Heiliger Joseph
Der erste Tag im Wonnenmonat Mai, so nennt man ihn doch. Auf Mallorca scheint heute wieder etwas von meinem Wetter angesagt, aber es scheinen nur wenige Wolken zu sein, die die Weiten des mallorquinischen Himmels, auf den ersten flüchtigen Blick zumindest, säumen wollen.Während hier sich mehr und mehr die Sonne zeigt, scheint sie woanders, an einem anderen Ende unserer Welt, nie wieder aufgehen zu wollen. Zum Teil mehr als fünf Jahre sitzen fast vierhundert Menschen in ihren kleinen Zellen, viele davon in Einzelhaft, unbefristet, außerhalb jeglicher Rechtssataatlichkeit und fern großer Menschlichkeit seitens derer, die sie dort festhalten.
Fern einer der Justiz der Vereinigten Staaten von Amerika, dem Land, daß diese Menschen im Gefangenenlager Guantánamo weg gesperrt hat. Ein großes Land, das eigentlich, so war es zumindest früher, ein ganz besonders großes Vorbild in der Beachtung demokratischer Grundprinzipien sein wollte.
Aus Sorge um die Sicherheit ihres Landes stellte es diese Gefangenen unter Militärrecht und konnte dadurch über mehr als vier Jahre jeglichen Informationsfluß nach außen unterbinden. So wußte die Weltöffentlichkeit nicht einmal Anzahl und die Namen der Inhaftierten, bis ein Richter in New York seine eigene Regierung vor gut einem Jahr dazu verurteilte alle vorhandenen Dolumente über Guantánamo der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
Darauf hin stellte das Pentagon, das amerikanische Verteidigungsministerium, tausende Dokumente auf ihrer Website online, unsortiert, für den Laien nicht auswertbar, einer lästigen Pflicht genügen, mehr wollte man, vielleicht verständlicher Weise aus ihrer Sicht, natürlich nicht.
Gut ein Jahr ist dies nun her, und nach und nach ergibt sich aus den Auswertungen der Anwälte der Betroffenen zum Einen, und der vieler Journalisten aus der ganzen Welt zum anderen, ein in etwa wahrnehmbares Bild von Guantánamo. Es ist das Bild einer wahrhaft grotesken Situation, bei der Gefangenen als sogenannte feindliche Kämpfer, bei denen ein Terrorverdacht bestehe, so lange festgehalten werden können, wie man dies selbst für richtig hält.
Festgehalten außerhalb jeglicher US-Justiz, ohne Beweise vorgelegt zu bekommen. Ohne daß die Betroffenen sich daher auch gegen die Anschuldigungen juristisch verteidigen könnten, denn, Gegenbeweise werden nicht zugelassen.
Ich gebe ganz offen zu, daß hier mein Vorstellungsvermögen versagt. Mein Verstand begreift dies nicht. Ich gebe auch zu, ich kann den Sachverhalt nicht beurteilen, und ich will es auch nicht. Ich weiß nur, heute ist der erste Mai, ein wahrhaft geschichtsträchtiger Tag. Vielen ist er als Tag der Arbeit bekannt, in so vielen Ländern dieser Welt. Auch wenn die Amerikaner diesen Labour Day einst in den Herbst verlegten, es ist dies auch ein christlicher Feiertag.
Papst Pius XII. erklärte ihn einst zum Gedenktag für Joseph, dem Ehemann Marias, dem Nährvater Jesu. Der heilige Joseph, der also der gesetzliche Vater Jesu ist, ist auch Schutzpatron der katholischen Kirche. Einer Kirche, der sich Präsident Bush so eng verbunden fühlt. Ein Präsident, der vielleicht an einem Tag wie heute etwas Barmherzigkeit zeigen soll. Auch wenn er dafür beiseite schieben müßte eine stattliche Menge Zorn und Groll.
Heute geht ein ziemlich ratloser Gruße an alle da draußen, aber dennoch ein herzlicher, vor allem hinüber nach Deutschland und hier auf meine Insel, Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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