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Eine Million Euro

Marlon über das Desaster um den Krankenhausbau in Son Espases auf   MallorcaEine Million Euro, wer von Ihnen, verehrte Leser hätte sie nicht gerne. Egal ob hier auf Mallorca oder anderswo, Monat für Monat dieses nette Sümmchen, das wärs doch. Finden Sie nicht?

Das Dumme ist nur, ein Kolumnist aus Mallorca erhält sie nicht, und ich muss mich, so denke ich, auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich jetzt einmal mutmasse, Ihnen geht es da auch nicht anders als mir.

Diese eine Million, tja, das genau ist der Betrag, der in diesen Wochen sozusagen amtlich versenkt wird, der Baustopp des Krankenhauses in Son Espases kostet den Steuerzahler auf den Balearen pro Monat genau dieses Geld.

So behauptet es zumindest die ehemalige Gesundheitsministerin Aina Castillo von der PP, eine Mitarbeiterin des ehemaligen Balearenpräsidenten Jaume Matas. Und diese fordert nun publikumswirksam die Aufhebung des Baustopps, wohl wissend, dass das durch sie und ihre Kabinettskollegen verursachte Problem nun ein ganz Anderer an der Backe hat.

Da kennt die Dame nichts, sprich kein Pardon, und wer will es eigentlich einer Opposition verdenken, dass sie in diesem geeigneten Moment die Gunst der Stunde gnadenlos nutzt. Die Neuen am Ruder, das Mitte-Links-Bündnis um den Regierungschef Francesc Antich, umgangssprachlich würde man jetzt sagen, sie haben die allseits bekannte A..-Karte gezogen.

Das Fatale an diesem unbestreitbaren Umstand ist nur, dass sich die Regenten diese Karte quasi vorher noch selbst aufgemalt und gleich noch ausgedruckt haben. Sie tragen an dem jetzigen Zustand ganz alleine die Schuld.

Erst Hüh sagen, dann Hott, dann wieder etwas zurück, dann vor, und das ganze nochmal wiederholt, weils ja so spassig ist. Je nach dem Zureden der Kreise, die an dem Bau ein erhebliches pekuniäres und-oder politisches Interesse haben, diese auf der einen Seite, je nach den wahrgenommenen Reaktionen einer einigermassen entsetzten Balearen-Öffentlichkeit auf der anderen.

Amateurhaft, unprofessionell, Politprofis schütteln nur noch den Kopf, und zwar fortwährend, ob dieser unbedarften Tollpatschigkeit, mit der sich die neue Regierung auf Mallorca im Zusammenhang mit Son Espases ein geradezu geniales, wie folgenreiches Eigentor geschossen hat.

Dabei ist Son Espases die klassische Steilvorlage der Vorgängerregierung gewesen, die dazu geeignet war nicht nur bei der Parlamentswahl zu obsiegen, sondern im Nachgang dazu konsequent, ehrlich und nachhaltig genau das zu tun, was man dem Wähler noch eben vor dieser Wahl so vollmundig versprochen hat.

Veni, vidi, vici, so hätte es locker-leicht für Francesc Antich lauten können, nach einem knappen halben Jahr Regierungszeit, frei nach Gaius Iulius Caesar, diesem berühmten Staatsmann im alten Rom. Dieser grosse Feldherr hätte sich die Butter ganz sicher nicht selbst vom Brot geschmiert, so wie wir dies alle hier auf Mallorca in den letzten Wochen mit blankem Entsetzen mitansehen mussten.

Meine ersten Grüße gehen heute in Richtung Opposition, an die Damen und Herren der PP in Palma. Ihr habt verständlicherweise gut lachen, würdet ihr dies nicht hättet ihr an eurem Platze nichts zu suchen. Der Kolumnist aus Mallorca ist fatalistisch genug, die Zusammenhänge wie Entwicklung all dieser mit der nötigen Portion Pragmatismus einzuschätzen.

Es kommt nunmal wie es kommt, und wenn es in diesem Stil weitergeht, dann könnt ihr von der PP in Palma die nächste Balearenwahl im Vorbeigehen gewinnen.

Meine Grüsse nach Deutschland gehen hinüber zum sympathischen Mercedes Sportchef Norbert Haug. Jedoch, bei aller Sympathie, lieber Norbert Haug, kein Mensch und schon gar kein Unternehmen auf der Welt zahlt einhundert Millionen Dollar Strafe für etwas, was er angeblich nicht getan hat.

Es wird auch hier so sein, wie es in derartigen Fällen immer so ist. Ein Kuhhandel, man behält, zumindest einigermassen, Gesicht. Aber eines ist klar, der schlechte Nachgeschmack, der bleibt. Und der feine silbrige Lack, der ist nun erst beinmal engültig ab.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel mit richtigem schönem Herbst- und Wanderwetter.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,

Ihr Marlon
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