Teeren und Federn

Marlon über die absichtliche Umweltverschmutzung durch Ölverlappung an der Unglüskstelle des Don Pedro vor IbizaDie Welt ist einfach schlecht. Dieser oft gesprochene Satz macht in diesen Tagen wieder einmal in Palma, hier auf Mallorca, die Runde.

So und nicht anders muss man dies auch zwingender Weise konstatieren, wenn man sich einmal die Schweinereien vor Augen führt, die in Folge der Havarie des Öltankers Don Pedro in den letzten beiden Wochen vor Ibiza geschehen sind. Und vielleicht sogar immer noch geschehen.

Da redet die Boulevardpresse in diesen Tagen vom Lügen und Betrügen bei einer Profiradveranstaltung namens Tour de France, dabei sitzen die wahren Verbrecher doch ganz woanders.

Während es dort drüben um Profisportler geht, die schlussendlich selbst wissen müssen, inwieweit sie dazu bereit sind ihren Körper zu manipulieren, damit sie die fast schon unmenschlichen Strapazen der berühmten dreiwöchigen Radrundfahrt überhaupt bestehen können, geht es hier vor Ibiza um die Zerstörung elementarer Lebensräume. Über viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte hinweg.

Darum sollte sich die Politik mit aller Schärfe kümmern, und nicht um einige Radfahrer, bei denen die Wettbewerbsverhältnisse wahrscheinlich sogar noch einigermassen gewahrt blieben, weil augenscheinlich jeder seinen Körper in irgendeiner Weise manipuliert.

Das Schlimme an den derzeitigen Vorfällen in Frankreich ist, dass sich wieder einmal jede Menge Wichtigtuer aus Politik und Wirtschaft in den Vordergrund drängen, von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber eine sensationslüsterne Yellowpress im Rücken.

Welch schmutziges Geschäft das doch ist. Dabei ist das wirkliche Gesindel hier bei uns, oder war es zumindest.

Was ist geschehen, werden Sie sich fragen, verehrte Leser, dass ein Kolumnist heute einmal so richtig sauer ist. Sauer über die Gegebenheiten in unserer europäischen Welt, geprägt von Scheinmoral, Manipulation der Öffentlichkeit und zunehmender Ungerechtigkeit in der Folge massiven Werteverfalls.

In der Folge der Ölverschmutzung vor Ibiza haben doch tatsächlich ganz besonders üble Zeitgenossen an den Steuerständen anderer Öltanker im Umfeld der Unglücksstelle ihre Öltanks gereinigt. Frei nach dem Motto, das fällt ja sowieso nicht auf, und ausserdem wird hier sowieso sauber gemacht. Also ist das ein Abwasch. Verklappung wird diese Umweltstraftat offiziell genannt.

Als ich gestern die ersten Berichte hierüber aus berufenem Munde, quasi aus erster Hand in Palma vernahm, hatte ich mir inständig gewünscht diese vorsätzlichen Umweltverschmutzer für meine Hände direkt greifbar zu haben. Mit ihrem eigenen Öl müsste man dieses Gesindel teeren und danach federn, direkt an den Stränden von Ibiza.

Dies war mein erster spontaner Gedanke, als ich erfahren musste, dass genau aus diesem Grund noch am heutigen Tag grosse Ölteppiche vor Ibiza zu sehen sind. Diese sind zwar lang und schmal, dies spielt jedoch keine Rolle. Der fatale Effekt für unseren Lebensraum ist derselbe.

Nun wird zwar analysiert, und hoffentlich zusätzlich auch mittels Auswertung von Satellitenbildern der vergangenen Wochen eine vielversprechende Suche nach den Straftätern gestartet, aber unsere Umwelt ist erst einmal hinüber. Da wird nicht mehr viel zu retten sein.

Von einer Strafverfolgung ganz abgesehen, denn diese Ganoven fahren in der Regel unter der Flagge eines Staates, mit dem keinerlei Rechtshilfeabkommen bestehen. Und genau hier sollten unsere übereifrigen Politiker, gemeinsam mit den Medienvertretern, ihre Energie verwenden, anstatt sich unter den Glanzlichtern des gewinnbringenderen, weil publicityträchtigeren Profiradrennsports zu sonnen.

Und an diese Scheinheiligen gehen auch heute meine ersten Grüsse. Geht doch lieber einmal dahin, wo es wirklich wichtig ist. Die Radrennfahrer handeln wie die grossen Vorbilder unserer Zeit. Ob Bush oder Putin, Berlusconi oder Blair, Sarkozy, Schröder, Merkel oder Schäuble, und noch zahllose andere.

Nach aussen immer schön den Saubermann spielen, auch wenn man selbst hier und da manipuliert. Oben hui, unten pfui, so drückten das seinerzeit meine Eltern aus. Und so und nicht anders lautet die Moral von der Tour de France Geschicht.

Hier vor Ibiza spielt dieser Tage die interessante Musik. Das geht auch euch da drüben etwas an, egal ob Deutschland, Franreich oder England. Eure Urlauber müssen zukünftig hier erst einmal in einer Giftbrühe baden. Auch wenn man sie nicht so direkt erkennt. Der Giftcocktail mit Langzeitwirkung, dieser ist jetzt erstmal da. Und der geht auch so schnell nicht mehr weg.

Auch das zukünftige Trinkwasser ist äusserst gefährdet. Jetzt fehlt nur noch, dass sich die Versicherung des Öltankers Don Pedro vor ihrer Zahlungsverpflichtung drückt. Und dabei mit ihrem Finger auf die anderen Übeltäter zeigt. Und genau dies werden wir jetzt beobachten. Denn wenn dies geschieht, dann tanzt der Bär erst richtig, hier im balearischen Blätterwald. Gerade auch im virtuellen.

Mein Gruss nach Deutschland verbinde ich heute mit einem grossen Appell an den gesunden Menschenverstand von euch allen da drüben. Denkt über die energischen Worte eines Mallorca-Kolumnisten heute einmal ganz besonders gründlich nach. Es könnte sich lohnen. Nicht nur für uns hier auf den Balearen, sondern auch für euch da drüben. Und ganz sicher und besonders für eure Kinder.

Wie immer grüße ich auch alle hier auf meiner Insel. Ich durfte gestern Abend noch erleben, dass diejenigen, die von diesen absichtlichen Umweltschweinereien Kenntnis erhielten, mindestens genauso empört sind, wie ich es auch heute noch immer bin. Viele Augen sind  daher in den nächsten Wochen gen Ibiza gerichtet. Mal sehen, was da jetzt noch zu retten ist.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,

Ihr Marlon
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