
Existentiell
Erstellt: 2008-01-25 11:00:30
Welch ein Eiertanz, wenn es um den Balearentourismus geht. Was soll man von den Veröffentlichungen halten, mit denen das Tourismusministerium in Palma de Mallorca die Öffentlichkeit regelmässig konfrontiert.
Man gewöhnt sich ja langsam an die Hurra-Rufe, die scheints allen, die direkt oder indirekt am Tourismus auf den Baleareninseln und insbesondere auf Mallorca interessiert sind, symbolisieren sollen, uns gehts gut, alles in Ordnung, beeilt euch mit eurer Reisebuchung ansonsten schnappt euch euer schönes Hotelzimmer, oder eure schöne Ferienwohnung, ein anderer direkt vor eurer Nase weg.
An sich ist eine optimistische Marketingstrategie auch nichts Schlechtes, hat also durchaus Vorteilhaftes, sie muss jedoch in jeder Hinsicht stimmig sein. Und genau daran hapert es hier bei uns.
Wie gesagt, an das regelmässige Jubelszenario hat man sich seit vielen Jahren gewöhnt, mit miesen Zahlen wurden man nur dann konfrontiert, wenn die Lage ganz besonders unangenehm war. Aber auch da hatte man das untrügliche Gefühl, da steckt doch noch viel mehr Unbill dahinter, so wie dies auch jetzt wieder der Fall ist.
In der Mallorca-Redaktion wurde in den vergangenen zehn Monaten regelmässig über den Rückgang des Tourismus auf Mallorca berichtet. Wer die Inselstrände in nahezu allen Orten Mallorcas besuchte, der konnte fast das ganze Jahr hindurch grosse Lücken, in einigen Monaten gar gähnende Leere beobachten.
Selbst die Hauptbuchungssaison, die Monate Juli und August, sie waren schlechter als gewohnt. Und es war eben nicht die Normalität nach einem unglaublich guten Vorjahr, in dem Mallorca von den Problemen anderer Toursimusregionen profitieren konnte.
Wer mit den Restaurantbesitzern, Ladenbesitzern und vor allem Hoteliers und Privatvermietern redete, dem wurde die Realität recht schnell klar. Das abgelaufene Geschäftsjahr war für die meisten schlichtweg eine Katastrophe, und wenn nun das nationale Statistikinstitut, kurz INE, von einer Million Minus bei den Hotelübernachtungen redet, dann dürfte die Wirklichkeit noch viel, viel schlimmer aussehen.
Vergessen darf man keinesfalls den hohen Anteil an Schattenwirtschaft, der Kolumnist der Insel Mallorca möchte keinesfalls wissen, wie hoch der Anteil der Ferienobjekt-Vermietung oder der anderer Branchen ist, bei dem die Einnahmen, am Fiskus vorbei, direkt in die Taschen der Inhaber wandert.
Für das Letztere hat man allerdings hier bei uns eher grosses Verständnis, mit Ausnahme der Damen und Herren eben jenes Fiskus. Diese dürften dies wohl nicht ganz so tolerant sehen, aber dem ist ja nicht nur auf Mallorca so.
Aussagekräftige Zahlen gibt es also kaum, man müsste schon einmal eine anonyme Umfrage in Auftrag geben, durchgeführt von jemandem, der wirklich vertrauenswürdig genug ist, dass der Hotelier, der Ferienhausvermieter oder der Restaurant- und Ladenbesitzer ihm einmal deutlich sagt, wie die Lage nun wirklich ist.
Es könnte nämlich durchaus so sein, und das hoffe ich sogar für meine mallorquinischen Landsleute, dass die stillen Reserven aus der erwähnten Schattenwirtschaft der vergangenen Jahre die im Vorjahr erlittenen grossen Verluste etwas abmildern konnten.
Wie gesagt, Genaues weiss man nicht, und man kann einfach nur Vermutungen anstellen. Und genau so muss man wohl die offiziellen Tourismuszahlen auch dieses Mal wieder einschätzen.
Meine ersten Grüße von heute gehen an die Hoteliers, an die Vermieter von Ferienwohnungen und Ferienhäusern, an Restaurantbesitzer und alle anderen Betriebe, die vom Mallorca-Tourismus abhängig sind.
Ihr müsst selbst Tacheles reden, und zwar offen und laut. Und viele von euch müssen dies vor allem tun. Nur dann habt ihr genügend Einfluss auf die Balearenpolitik, und damit auch auf die Veröffentlichungen des Tourismusministeriums in den kommenden Monaten des Jahres 2008 in Palma.
Ganz offen und laut muss es endlich auch drüben bei Ihnen in Deutschland werden. Dort mimt die Politik momentan den Scheinheiligen, wenn sie das Verhalten von Nokia und anderen Unternehmen kritisieren.
Dabei waren es die Politiker der SPD und CDU, wie auch der FDP und den Grünen, die diese unsägliche EU-Osterweiterung mit Nachdruck beschlossen haben. Und noch viel schlimmer. Sie lassen es sogar zu, dass deutsche Steuergelder via Brüssel nach Rumänien fliessen. Und dort geradewegs in den gierigen Schlund eines globalen Unternehmens, mit Namen Nokia.
Jetzt sind Sie an der Reihe, verehrte Leserinnen und Leser in Deutschland, die ich hiermit ganz herzlich grüße. Ihr solltet doch längst wissen, dass es in unserer Welt immer zwei Arten von Menschen gibt.
Es gibt diejenigen, die andere verschaukeln und sich auf deren Kosten einen schönen Lenz machen. Und, dann gibt es noch die Anderen, und das ist die weitaus grösste Mehrheit. Diese nämlich lässt sich sehenden Auges seit Jahren schon richtig schön verschaukeln.
Sie schauen einfach nur zu oder weg, glauben alles, was da so in Weichspülerart veröffentlicht wird, bis es dann, wie jetzt, wieder einmal zu spät ist. Und, die Verschaukelten, sie machen einfach Nichts. Dabei sind doch die Schuldigen seit Langem schon problemlos auszumachen.
Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca , der ein weiteres schwieriges Tourismusjahr bevorstehen wird. So zumindest befürchten es sehr viele bei uns hier. Und das sind genau die, die existentiell vom Tourismus abhängig sind.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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