

In den Augen eines Mallorca-Kolumnisten ist Politik einmal mehr ein äusserst schmutziges Geschäft, welches, wie wir alle wissen, nicht selten fern ab jeglicher Ethik handelt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte hier bereits vor langer Zeit öffentlich deutlich Stellung beziehen müssen.

Eines ist sicher, die Türkei wird noch für Jahrzehnte weit, weit entfernt sein von unseren Lebenswerten, den Lebenswerten Mitteleuropas. Allerdings nicht nur wegen dieses Vorgangs, da gibt es ja noch einiges und erhebliches mehr.

Ein Umdenken in der Justizsache Marco, eine Justizsache, die spätestens jetzt zum Politikum geworden ist, dieses Umdenken wird man vielleicht auch mit ganz anderen Mitteln erreichen können. Die Türkei ist auch ein Reiseland, dort sind die Touristen aus Deutschland nicht nur höchst willkommen, sondern sogar lebensnotwendig für eine ganze Industrie.

Mich wundert schon lange wieso man hier nicht den Hebel ansetzt. Spätestens wenn es die ersten Boykottaufrufe gibt, Aufrufe keine Reise mehr in die Türkei zu buchen, dann wird es Bewegung in der türkischen Politik, und damit auch in der türkischen Justiz geben.

Denn, wenn es ans Eingemachte geht, dann sieht plötzlich alles völlig anders aus. Dann wird es einmal mehr lauten, die Moral von der Geschicht', wenn's ums Geld geht, dann verlier' ich gerne mein Gesicht.

Meine ersten Grüße, sie gehen in die Türkei, an eine Land, eine Justiz, deren nach aussen hin zur Schau gestellten Ansprüche zwar hoch sind, die aber bei Weitem immer noch verfehlt werden. Euer Land selbst, es ist zwar schön, war selbst schon da.

Aber leider kann man sich auch heute, im Jahr 2007 noch nicht überall frei und ohne Angst bewegen, schon gar nicht als Frau. Die echte Demokratie, ein liberales Denken, davon seid ihr weit entfernt. Und daher werdet ihr den Mallorca Kolumnisten vorerst auch nicht mehr wiedersehen.

Mein Gruß hinüber nach Deutschland, er geht an alle die, die sich mehr und mehr in dieser Rechtssache Marco engagieren. Unrechtssache wäre wohl das richtige Wort. Ihr solltet einmal eure Strategien überdenken, und die Aufmerksamkeit eurer Landsleute dahin lenken, wo es weh tut. Beim Geld nämlich, da hört bekanntermassen nicht nur die Freundschaft auf, sondern, in den vielen Fällen sogar auch die Feindschaft.

Diejenigen, die geplant hatten die Türkei zu bereisen, ihr kommt sowieso besser hierher, zu uns nach Spanien, noch besser, gleich hierher nach Mallorca. Hier seid ihr sicher, vor allem wenn ihr mit dem eigenen Mietwagen durch die Lande fahrt. Noch dazu, ein Urlaubsflirt auf Mallorca, dieser wird so schnell nicht hinter den berühmt-berüchtigten schwedischen Gardinen enden.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel der, glücklicherweise, echten Demokratie

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon
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