Nationalistisches Gedankengut

Marlon über schlimme Ideologien in der Politik von Katalonien und auf MallorcaEuropa ist wieder einmal im Gespräch. Allerorten sozusagen, jedoch nicht hier auf unserer schönen Insel Mallorca. Zumindest nicht, wenn es um die europäische Integration geht, denn diese will man hier anscheinend nicht.

Ich kann mich noch gut erinnern, als es vor einigen Monaten einen Sturm der Entrüstung darüber gab, dass mitten im Balearenwahlkampf nationalistische Parolen geschwungen wurden. Vor allem die Unió Mallorquina unter der Spitzenkandidatin Maria Antonia Munar schrieb dies in dicken Lettern auf ihre Propagandafahnen.

Was in Deutschland für Empörung sorgen würde, sollte die bayerische CSU mit Heimatparolen operieren, regte hier auf der Insel fast niemanden gross auf. Mit Ausnahme derjenigen natürlich, die es direkt betraf, die hier ansässigen Angehörigen anderer Sprachräume.

Diese sehen sich nach ihrer Wohnsitzverlegung hinüber auf unsere Insel Mallorca einem gigantischen, schier unlösbaren Problem ausgesetzt. Sie sollen nämlich nicht nur die Sprache ihres Gastlandes Spanien erlernen, sondern nach dem Willen der katalanischen, in unserem Fall mallorquinischen Politik auch noch die Ursprache unserer Insel.

Ein Kolumnist wählt bewusst diese Terminologie, da sich die Sprachkenntisse in der Inselsprache Mallorquin selbst bei den Einheimischen in den letzten dreissig Jahren erheblich vermindert haben. So spricht man in der Inselmitte zwar vermehrt den alten Dialekt, in den Küstengebieten und vor allem in der Grossstadt Palma jedoch ist sie in weiten Teilen zunehmends aus dem alltäglichen Sprachgebrauch verschwunden.

Ich selbst finde es recht unterhaltsam mich in beiden Sprachen verständigen zu können, halte es allerdings für eine geradezu skandalöse Entwicklung, die die katalanische und balearische Politik in den letzten Jahren und besonders jetzt sogar noch verstärkt einschlägt.

Die Gründe dafür, dass ich dies so scharf verurteile hatte ich bereits mehrmals offenbart. Auf der einen Seite kassiert man bereitwillig die Steuermilliarden aus Brüssel, gezahlt von den anderen EU-Ländern, und dies sogar, obwohl man zu den reichsten Regionen Spaniens gehört.

Auf der anderen Seite sperrt man jedoch Europa aus, indem man eine Gesetzes-Schranke nach der anderen errichtet. Und am einfachsten gelingt dies naturgemäss, wenn man hohe Sprachbarrieren aufbaut. Ich frage mich daher auch einmal mehr, wie lange dies die Landeshauptstadt Madrid noch mit sich machen lässt.

Nachdem erst vor nicht allzulanger Zeit der Kompromiss gefunden wurde, an den Schulen zu gleichen Teilen die Landessprache Castellano und die Inselsprache Mallorquin zu lehren, jeweils zu vierzig Prozent, die restlichen zwanzig Prozent in englischer Sprache, plant man nun das Verhältnis in Richtung Katalan, bei uns Mallorquin, zu kippen. Was bisher schon nicht funktionierte, soll jetzt sogar verschärft werden.

Siebzig Prozent Katalan und je fünfzehn Prozent Castellano und Englisch, so lautet die neue Formel. Die Konsequenzen der bisherigen Regelungen waren schon so unglaublich frappierend, dass nun noch viel weitergehenden Pläne ganz sicher zu einem Fiasko führen werden.

Die von reiner Ideologie und wenig Menschen- und Sachverstand gelenkte Politik hat bereits heute dazu geführt, dass die Balearen an erster Stelle der landesweiten Statistik von Schulabbrechern in Spanien steht.

Und wer nun glaubt, dass dies an unserem hohen Ausländeranteil hier auf den Balearen liegt, der sieht sich getäuscht. Vor allem die Kinder spanischer Familien sind es, die diesen Unsinn einfach nicht packen und denen man damit ungeheure Zukunftsbarrieren aufbaut.

