Im Zweifel für die Norm
Homosexualität ist schon lange kein Fremdwort oder gar Schimpfwort mehr im offiziellen Umgang mit diesem Thema.Zumindest in den meisten westlichen Demokratien hat die Diskussion über entsprechende Neigungen einer Minderheit unserer Mitmenschen bereits vor einigen Jahren ihren Höhepunkt längst überschritten.
Man hat sich, wie bei allem Neuen, auch hier daran gewöhnt, dass Homosexualität in unseren Breiten ein Teil des gesellschaftlichen Lebens ist, wenn auch in einem sehr geringem Masse.
Es ist weitesgehend akzeptiert. Auch und gerade hier in Spanien und auf Mallorca.
Wie immer, wenn es um gesellschaftliche Normen und damit auch um zumeist emotional Bewegendes geht, haben so manche Standpunkte in den Fragen und Diskussionen über das Für und das Wider die Nerven und Geduldsfäden des jeweils Andersdenkenden aufs Äusserste strapaziert, wenn nicht sogar überreizt.
Einige derjenigen, die es in den Zeiten des sogenannten Outings als besonders schick und trendig empfunden hatten andere über ihre Neigungen in Kenntnis zu setzen, haben allerdings ihrem Begehren nach mehr gesellschaftlichen Rechten, und insbesondere nach mehr Toleranz, eher einen Bärendienst erwiesen.
Nach damaliger und auch heutiger Meinung eines Kolumnisten haben vor allem die im Hollywood-Stil inszenierten Outingsauftritte von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit nicht nur der Sache selbst eher Schaden zugefügt. Sie schienen weder angemessen, noch in irgendeiner Weise erklärbar.
Seine berühmte Wahlkampfrede, in der Wowereit dem Plenum gegenüber erklärte, noch dazu vor laufenden Kameras, er sei schwul, und das sei auch gut so, hatte ich damals, wenn auch nur am Rande, eher mit einem verständnislosen Kopfschütteln verfolgt.
Wieso sollte das gut sein, war mein erster damaliger Gedanke und wieso johlen die Zuhörer in der Halle so laut und zustimmend. Dies machte alles nur wenig Sinn. Schier grotesk war hierfür das richtige Wort.
Wenn man in den zurückliegenden Jahren den Fernseher einschaltete und etwas hin- und herzappte, konnte man ab und an den Eindruck bekommen, Heterosexualität in Deutschland sei längst Angelegenheit einer Minderheit. Es wurde einige Zeit mächtig überzogen, was man allerdings auch irgendwie verstehen konnte. Aus der Sicht der betroffenen Minderheit zumindest.
Nach und nach fanden wichtige Ansinnen von Homosexuellen Einzug in die Gesetzgebung, und damit auch in das gesellschaftliche Leben. Dass dies überhaupt möglich war, spiegelt meiner Ansicht nach auch die grosse Toleranz unserer Zeit in Fragen der Sexualität wieder. Wieso auch nicht, sagten sich viele und wandten sich danach lieber anderen, wichtigeren Dingen zu.
Ab und an jedoch kommt das Thema immer noch hoch, wie nun auch jetzt wieder anlässlich eines Sorgerechtsstreits in Murcia. Das zuständige Gericht verweigerte nämlich einer homosexuellen Mutter das Sorgerecht für ihre Kinder. Sie müsse sich entweder für ihre Kinder oder ihre Lebensgefährtin entscheiden. Und weil sie dies nicht kann, kommen die Kinder zum Vater.
Das wichtigste Argument des Gerichtes war, die Lebensumstände der Mutter würden das Kind schädigen. Eine Homosexualität der Erziehungsberechtigten erhöhe das Risiko, dass auch die Kinder homosexuell werden.
Postwendend kam nach dem Urteilspruch die Retourkutsche der Mutter. Sie sagte, dass Urteil diskriminiere die Homosexuellen. Dies ist leider schon fast zur Gewohnheit geworden. Jede Entscheidung im Sinne der Mehrheitsdenkenden soll nach Ansicht der Betroffenen immer eine Diskriminierung der Minderheit sein.
Ich bin kein Wissenschaftler, vermag dies daher nicht zu beurteilen. Emotional bewegt mich das Thema ebenfalls nicht, sehe mich in diesem Sinne denn auch als ziemlich neutral an. Sexuelle Neigungen anderer sind mir eher wurscht, vielmehr sogar, jeder sollte sie am besten auch für sich behalten. Sie interessieren mich einfach nicht.
Wenn man sich etwas in das Thema einliest, erfährt man, weit über neunzig Prozent der Menschen sind heterosexuell veranlagt. Anerkannte Studien sprechen sogar von über achtundneunzig Prozent.
Und man liest, ein heranwachsendes Kind wird von seinem Lebensumfeld geprägt. Untersuchungen bei eineiigen Zwillingen, die in gegensätzlichen Lebensverhältnissen aufgewachsen sind, haben ergeben, dass dies sogar in elementaren Dingen so ist.
