Das Geschäft

Marlon über das Geschäft mit billigen Arbeitskräften auf MallorcaDas Geschäft mit den billigen Arbeitskräften auf Mallorca, oder sollte man gar sagen, der Handel mit den billigen Arbeitskräften.

Der Handel mit Menschen, Menschenhandel, nichts anderes ist dies im Grunde, Motiv dafür ist, wie überall in unserer Welt, die Jagd nach dem Profit.

Die Schattenseiten unseres Wertesystems, der Mensch rafft soviel er kann, was schert mich da mein Nebenmann, je mehr ich habe, desto grösser wird die Gier. Scheinbar ist dies so, die Politik schaut zu, schaut sie hie und da eventuell sogar bewusst weg?

Ein Kolumnist auf Mallorca kann dies nicht so richtig einschätzen, Tatsache ist es jedoch, dass diejenigen, die, wie sagt man doch so schön, den feinen Rahm abschöpfen in der Regel den ganz engen Schulterschluss mit den Damen und Herren Politikvertreter suchen.

Das Thema zieht sich mehr und mehr wie ein mahnender roter Faden durch die Berichterstattung einer immer grösser werdenden Anzahl von Medien. Zumindest in dem Teil der Medienlandschaft, die noch nicht vollständig am Tropf einer von bedingungsloser Expansion und Profitoptimierung geleiteten wirtschaftspolitischen Denkweise hängt.

Das, was jetzt hier auf Mallorca im Focus des öffentlichen Interesses steht, wie so oft in den letzten Jahren, muss man sagen, spielt sich seit langer Zeit auch im Grossen ab. Global, über viele Grenzen hinweg, betreibt man das Geschäft mit der Not armer Menschen.

Wenn wir alle nur ein kleines Fünkchen Ehrlichkeit und Anstand in uns haben, dann gestehen wir dem System das erschütternde Etikett einer modernen Sklaverei zu. Das Geschäft mit der Not, mit der Angst, es funktioniert überall gleich.

Je ärmer der Tropf, desto wehrloser wird er, mehr noch, desto williger wird er für die Haifische in unserer Zivilisation. Wobei, zivilisiert kann man das Verhalten der mallorquinischen Geschäftsleute nicht nennen, die sich den Schlepperbanden bedienen, die sie finanzieren, deren Lebensgrundlage sie mit ihrer Gier nach immer mehr erst schaffen.

Laut einer offizieller Verlautbarung der Balearenregierung ist dieser Menschenhandel auf Mallorca gut organisiert. Man liefert billige Arbeitskräfte auf Bestellung, quasi wie im Versandhaus. Geschäftsleute auf Mallorca, wie auch dem übrigen Spanien, bestellen sich einfach ihre willigen, billigen Arbeitskräfte, je nach Bedarf. Diese arbeiten dann zum Beispiel in der Landwirtschaft, der Fischerei, aber auch in anderen Bereichen, wie dem Tourismus.

Der Begriff billige Arbeitskräfte dürfte eher noch masslos untertrieben sein, sklavereiähnliche Bedingungen sind leider keine Seltenheit. Wenn der Mensch nicht einmal sein tägliches Brot hat, dann macht er alles für mich, gibt alles, und gibt sich noch dazu bereitwillig hin. Schmutzig, werden jetzt alle denken, aber, verehrte Leser, was genau tun wir dagegen? Nichts.

Meine ersten Grüße gehen heute an die Europapolitik, denn auch sie steht hier in Verantwortung und Pflicht. Das, was sich hier abspielt, manch einer sagt, dass habt ihr so gewollt. Soweit würde ich jetzt nicht gehen wollen, aber vorrauszusehen war dies alles durchaus.

Die Wirtschaftspolitik gemäss dem Prinzip, nimm Dir soviel Du bekommen kannst und zahle so wenig dafür. Damit das gut funktioniert praktiziert man Lobbyismus, womit sich der Kreis dann wieder einmal schliesst. Wer unternimmt etwas dagegen, niemand. Und die Politik, sie wird sie auch in Zukunft nicht abweisen, die Spenderhand.

Mein Gruss nach Deutschland, er gilt dem Koalitionstheater in Sachen Rücktritt von Franz Müntefering. Er legte seine politischen Ämter nieder. Nun verbreitet man in Berlin das Gefühl des Aktionismus, in Wirklichkeit tut sich aber nichts.

Eine finanzstarke Lobby wehrt sich in Deutschland gegen den Mindestlohn, obwohl die da gehandelten Zahlen selbst diesen Begriff kaum wert sind. Wen wunderts, denn, wie man auch hier auf Mallorca sieht, die menschliche Arbeitskraft ist ja noch viel billiger zu haben.

Der Konflikt mit dem Gesetz, na, den kann man leicht vermeiden. Man beschliesst halt eines, oder auch zwei. Dann kommen sie auch ganz legal, von überall her, EU-Erweiterung und Globalisierung nennt man das, und keinesfalls moderne Sklaverei.

Herzliche Grüße auch an alle anderen hier auf der Insel, auch eine Insel der menschlichen Abgründe.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,

Ihr Marlon
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