Tramuntana und der Wettergott
Mittlerweile sind es bereits mehr als zwölf Wochen an Dürre und Hitze auf Mallorca, wenn man einmal von der einen oder anderen regennassen Abkühlung im Tramuntanagebirge absieht. Aber auch der Regen dort ist viel zu spärlich ausgefallen, so dass die für die Trinkwasserversorgung zuständigen Behörden den momentanen Wasserstand der beiden unweit des Puig Major hoch oben im Bergmassiv gelegenen Wasserspeicher Tag für Tag mit zunehmenden Argwohn betrachten.
Wieder einmal, muss man sagen, denn dies ist nicht nur in Spanien, sondern auch hier auf Mallorca fast schon zu einem bedingungslos notwendigen, weil überlebenswichtigen Ritual geworden.
Da die beliebteste aller Baleareninseln keinerlei natürliche Flüsse und Seen vorzuweisen hat, kommt dem genannten, diesem eindrucksvollen, gar majestätisch im Westen der Insel thronenden Gebirge eine besondere Schlüsselfunktion zu.
Die Serra de Tramuntana, so der korrekte mallorquinische Name, Sierra de Tramuntana heisst es auf spanisch, ist ein wahrhaft gigantisches Massiv. Urkräfte der Natur haben es einmal vor vielen, vielen Millionen Jahren errichtet.
Wie wir alle wissen, sind die Kontinentalplatten unserer Erde permanent in Bewegung, sie bewegen sich aufeinander zu oder voneinander weg. Man kann sich im Grunde nicht vorstellen welch unvorstellbare Kräfte dabei zu Werke gehen.
Und so war es auch damals, als in der Folge des Aufeinanderprallens dreier Urkontinente in Europa ganze Landstriche wie einfaches Zeitungspapier zusammengefaltet wurden. Unzählige Gebirge sind dabei enstanden, der Begriff Faltengebirge ist uns allen noch von der Schulzeit in Erinnerung.
Vor etwa dreihundert Millionen Jahren hatte Mallorca genau dadurch fast die Hälfte seiner seinerzeitigen Grösse eingebüsst. Das, was vorher noch an überwiegendem Flachland existierte, wurde dann vor allem an zwei Stellen der Insel in die Höhe geschoben.
Für alle heute weithin sichtbar, nämlich wie erwähnt im Westen in Gestalt des Tramuntanamassivs und auf der gegenüberliegenden Seite mit der deutlich kleineren und weniger aufsteigenden Gebirgskette Serra de Llevant.
Daneben gibt es im südlichen Inselinnern noch einige Hügel, insbesondere der sehr sehenswerte Puig de Randa. Dieser scheint bereits in seiner weiteren Umgebung allen Betrachtern zu signalisieren, kommt zu mir, denn ich hab euch jede Menge zu bieten. Und das hat er auch, aber dies würde allerdings den Rahmen meiner heutigen Kolumne bei weitem sprengen.
Nur eines kann ich Ihnen bereits heute über diesen mit weit über fünfhundert Meter Höhe stattlichen Hügel verraten. Sollten Sie einmal die Gelegenheit haben dort oben zu stehen, geniessen Sie einen grandiosen Ausblick über fast ganz Mallorca.
Angefangen von der Bucht von Alcudia im Norden über die Calas im Osten, von der Playa de Palma, der Haupstadt Palma selbst über die Insel Cabrera bis hin zu dem Giganten der Insel. Diesem beeindruckenden langen und steilen Bergmassiv Tramuntana, dessen Name sich übrigens aus den gleichnamigen kühlen, im Winter sogar recht kalten Nord- und Westwinden abgeleitet.
Und dieses für Mallorca eminent wichtige Gebirge beherbergt nicht nur so Sehenswertes wie den Canyon Torrent de Pareis, sondern vor allem die beiden genannten Trinkwasser-Speicherseen Embassament de Cúber und Embassament des Gorg Blau.
Diese garantieren vor allem die ausreichende Trinkwasserversorgung der Grosstadt Palma, aber nicht nur. Und damit dies gelingen kann, muss es in der Serra de Tramuntana immer ordentlich regnen.
Und dies hat es zum Glück in den ersten Monaten des laufenden Jahres. Und zwar soviel, dass wir alle hier sogar die nun seit vielen Wochen andauernde Hitze sehnlichst wieder herbeigewünscht haben. Na, und das haben wir jetzt davon.
Mein heutiger Gruß, nein, vielmehr eigentlich unser aller Dank, sollte daher heute einmal an den berühmten Wettergott gehen. Sollte es Dich wirklich geben, dann mea culpa. Aber ich denke Du weisst es schon lange selbst, so sind wir nunmal, wir Menschen.
Was man hat, will man nicht, und wenn es dann weg ist, will man es doch möglichst bald wieder. So wie mit der Sonne und dem Regen. Am besten wäre beides, aber dies geht ja nunmal nicht, oder nur ganz selten.
Für alle die, die sich noch weit mehr für das schöne Mallorca interessieren, Serra de Tramuntana nennt man hier nicht alleine das Gebirge, sondern die gesamte Landschaftsregion des Gebirges und seinen Ausläufern, vor allem im schönen Südwesten der Insel.
Und damit geht mein nächster Gruß auch heute wieder hinüber nach Deutschland. In das Land herrlicher Mittelgebirge, die anders als hier sehr oft auch noch einer ganzen Reihe von Wasserläufen und natürlichen Seen ihren Ursprung und Heimat geben.
Man muss also nicht immer in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah. Dies gilt natürlich für euch da drüben, wie auch für uns hier. Und die hier, meine Insulaner, die grüße ich natürlich alle auch,
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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