Neben den Schulen wurden nach und nach auch in den meisten anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen Sprachbarrieren erichtet. Ob es nun um den Selbständigen geht, um den Staatsbediensteten das Fernsehen, oder gar die Religion, überall muss hier das Mallorquin gepflegt werden. Sogar ein eigenes Berufsbild eines Lektors wurde erschaffen, der Behördentexte auf ihre mallorquinische Richtigkeit überprüft.

Wer sich nicht an die Sprachvorgaben hält, sie sogar in vielen Berufen nicht anwendet oder, noch viel schlimmer, die Sprache gar nicht versteht, dem drohen empfindliche Sanktionen. Angefangen von Geldbussen, Betriebsschliessungen bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.

Was Experten in der Schule noch als pädagogischen Unsinn sondersgleichen betrachten, kann man in allen anderen Bereichen nur noch als höchst gefährliche Ideologie bezeichnen, die nun ganz dringend zum Gegenstand der Diskussion im Europäischen Parlament werden muss.

Man stelle sich vor drüben in Deutschland beschliesst die Bayerische CSU ein analoges Gesetz. Bayerisch wird Amtssprache und dominierende Schulpflicht, das Hochdeutsch reduziert.

Und jede Region im grossen Flächenland Bayern setzt dies analog Katalonien um. Sogleich hätte man ein halbes Dutzend Sprachen, und, die Menschen könnten sich dann irgendwann untereinander nur noch mit Mühe verständigen. Dazu käme noch, aus dem Ausland wäre dann ganz schnell wieder von faschistischen Tendenzen die Rede.

Es wird Zeit, dass man dieser Entwicklung hier auf Mallorca nun entgegentritt, nicht nur einem gemeinsam Europa, sondern auch einem dringend nötigen Pragmatismus zuliebe. Denn dieser sollte ganz schnell wieder in die Köpfe einiger Damen und Herren in Barcelona wie auch Palma zurückkehren.

Mein erster Gruß geht daher heute auch an die Politik hier auf Mallorca, nach Barcelona wie auch Madrid. Und dort auch hinüber ins Königshaus, zu König Juan Carlos, denn auch für ihn kann diese Entwicklung alles andere als erfreulich sein.

Die Politik bei uns in Katalonien ist kontraproduktiv, sie bringt Völker auseinander, und dies in den friedlichen Zeiten der angestrebten Völkerverständigung. Abgesehen von den enormen Kosten, die für diesen Irrsinn aufgewendet werden müssen.

Ich bin für die Pflege von Traditionen, zu denen auch die Sprache gehört. Nur, dies muss auch ohne Zwang gelingen. Es sprechen noch genügend Menschen das schöne Mallorquin. Eine Sprache, die mir übrigens persönlich sehr gefällt, besser noch als das Castellano.

Jedoch, was keinen Sinn macht, weil gegen jede menschliche Vernunft und noch dazu von verblendeter Ideologie geleitet, dies darf nicht sein. Oder man muss die Konsequenz tragen und sich von den willfährigen Geldgebern aus Madrid und Brüssel abnabeln.

Doch das will man nicht. Eine Europapolitik der eierlegenden Wollmilchsau, die kann nicht funktionieren, ein gesunder Menschenverstand, der weiss dies ganz genau.

Mein Gruß hinüber nach Deutschland darf nicht fehlen. Schaut genau hierüber zu uns, und sprecht diese Dinge bei euch zuhause an. Euer hart erschuftetes Geld wird hier verballert, während man euch gleichzeitig auf Mallorca ausgrenzt.

Europäischer Binnenmarkt, dies ist hier kaum möglich, zumindest, was die Niederlassungsfreiheit angeht. Da könnt ihr zunächst alle erst einmal schön Mallorquin lernen. Und ich wünsche euch viel Spass dabei. Aber vielleicht kann man das mit dem deutschen Steueraugust auch so wunderbar machen.

Viele Grüsse wie immer auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Auf einer Insel, die frei bleiben muss, ohne immer weiter reguliert zu werden. Denkt daran, es gibt auch noch andere schöne Flecken auf Mutters Erden.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,

Ihr Marlon
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