Zuschütten oder nicht

Marlon über die stillgelegte Metro in Palma de MallorcaEin Kolumnist auf Mallorca fragt sich am heutigen Tage einmal mehr, wann denn die Verantwortlichen in Palma in der Metro-Frage doch noch auf die unkonventionelle Idee kommen, die ganze Kiste einfach zuzuschütten.


Sie werden sich, verehrte Leser, vielleicht noch erinnern, an den allerersten Wirbel um unsere U-Bahn, hier in Palma de Mallorca. Dieser Wirbel ebbt noch lange nicht ab.


Einige Monate ist es nun doch schon her, dass die U-Bahn-Röhre inklusive einiger Stationen so richtig schön unter Wasser stand, und wie dann recht schnell bekannt wurde, hatte die alte Balearenregierung unter der Führung von Jaume Matas das Bekanntwerden dieses durchaus als Katastrophe gigantischen Ausmasses zu bezeichnenden Umstandes vor der Wahl ganz geschickt verhindern können. Das Letztere ist ein anderes Thema, wenn gleich eine Angelegenheit für den Staatsanwalt, wie so vieles andere auch an diesem Metroskandal.


Weil auch ich die Verhältnisse hier auf Mallorca und insbesondere in der Hauptstadt Palma recht gut kenne, riet ich seinerzeit, in meiner ersten Kolumne zu diesem U-Bahn-Fiasko, man solle doch die gesamte Röhre einfach wieder zuzuschütten. Halb scherzhaft, wie könnte dies natürlich auch anders sein, jedoch, nicht nur.


Es gibt nicht sehr viele Regentage auf dieser herrlichen Insel Mallorca, doch, wenn es einmal von da oben herunterkommt, dann zumeist in ganz, ganz grossen Kübeln. Drüben bei Ihnen in Deutschland wird man die bei uns üblichen, teils apokalyptisch anmutenden, tropenartigen Regenfälle so gut wie nie erleben, schon gar nicht über mehrere Stunden oder gar Tage.


Innerhalb weniger Stunden einhundert Liter Wasser pro Quadratmeter, testen Sie dies doch einfach einmal spasseshalber. Füllen Sie dazu zehn Putzeimern randvoll mit Wasser, dann wissen Sie schnell, was dies genau bedeutet.


Einfach einmal auskippen, und dann daran denken, dass diese Wassermenge, und nicht selten noch viel mehr, nur auf einem einzigen, winzig kleinen Quadratmeter herabregnet. Auf gut Deutsch, man steht dann knöcheltief im Wasser, was Ihnen auch locker hier in Palma passieren kann, so Sie sich nicht schnell genug von den Wasserstürzen eines ansonsten zumeist tiefblauen Balearenhimmels in Sicherheit bringen können.


Wenn es auf Mallorca regnet, dann kann man durchaus auch einmal auf offener Strasse ertrinken, und es ist noch gar nicht so lange her, dass sich genau dieses Drama auf unseren Strassen hier in Palma ereignet hat. Eine Urlauberin ist es gewesen, wenige Wochen ist dies erst her. Sie war an einem jener deftigen Regentage mit ihrem Auto in Palma unterwegs.


Für uns ist es zur Gewohnheit geworden, dass man, wenn es so richtig schlimm kommt, aufgrund des hohen Wasserstandes auf unseren Strassen einfach nicht mehr weiterfahren kann. Dann fährt man am besten rechts ran, und bringt sich in Sicherheit.


Genau das wollte die Unglückselige auch tun, sie hatte beim Aussteigen jedoch nicht mit der schier unbändigen Kraft des Wassers gerechnet. Die Dame wurde von den Fluten einfach mitgerissen und ertrank auf offener Strasse, dreissig Jahre ist sie alt gewesen.


Die Wurzel des Problems, hier auf auf Mallorca können die Wassermassen einfach nicht abfliessen. Daran haben wir uns längts gewöhnt, und nicht erst seit gestern. Und dennoch trieb der vormalige Regierungschef Jaume Matas dieses unsinnige U-Bahn-Projekt gnadenlos und unerbittlich voran. Es ging ja schliesslich ums Prestige.


Eine Metro in Palma, das hört sich doch gut an, und, was die, selbst für einen Laien bereits auf der Hand liegenden, konstruktionstechnischen Problemstellungen anging, na, da steckte der eitle Ministerpräsident Jaume Matas seinen Kopf doch lieber in den Sand. Und Sand haben wir ja mehr als genug, hier bei uns auf Mallorca.


So langsam dämmert es den neu gewählten Oberen in Palma, dass die Metro nicht so einfach trocken gelegt, geschweige denn trocken gehalten werden kann. Wir haben hier nunmal keine Kanalisation mitteleuropäischen Standards, und selbst wenn, auch die wäre hoffnungslos überfordert.


Die Metro ist nun bereits seit Monaten stillgelegt, unter Anderem auch wegen Einsturzgefahr der Tunnelröhren. Und obwohl es in den letzten Wochen glücklicherweise kaum noch geregnet hatte, kann die Metro im Januar, wie vor längerer Zeit noch optimistisch angekündigt, doch nicht wieder in Betrieb genommen werden.


Jetzt visiert man den kommenden April an, aber selbst das halten viele Insider für ein Gerücht. Ganze Strassenzüge will man nun wieder aufreissen, man hat nun erstmals und endlich, Gott sei es gedankt und gepredigt, erkannt, dass die Metro ein umfangreiches Drainagesystem, sprich ein Entwässerungssystem benötigt.


Bravo, und guten Morgen, kann man da nur Richtung Bauamt in Palma rufen, und, wer hat bloss so unsagbar viele Böcke bei euch zum Gärtner berufen.


Und folgerichtig geht mein erster Gruss an den grössten aller Böcke, nein, es ist ja eine Sie, wie sage ich das jetzt bloss. Egal, gemeint ist die Dame, die diesen gigantischen Metro-Skandal in Palma de Mallorca zu verantworten hat. Neben Jaume Matas natürlich, aber der hat sich ja verkrümelt wie wir alle wissen.


Die ehemalige Bauministerin Mabel Cabrer, von der Volkspartei, der PP, sie ist die Hauptverantwortliche im U-Bahn-Desaster, und diese Dame zeigt auch heute noch wenig Einsicht in ihr Fehlverhalten.


Mabel Cabrer hat den Metrobau auf Geheiss ihres Chefes, Jaume Matas, vorangetrieben. Die Metro sollte ja noch unbedingt vor den Wahlen eingeweiht werden. Unglaublich, Ihr Verhalten, Mabel Cabrer, anders kann man diese Chuzpe, Ihre jüngsten Äusserungen zum Metro-Fiasko, nicht nennen. Ihr konntet einige Jahre mit einer Metro prahlen, und wir alle müssen nun genau dafür, für eure unverantwortlichen Schlampereien, zahlen.


Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an einen unserer Kollegen. Jürgen Grosch heisst er, er schreibt für eine Fachzeitschrift namens Regionalverkehr. Er sagt, wie es ist, er spricht das aus, was alle Verantwortlichen in Palma bereits während der Planungszeit wussten. Nämlich, dass bei der Streckenplanung ein bekanntes Überschwemmungsgebiet missachtet wurde. Und genau das ist eine der bitteren Wahrheiten in diesem Metro-Chaos


Wie immer auch meine Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel mit sehr viel Arbeit für die Ermittlungsbehörden in Palma, in Sachen Metro.


Herzliche Grüße von der Insel Mallorca


Ihr Marlon

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