La Rigoletta - ein Alptraum
Traumwetter auf der Insel Mallorca, dabei hat das offizielle Frühjahr noch lange nicht begonnen. Wie so oft erlebt und geliebt, so ist dies auch Anfang März 2008, bei Temperaturen um 26 Grad sah man am gestrigen Sonntag bereits einige wenige Badende in die Fluten eines aufreizend einladenden Mittelmeeres eintauchen.
Die Wassertemperaturen zu dieser Jahreszeit, nun, der Kolumnist auf Mallorca würde sich hüten schon jetzt ein kühlendes Bad zu nehmen.
Obwohl, Lust bekäme man, denn der tagtägliche Blick auf ein Meer, das in diesen Wochen Sauberkeit und Jungfräulichkeit ausstrahlt, dieser Blick treibt uns Insulanern auch noch die letzten verbliebenen müden Lebensgeister des mallorquinischen Winters aus den Gliedern. Ein Winter, über den Sie da drüben, verehrte Leserinnen und Leser, nur müde lächeln würden.
Natürlich konnten Sie den Kolumnisten der Insel Mallorca bei diesem Traumwetter-Szenario auch an den Promenaden der Bahia der Palma antreffen, denn er mischte sich unter die grosse Zahl derjenigen, die sich zwischen dem Yachthafen Palma und der Playa de Palma aufhielten.
Per pedes, auf dem Fahrrad, den Roller Blades, wie auch einigen anderen Fortbewegungsmitteln. Wie es nunmal beliebt, jeder tut und macht das, was er will, gerade und vor allem an einem Sonntag auf Mallorca ist dies vermehrt der Fall.
Wir alle haben es uns redlich verdient, sinnierte ich, als ich, seit Wochen wieder das erste Mal im italienischen Restaurant La Rigoletta an der Promenade von Portixol unweit des Yachthafens sitzend, aufmerksam das Treiben auf eben dieser Promenade beobachtete.
Noch unter dem Eindruck einer starken Bronchities stehend, nach der sich zwar die Lebensgeister nahezu allesamt wieder in Leib und Seele des Geplagten zurückgefunden hatten, entschied ich mich die frische Brise des Ozeans zu meiden, weshalb ich von einem Tisch im Innern des Restaurants aus das Auf und Ab auf der Strandpromenade in Augenschein nahm.
Der geradezu anmutige und paradiesische Blick unter diesen herrlichen Palmen hindurch auf einen gewaltigen und dennoch wundersame Ruhe ausstrahlenden Ozean, auf dem sich die Balearensonne wiederspiegelte. Dazu der sanfte Wellenschlag, ausgelöst durch den wärmespendenden Südwind, der Duft des nahen Afrika schien zu uns hinüberzuwehen.
All das war dazu angetan, bei mir und allen anderen um mich herum allerlei Fantasien und Lebensträume aus der Tiefe einer immer noch zumindest teilweise im Winterschlaf schlummernden Seele zu holen.
Die Flasche Wein war schnell bestellt, ein leichter Weisser, die richtige Wahl angesichts der sommerlichen Temperaturen. Dazu die Antipasti. Vitello Tonnato und einiges andere mehr, jeder der Anwesenden griff gierig zu.
Danach der Secundo, das Hauptgericht, aber, irgend etwas an diesem Tage schien nicht so zu sein, wie man dies noch vor mehreren Wochen am gleichen Ort erlebt hatte. Genau so lange war es nämlich her, dass ich dieses Restaurant das letzte Mal besucht hatte.
Während ein nachhaltigen Unwohlsein meine Magengegend mehr und mehr heimsuchte, wanderte mein Blick etwas bewusster umher. Das Personal eilte, nein, teilweise rannte es sogar die Tischreihen entlang. Wo war die so geschätzte Freundlichkeit abgeblieben, gehetzte Atmosphäre, allesamt waren sichtbar überfordert.
Noch beim Betreten des La Rigoletta registrierte mein Unterbewusstsein, dass ausgerechnet hier keine Terassenbestuhlung vorgenommen worden war, im Gegensatz zu mehreren anderen Restaurants daneben. Dort waren alle Aussentische besetzt, das Sommerwetter lud alle Menschen zu einer Rast im Freien ein.
Dennoch, im Innern des La Rigoletta waren alle Plätze belegt, so an die zweihundert Gäste wollten es sich einmal so richtig gut gehen lassen. Jedoch, wie schon erwähnt, irgend etwas stimmte an diesem Tag nicht.
Die Schmerzen im Leibe wurden immer grösser, beileibe nicht nur bei mir. Überhastet zehlten wir unsere Zeche, eilten dann hinaus. Erste Atemprobleme, leichter Brechreiz, Schwindelgefühle. Der Weg nach Hause, zum Glück waren dies nur wenige Schritte. Und was danach kam, das möchte Ihnen der Kolumnist einer Insel der Balearen, verständlicherweise, ersparen.
Mein erster Gruß am heutigen Tag, an dem ich mit allerlei Hausmitteln versuche mich einigermassen wieder aufzurichten, er gilt einem Restaurant, in dem ich mich im zurückliegenden Jahr, in den ersten Wochen nach seiner Eröffnung, noch so wohlgefühlt hatte.
Was ist nur aus eurer, zu Beginn noch excellenten, Küche geworden, sowie aus der freundlichen, beruhigenden Atmosphäre. Was habe ich euch in den ersten Wochen eures Wirkens in den höchsten Tönen gelobt.
Als eine Insel des Wohlgeruchs und Wohlgeschmacks auf einer Baleareninsel Mallorca, auf der man als Tourist und Newcomer nur mit viel Glück oder vorheriger Empfehlung eines Inselkenners ein gutes Restaurant erwischen kann.
Die spanische Küche, die Balearenküche, nun, es ist allseits bekannt, Mallorca ist nicht Frankreich, nicht die Novelle Cuisine, und schon gar nicht Italien. Und genau deshalb hatte ich mich im zurückliegenden Herbst noch so darüber gefreut, dass die gute italienische Küche unvermittelt vor meiner eigenen Haustüre zu finden war.
La Rigoletta, vor kurzem vom Kolumnisten der Insel in den Himmel gehoben, und was musste er nun erleben. Sicher, wir alle können irgendwann einmal einen schlechten Tag erleben. Wir sind alles nur Menschen, wir sind fehlbar.
Jedoch, den Ekel, den muss ich mir in keinem Restaurant der Welt holen. Das Erlebte kam einer Körperverletzung gleich. Und deshalb kann ich zumindest von einem Besuch des Restaurant La Rigoletta in Portixol nur wärmstens abraten.
Meine nächsten Grüße, sie gehen nach Deutschland, an die Bayerische CSU. Es war einmal, so wird es bald lauten, wenn man sich die Wahlergebnisse anschaut. So wie in allen anderen Parteien auch, so wird es auch bei euch so langsam Zeit, das nahezu eine gesamte Politikergeneration so schnell wie möglich abtritt.
Eure Wähler nämlich, sie geben entweder ihre Stimme erst gar nicht mehr ab, bleiben zuhause. Oder sie wählen irgendjemanden, Hauptsache nicht euch. Und dann seid ihr sowieso weg vom Fleck. Traditionen erhalten wollen und gleichzeitig alle europäischen Grenzen aufreissen, beides zusammen, dies funktioniert nunmal nicht.
Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca, auf der man sein Restaurant ganz besonders behutsam, mit Bedacht, auswählen sollte. So schön Mallorca auch sein mag, es sind leider nicht die Leibesgenüsse, die diese, meine Insel so liebenswert erscheinen lässt.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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