Da sich bei dem hier beschriebenen speziellen Thema mangels empirischer Studien nicht einmal die Wissenschaft einig ist, kann ich es zumindest nachvollziehen, dass das Sorgerecht im vorliegenden Fall an den Vater übertragen wurde. Die Richter dachten sich vielleicht, im Zweifel dann doch für die gesellschaftliche Mehrheitsnorm, und damit mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch zum Wohle des Kindes.
Ein Richterspruch kann noch dazu normalerweise angefochten werden, solange er noch nicht rechtskräftig ist. Dies kann die betroffene Mutter jetzt auch tun. Dies Recht hat sie, und das ist doch schon etwas.
Mein erster Gruss gilt heute den Homosexuellen Vereinigungen und Verbänden. Es ist nicht alles Diskiminierung, auch wenn manch einer dies verständlicherweise so sieht, weil es ihn emotional berührt.
Meine schwulen Freunde kennen meine nüchterne Haltung zu diesem Thema, und die meisten teilen sie sogar mit mir. Jedem das seine, so denke ich, und daher auch mir das meine. Nur was dies genau ist, das sage ich natürlich nicht.
Mein Gruss hinüber nach Deutschland verbindet sich heute einmal mehr mit der Hoffnung, dass euch vielleicht doch noch ein wunderschöner Hochsommer beschert wird. Bis jetzt war das Wetter leider sehr durchwachsen.
Wie immer zuletzt auch Grüße an alle anderen auf meiner Insel,
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
- Rezession
Die Rezession hat Mallorca längst im Griff. Ein Wort, das von der Politik nicht gerne in den Mund genommen wird, vor allem nicht bei den Machern in Washington und der Europ&...
- Das Balearen-Ei
Da hat die Balearenregierung auf Mallorca kurz vor den Wahlen ein weiteres Mal so richtig kräftig hingelangt, entfährt es mir heute Morgen. Begierig wie immer auf alle...
- Nur nicht die Nerven verlieren
Quallenalarm auf der Insel Mallorca und überall auf den Balearen. Besorgniserregend oder nicht, niemand weiss dies so genau, aber viele reden mit, ob Kenntnis von der Materie...
- Das Rampenlicht
Der grösste aller Rennfahrer hat Mallorca seine Ehre erwiesen. Er wird es sich verdient haben, angesichts seiner wahrscheinlich für alle Zeiten unerreichbar bleibenden s...
- Brüssel und Berlin sei Dank
Und wieder einmal sind es osteuropäische Schlägerbanden, die die Insel Mallorca unsicher machen. Sie haben in den letzten Wochen und Monaten Tag für Tag Touristen &...
- Der Internet-Rowdie
Seit dem Siegeszug des Internet, mittlerweile um die ganze Welt, trifft man beim Surfen in eben diesem Web allenthalben auf eine ganz besondere Spezies Mensch. Bisher kannte ma...
- Träume und Wirklichkeit
Wieder einmal Sturm. Diesmal unerwartet. Also kein Strand, kein Alcudia, trotz aller Sehnsucht. Also hoffen, hoffen auf morgen. Morgen dann, also heute, Mallorca Traumwetter. Kein...
- Na denn Prost
Traumhafte Bedingungen auf der Insel Mallorca, einer Insel der Herbstträume für alle diejenigen, die mit dem Glück gesegnet sind Derartiges zu empfinden. Ein Wetter...
- Lächerlich
Ein altes Sprichwort soll besagen, wenn es dem Esel zu wohl ist, dann geht er aufs Eis. Noch in vielen anderen Varianten dürfte jene Redensart, die man vielleicht sogar be...
- Zwei Kühe auf Eis
Jetzt geben Sie es ihm aber einmal so richtig, denke ich mir beim Lesen dieser doch recht unangenehmen Meldung heute morgen. Sie betrifft unsere Insel Mallorca nicht nur mitten in...
- Ein Mallorca Kolumnist packt aus
Die Tätigkeit eines Kolumnisten auf Mallorca, dies soll am heutigen Sonntag einmal Gesprächsthema sein. Bereits seit längerem hatte ich dies vor, alleine es fehlt...
- Realität oder Schein?
Schein und Wirklichkeit, das Leben auf der Insel Mallorca, welch interessantes Thema, verehrte Leserinnen und Leser. Dass, was da aus den überall präsenten Informations...
- Mallorca und Sylt
Eine schlechter Tag auf Mallorca ist wie ein schöner Sommertag auf Sylt. Dieser bemerkenswerte Satz ist dieser Tage gefallen, wer hätte das gedacht. Eine schöne...
- Amtseid
Kaum war die Kolumne von gestern abgetippt, die Tinte, so das geflügelte Wort, noch nicht einmal trocken, da geschah das Unvorstellbare. Selbst für mich, der ich wie imm...
- Das neue Mallorca-Portal
Viele Jahre schon lieben die "Macher" des Mallorca-Portals von mallorcainfos.com die schöne Insel. Wir konnten hautnah erleben, wie die Besucherschar immer weiter ...
- Von Port d'Alcúdia bis Ca'n Picafort
Ein Hauch von Sylt, auf Mallorca. Brandung über Brandung rollt auf mich zu. Die Schaumkronen, in Vierer-Reihen, eine schöner denn die andere, das Türkis des Wassers...





































