Geld auf die Bündel
Zwischen achtundzwanzig und sechsundfünfzig Euro hätten sie gerne, für ein Freundschaftsspiel hier auf Mallorca. Genauer, Real Mallorca spielt am siebten August im Ono-Stadion in Palma gegen Bayern München. Ein Testspiel soll es sein, wie es Jahr für Jahr üblich ist in der Vorbereitung europäischer Profi-Fussballmannschaften zu Beginn einer neuen Fussballsaison.
Der angenehme Nebeneffekt, man kann damit auch gehörig Geld in nicht selten marode Vereinskassen spülen, Top-Teams wie zum Beispiel Bayern München erhalten recht stattliche Antrittsgelder.
Anpfiff ist übrigens um zweiundzwanzig Uhr, dies entspricht in etwa der Uhrzeit, zu der die Aktivität eines Spaniers oder Balearen im Hochsommer erst so richtig beginnt. Auch hier auf Mallorca.
Temperaturen um vierzig Grad im Schatten und mehr, in der Sonne hält man es da überhaupt nicht mehr aus, lassen einen sportlichen Wettkampf vor Sonnenuntergang fast schon als Tortur erscheinen. Und das soll es ja nicht, denn wie bereits erwähnt, ein reines Freundschaftsspiel sollte das ja alles sein.
Ein Fussballspiel, bei dem man vorsichtig zu Werke geht, man will ja schliesslich nicht die viele Millionen teuren Kicker in irgendeiner Weise verletzen. Vor allem die Hunderte von Millionen-Truppe aus München wird da ihre Schlappen ganz schnell und gehörig zurückziehen, falls auch nur die annähernde Gefahr für eine gleich wie geartete Verletzung auf dem Fussballfeld lauern sollte.
Vor diesem Hintergrund sind die Eintrittskartenpreise allerdings auch recht happig, so meine ich dies zumindest. Wenn ich das mal wie immer gewohnt in die gute alte deutsche Mark oder in die spanische Peseta umrechne, mein lieber, lieber Mann.
Da nehmt ihr es aber von den Lebendigen, grummele ich vor mich hin, während ich mir schmunzelnd das in Palma zu erwartende Gehopse der verwöhnten Startruppe aus München vorstelle.
Bald kommen sie, aber von uns hier werden wohl nicht allzuviele Zuschauer kommen. Die Reaktionen auf der Insel sind da eher schon etwas verhalten, um dies jetzt einmal mit grosser Zurückhaltung auszudrücken. Dabei war sogar gelegentlich von Abzocke die Rede.
Meine Meinung dazu, dies muss jedermann für sich selbst entscheiden. Entscheiden, ob er sein mühsam verdientes Geld ausgerechnet auf den Haufen wirft, auf dem sowieso schon genügend fette Geldbündel zu sehen sind, wenn auch im übertragenen Sinne. Dies ist das Schöne, dass man als erwachsener Mensch völlig frei ist in seinen Entscheidungen.
Wohl dem, der da keine Kinder hat, die angesichts der Gelegenheit ihre Stars und Helden einmal hautnah zu erleben, laut quengeln könnten. Und wenn doch, dann wird das Ganze erst so richtig teuer. Ein Familienausflug mit dem schon fast zum Ritual gewordenen Aufenthalt an einer Verpflegungsbude, noch dazu das eine oder andere Souvenir, oh weh.
Das kann sich dann ganz schnell einmal auf den stattlichen Betrag von zweihundert oder sogar noch mehr Euro zusammen addieren, und dies alles für ein müdes Freundschaftsgekicke. Da könnte dann der eine oder andere schon einmal ins Grübeln kommen.
Aber vielleicht gibt es ja genügend Ballermänner, die gerade jetzt in ihrem Urlaub ihr im Laufe eines Jahres so mühsam Erspartes ohne mit der Wimper zu zucken verjubeln werden. Warten wir es jetzt erst einmal ab, wie gut sich das Ono-Stadion in Palma denn füllen wird, und ob sich das ganze für den hiesigen Club überhaupt refinanzieren lässt.
Mein erster Gruss geht heute einmal direkt nach München, und dort an den alten Fuchs und Strategen Uli Hoeness. Einen besseren Fussballmanger wie Dich gibt es ganz sicher nicht. Deswegen geht es den Bayern ja auch finanziell so gut. Jedoch, lieber Uli, hättest Du denn nicht darauf drängen können, dass bei eurem Fussballkick in Palma zumindest für die Kinder und Jugendlichen bis vierzehn der Eintritt frei ist?
Denn dann wäre die Bude hier im Ono-Stadion ganz sicher so richtig schön voll, wenn dann übernächste Woche Deine Supertruppe hier auf dem Platz aufläuft. Und das Merchandising blüht doch mit den Kids erst so richtig auf, wie Du doch am besten weisst.
Da bleibt doch noch genügend hängen für alle Beteiligten, wenn nicht sogar wesentlich mehr. Vielleicht denkst Du noch einmal hierüber nach. Wenn ja, einen Fan mehr hättest Du dann schon einmal. Auch wenn es nur ein Kolumnist aus der Mallorca-Redaktion ist.
Mein nächster Gruss hinüber nach Deutschland verbindet sich mit der Hoffnung, dass die dieses Jahr besonders schlimme Stechmückenplage an euch da drüben möglichst spurlos vorbeigeht. Wie man jetzt hören konnte, treten in den letzten Wochen bei Stechmückenbissen vermehrt schlimme allergische Reaktionen auf. Wie man sie bislang eigentlich nur von Bienen-, Wespen- oder Hornissenstichen her kannte.
Alle diejenigen auf meiner Insel, die ich auch heute abschliessend grüße, sie wissen längst mit diesem Thema umzugehen. Richtig gewappnet hat man dann nur selten mit den biestigen Viechern ein Problem. An mich übrigens, dem Himmel sei es gedankt, da gehen diese Biester zum Glück nicht.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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