Das Rampenlicht

Marlon über Michael Schuhmacher auf MallorcaDer grösste aller Rennfahrer hat Mallorca seine Ehre erwiesen. Er wird es sich verdient haben, angesichts seiner wahrscheinlich für alle Zeiten unerreichbar bleibenden sieben Formel 1 Weltmeistertitel. Und er hat es genossen, wie es die zahlreichen Bilder beweisen.

Die bekannte und grösste Zeitung Deutschlands ist wieder einmal die erste gewesen, die dies bereits am gestrigen Tag vermeldet hatte.

Ein Michael Schumacher ist allemal eine riesige Story auf dem Titelblatt wert, und wenn dies auch nur für einige Stunden ist. Der Name Michael Schuhmacher zieht immer, damit schmückt man sich eben gerne.

Während meine Redaktionskollegen in diesen Tagen eher damit beschäftigt sind die Wissensdatenbank über unsere schöne Insel Mallorca mit reichlich Informationen aufzufüllen, und man gestern noch darüber diskutierte, ob der Mann denn nicht sogleich vermeldet werden müsse, und man sich dann dagegen entschieden hatte, war sich ein Kolumnist längst klar, die nächste Kolumne wird zum Inhalt Michael Schuhmacher haben.

So einen Steilpass bekommt man nicht alle Tage, und, auch wenn er längst wieder in seiner Heimat, in der Schweiz am wunderschönen Genfer See ist, das Thema packen wir jetzt einmal an.

Schumi, wie ihn seine Fans ganz sicher für alle Zeiten nennen werden, hat nämlich nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit nach seinem Karriereende etwas geschafft, was anderen an seiner Stelle nicht nur nicht gelingt, sondern auch. was man schlicht und einfach nicht für möglich gehalten hätte.

Michael Schuhmacher war urplötzlich quasi über Nacht weg. Verschwunden von allen Promibühnen unserer Welt. Sehr zum Erstaunen so manches Insider und Promikollegen und zum grossen Ärger von Teilen der Yellow-Press.

Diese, in erster Linie in Gestalt des uns allen bekannten wenig niveauvollen Blattes, mit dem vielen Rot in ihren Lettern, hatte ihn deshalb sogar ein paar mal aufs Korn genommen. Nach dem Motto, wie kann es Michael Schuhmacher denn wagen, einfach so wegzugehen. Auch wenn er sich offiziell verabschiedet hat.

Was sollen wir unnütze Zeitgnossen denn noch tun, wenn wir nicht einmal mehr am Speichel von Prominenten lecken dürfen. Und sie natürlich auch ab und zu kräftig in die Pfanne hauen, was ja nicht selten sogar mit den Betroffenen abgesprochen ist. Wie sagt man so schön, Klappern gehört zum Handwerk.

So oder so ähnlich kam mir dies vor, als ich die üblen Geschichten über Michael Schumacher gelesen hatte. Gezündelt hatte man mehrmals, das Dumme war nur, es sprang niemand gross drauf an. Im Gegensatz zum Normalfall, der in etwa so aussieht, dass diejenigen, die über längere Zeit im Rampenlicht stehen, den anschliessenden Absprung einfach nicht packen, tauchte nämlich Michael Schuhmacher einfach ab.

Tschüss und weg, keine Kameras, keine Interviews, keine Presseerklärungen, Sponsorentermine nur das Allernötigste, alleine nur Privatleben und Familie ist jetzt angesagt. Michael Schuhmacher verkauft sich auch ohne dass er in Erscheinung tritt. Obwohl es das sicher nicht gewesen ist, im Gegenteil.

Seine Konsequenz und seine Gradlinigkeit, mit der er seine jeweiligen Ziele ansteuerte, dies zeichnete ihn aus. Gelegentlich auch etwas übermotiviert, ganz klar, ohne Fehler hätte man ihm allerdings auch gleich das Prädikat göttlich anheften müssen. Was er nie wollte.

Bescheiden ist er nach aussen immer gewesen, im Gegensatz zu vielen anderen, aber komischweise wurde dies bei ihm niemals so kolportiert. Bei allem Siegeswillen, einen Michael Schuhmacher hat man nie sagen gehört, er fahre besser als alle andere.

Seine wohlüberlegten Statements haben zum Einen diejenigen nicht verstanden, die ihn für sich vereinnahmen wollten, aber zum Anderen besonders diejenigen, denen es Motiven des Egoismus und des Geschäftsinteresses, sowie aus Gefühlen von Hass oder Neid, sogar einmal gelang, dass der Mann in der Öffentlichkeit von seinen Tränen übermannt wurde.

