Rückblende

Marlon über das Tourismusjahr 2007 auf MallorcaDer Blick zurück, was ist gewesen, was war gut, was weniger, und was ist schlecht gewesen auf unserer Insel Mallorca, im gerade eben zu Ende gegangenen Vorjahr. Diese Rückblende ist äusserst wichtig, will man doch aus der Vergangenheit die nötigen Lehren für die Zukunft ziehen.

Bereits bei der Frage, was ist auf Mallorca im Jahr 2007 gut gewesen, bereits da kommt ein Kolumnist von Deutschlands Lieblingsinsel Mallorca ins Grübeln.

Doch, ich entschliesse mich zu behaupten, der Regierungswechsel im Mai des Vorjahres, er war wichtig, notwendig und gut für die Balearen, und vor allem auch für Mallorca.

Wenn auch das Mitte-Links-Bündnis unter der Führung des neuen Ministerpräsidenten Francecs Antich vom Start weg ausserordentlich viel Mist gebaut hat, ich sage dies wie gewohnt in Klartext-Terminologie. Aber Francecs Antich ist kein Schlechter, im Gegenteil. Er meint es gut, hat hehre Absichten, das alleine sollte mit in die Waagschale genommen werden.

Die recht unkoordiniert wirkende Unbeholfenheit der ersten Regierungsmonate haben dem Ansehen seiner Person, wie auch seiner Partei, zwar schweren Schaden zugefügt, aber ich denke, dass Francecs Antich den Vertrauensverlust bei seinem Balearenvölkchen wieder zurückerobern kann. Diese Chance hat er zumindest, und er muss sie einfach auch nutzen.

Was muss Francecs Antich dafür tun, nun, da wäre so Einiges. Damit meine ich nicht unsere Metro in Palma, mittlerweile kennt fast jeder in Europa das Desaster um unsere U-Bahn. Apokalyptisch, kann ich man da nur sagen.

Und mich persönlich erfüllt es ganz und gar nicht mit Stolz, dass ich seinerzeit, in meinem ersten Kommentar zu diesem Schreckensszenario die richtigen Schlussfolgerungen gezogen hatte. Als ich von den Umständen erfuhr, und dann auch noch live, direkt vor meinen Augen die überfluteten Tunnelröhren und Metro-Stationen sah, da empfahl ich diese Röhre am besten wieder zuzuschütten.

Man hat es nicht gemacht. Pragmatismus ist leider Mangelware in einer Politik unserer Zeit, heute munkelt man in Palma, hätte man dies doch seinerzeit so getan. Ein Ende mit Schrecken, immer noch besser als ein Schrecken ohne Ende. Das Letztere haben wir jetzt.

Was sich noch damals für viele meiner Leserinnen und Leser, wie auch für die politischen Matadoren in Palma, mit denen ich darüber gesprochen hatte, recht abenteuerlich wie auch sarkastisch anhörte, hatte jedoch durchaus einen bitterernsten Hintergrund.

Für diejenigen, die dies bereits erlebt hatten, die wussten, was das Wasser anrichten kann, vor allem für die Experten war diese Forderung ganz und gar nicht abwegig. Mein Hintergedanke war natürlich auch und vor allem der Kostenfaktor.

Wie kann man die Tunnelröhre der Metro in Palma ausgerechnet in ein allseits bekanntes Überschwemmungsgebiet einbuddeln, und dann noch nicht einmal ein passendes Drainagesystem planen, geschweige denn einbauen. Wir können alle froh sein, dass da unten niemand ertrunken ist.

Dieses Metroprojekt ist eine äusserst schlimme Hinterlassenschaft der konservativen Vorgängerregierung, der alte Ministerpräsident Jaume Matas lässt schön grüssen. Er wird zu Weihnachten und zum Jahreswechsel vom Feinsten gelabt haben, gut versorgt, vor allem auf Kosten derer, denen er mit seiner Politik hier auf den Balearen immensen Schaden zugefügt hatte.

Die Metro, das luxuriöse Opernhaus wäre beinahe noch dazu gekommen, Mallorca war gerademal nur einen winzigen Wimpernschlag entfernt vor einer noch grösseren Katastrophe. Die Zeche zahlt der brave Bürger, wie könnte das auch hier auf Mallorca anders sein als bei Ihnen, drüben in Deutschland, oder anderswo.

Jaume Matas sitzt irgendwo in einem bequemen Sessel, nicht umsonst knüpft man als Politiker hie und da schon einmal die Kontakte, die einem nach dem politischen Absturz ein feines Leben garantieren. Frühstücksdirektoren gibt es mittlerweile zuhauf, die Bürgerinnen und Bürger stehen diesem Tun machtlos gegenüber.

Auf den Balearen, auf Mallorca, da haben diese Bürgerinnen und Bürger im vergangenen Mai reagiert, sie haben einfach Jaume Matas abgewählt, und einem Anderen, Francecs Antich, eine zweite Chance gegeben.

Und wenn dieser diese Chance nicht schon wieder versiebt, so wie er dies bereits vor 8 Jahren einmal tat, dann kann es mit Mallorca vielleicht doch wieder aufwärts gehen. Und das muss es, denn es liegt Vieles im Argen. Und wo es überall bei uns brennt, darüber werden wir hier in meiner Kolumne in den nächsten Tagen noch desöfteren zu reden haben.

Mein Grüße von heute gehen an die nun nicht mehr ganz neuen politischen Kräfte in Palma. Ich wünsche euch für das beginnende Jahr 2008 den nötigen Durchblick, weise politische Entscheidungen, dafür weniger Unbeholfenheit, mehr Professionalität.

Und vor allem weniger Schikanen für eure Freunde aus der EU, die sich hier niederlassen, nur ein Stichwort sei hier heute genannt, die Hatz auf deutsche Nummernschilder. Schaut euch bloss nicht zuviel aus Berlin oder Brüssel ab.

Nehmt das Geld mit Kusshand, wie ehedem auch, aber lasst den Quadratkopf den anderen, kopiert ihn nicht, mag der deutsche Finanzminister auch noch so drängeln. Alle diejenigen, die nach Mallorca auswandern, die wollen hier keine deutschen Sitten. Im Gegenteil.

Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an alle die, die die Neujahrsansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ungläubiger Verwunderung zur Kenntnis genommen haben. Wenn diese Ansprache überhaupt gross interessiert hat, mittlerweile winkt der Durchschnittsbürger ja schon ab, wenn scheints wieder einmal eine Märchenstunde angesagt ist.

Die Diskrepanz zwischen Fantasie und der Wirklichkeit, zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen denen da oben in den Elfenbeintürmen, tief in den Wolken, und den Menschen hier unten, diese Diskrepanz wird grösser und grösser. Wo mag das noch hinführen.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel der Zuwanderer, wie die neuesten Statistiken zeigen. Die Balearen, allen voran Mallorca, ächzen unter einer Flut von Einwanderern. Leider kommt da vor allem erhebliches Unheil auf uns zu, der geplante Neubau von 5000 Sozialwohnungen spricht da für sich. Wohnungen, vor allem für Einwanderer aus Afrika und Osteuropa. 5000 an der Zahl, und dennoch ein Tropfen auf dem heissen Stein.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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