Das hat er so ganz sicher nicht gewollt. Komischweise haben ihm einige seiner Gegner ab eben jenem denkwürdigen Tag dann urplötzlich deutlich mehr Sympathien entgegengebracht, der Tag einer Pressekonferenz nach einem ganz besonderen seiner zahlreichen grandiosen Siege.

Viele derjenigen, die sich dazu auserkoren sahen über diesen Mann zu richten, sahen vielleicht auch in einen Spiegel, wenn Sie Michael Schumacher betrachteten. Einen Spiegel, der zu ihnen sagte, im Gegensatz zu diesem Mann bist Du ein Verlierer.

Dabei war das Erfolgsrezept eines genialen Michael Schuhmacher eigentlich ganz einfach, und noch dazu, die wichtigste Zutat seiner Erfolgsrezeptur steht sogar allen Menschen in gleichen Teilen zur Verfügung.

Neben seiner ganz sicher hohen Intelligenz findet man in Michael Schuhmacher vor allem die Tugenden, die man bei weit über neunzig Prozent aller erfolgreichen Menschen wiederfindet.

Gemeint sind hier natürlich nur diejenigen, die sich den Erfolg selbst erarbeitet haben. Die Zeitgenossen, die von Geburt an in ein seidenes oder goldenes Nest gebettet wurden, die klammere ich jetzt einmal ganz bewusst aus.

Der Mann war einfach unglaublich fleissig, und zwar von Kindesbeinen an. Und natürlich diszipliniert, und auch wissbegierig, aber dies ist eng verbunden mit dem Erstgenannten. Zwölf bis Fünfzehn Stunden am Tag schuften, und dies an sieben Tagen die Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und daraus erwächst dann irgendwann einmal Talent.

Michael Schuhmacher hatte bereits zu Beginn seiner Formel 1 Karriere weit mehr als jemals ein anderer Formel 1 Rennfahrer ein excellentes Verständnis für Technik, für Technologien und deren Anwendung in der Praxis. Nicht umsonst war Michael Schumacher jederzeit für seine Renningenieure ein Gesprächspartner in Augenhöhe.

Einer, der aus dem Auto stieg und zu diesen sagen konnte, wo genau an seinem Rennwagen Veränderungen notwendig waren, damit er seine perfekte Runde vielleicht noch einige Hundertstel Sekunden schneller drehen konnte. Und zwar im Detail, und daher könnte dieser Mann in jedem Team sofort auch als Renningenieur anfangen zu arbeiten.

Endloser, zielgerichteter Fleiss, bedingungslose körperliche Fitness, permanent lernen, für alles Neue Augen und Ohren offenhalten, dazu ein kritisches Selbstverständnis. Das letztere hat der Mann, ganz sicher sogar. Viele kapieren nur nicht, es geht ausser ihm selbst einfach niemandem etwas an.

Und mit der gleichen Zielstrebigkeit schaltete der Mann nach seinem Karriereende ab, knipste zum Missfallen einiger ganz einfach selbst das Rampenlicht aus. Auch wenn es zahlreiche Missgünstlinge gibt, die Dir da jetzt sagen, dass das so nicht geht. Michael Schuhmacher, hier ist ein Kolumnist, der dies nur zu gut versteht.

Und deshalb grüßt dieser Kolumnist Dich auch heute einmal ganz herzlich, und Deine Familie. Und Deinen Manager Willy Weber gleich mit. Du hast dies genau richtig gemacht.

Du hast genügend Nassauer, zahllose Hinterradlutscher, wie die Radprofis es nennen, in Deinen Wettkampfzeiten mitgeschleift. An Deiner Konsequenz sollten sich viele ein Beispiel nehmen, nicht wie ein Fähnchen im Wind, was eher dem Zeitgeist entsprochen hätte.

Vor allem, dass Du Deinem Manager die Treue gehalten hast, zeichnet Dich ganz besonders aus. Denn den hätten fast alle anderen, irgendwann nach Ankunft im goldenen Olymp, schon längst dem eigenen Egoismus zuliebe gefeuert.

Dagegen, feuern müsste man meiner Auffassung nach ganz schnell einige aus der Politik in Deutschland. Dorthin hinüber grüße ich auch jetzt. Schon wieder drei deutsche Tote in Afghanistan, von euch da drüben in Berlin in dieses Land geschickt. Ihr Merkels, Steinmeiers, Westerwelles und auch Stoibers. Wann endlich meldet sich bei euch ein Etwas, das man landläufig einfach nur schlicht Gewissen nennt.

Viele Grüsse wie immer auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Einer Insel jetzt wieder ohne Michael Schumacher, dafür mit genügend anderen Feriengästen.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,

Ihr Marlon
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