Schäflein ins Trockene
Die Immobilienkrise auf Mallorca nimmt bereits zu Beginn des Jahres 2008 unheilvolle, dramatische Züge an.
Wer sich als Inhaber einer Mallorca-Immobilie bis dato noch selbst den einen oder anderen Strohhalm herbeiredete, weil er meinte oder auch hoffte dass diese Immobilienkrise an ihm vorüberziehen würde, der wird von den neuesten Ereignissen spätestens jetzt eines Besseren belehrt.
Preisreduzierungen von bis zu einem Drittel, quasi über Nacht, wer hätte das zu diesem frühen Zeitpunkt schon so erwartet. Welch ein Werteverfall. Dass die Immobilienpreise exrem stark sinken wie jetzt, war von Insidern insgeheim erwartet worden, man rechnet sogar noch mit wesentlich grösseren Abschlägen.
Jedoch, der frühe Zeitpunkt ist, der uns erstaunt, weil man weiss, dass die Immobilienbranche selbst mit einer entprechenden Öffentlichkeitsarbeit alles Menschenmögliche unternimmt, um zumindest den Schein zu wahren.
Da das Thema Immobilien ein sehr Wesentliches ist, auch und vor allem weil es jedes Jahr aufs Neue immer wieder tausende Mallorca-Liebhaber gibt, die in einem paralyseähnlichen Zustand paradiesischer Träume glauben, dass das Leben auf einer Mittelmeerinsel so etwas wie das Dasein im Schlaraffenland bedeutet, interessiert sich ein Kolumnist auf Mallorca bereits seit vielen Jahren für die heimische Immobilienbranche.
Die irrsinnige Preisentwicklung der vergangenen Jahre hat bei allen Insulanern helle Freude, wie auch grosses Kopfschütteln verursacht, und man wusste eigentlich insgeheim, dass diese Immobilienblase irgendwann wie ein löchriges Kartenhaus in sich zusammenbrechen würde. Die Frage war nie ob, sondern nur wann dies geschieht.
Wer mich kennt, der weiss von meinen regelmässigen Streifzügen über die Insel, der ich mich schon mehr als zwei Jahrzehnte verbunden fühle. Die Beobachtung von Natur und Mensch und all das, was sich drumherum abspielt, überall auf Mallorca, nicht zuletzt deshalb habe ich mich über so viele Jahre in dieses schöne Eiland verliebt.
Allerdings stehen meine Motive nicht ganz so im Einklang mit denen des Urlaubsgastes. Jener kommt hierher, sieht Sonne, Strand, das Meer, welch ein Kontrast zu dem im Gegensatz hierzu so trist erscheinenden Alltag in der Heimat. Dann kommen Wünsche und Sehnsüchte auf, wie gerne würde man hierher nach Mallorca auswandern.
Diese Begierde scheint nicht selten wie einbetoniert zu sein, in die Köpfe zahlloser Insel-Träumer, Heilung ist dann zu oft leider nur mit dem Erleben der bitteren Realität möglich. Wer nicht hören will, der muss fühlen, das alte Sprichwort bewahrheitet sich gerade und auch auf Mallorca. Die deutsche Botschaft in Palma kann ein jedes Jahr aus Neue tausende traurige Liedlein über allerlei Leid deutscher Auswanderer singen.
Ganz wagemutige kauften sich dann ihre Inselimmobilie, der Lebenstraum war damit greifbar nahe. Nun aber geht es abwärts mit den Immobilienpreisen, und wie es nach unten geht. Es ist vieles Psychologie, das was jetzt geschieht hätte eigentlich schon viel früher geschehen müssen.
Gekauft haben ohnehin nur noch die, die genügend Geld haben und denen die Preise eher egal sind, die sich in ihrem Leben immer genau das gönnen können, was gerade ansteht und beliebt. Und die zahllosen Träumer natürlich, in vielen Fällen wurde das mühsam Ersparte für die Anzahlung investiert, der Rest wurde finanziert.
Und hier in Spanien kann man locker 80% und mehr finanzieren, bei manchen Finanzierungsmodellen sträuben sich einem Mallorca Kolumnisten schier die Nackenhaare.
Die Immobilienbranche selbst, sie ist zweigeteilt, wie immer im Leben gibt es auch hier Gewinner und Verlierer. Wobei die Gewinner eher unter denen zu suchen sind, die über viele Jahre hinweg beste Verbindungen zur Inselpolitik unterhielten, und sich dadurch das eine oder andere Güldene Kalb unter den Nagel reissen konnten. Nicht immer geht das gut, manchmal nur solange bis der Staatsanwalt kommt.
Nun zittert der weitaus grösste Teil dieser Branche, was nicht verwundert, wenn man weiss, dass die meisten Inselimmobilien bis hinauf zum Schornstein mit Hypotheken belastet sind. Nach aussen hin versuchte man lange zu beschwichtigen, Ruhe bewahren sollte man, bloss nicht auch noch verkaufen.
Und ausserdem kämen ja noch die Russen, da gehen die Preise nochmal hoch. Wenn es nicht so unheimlich viel Leid um das Lebenswerk vieler tausend Immobilienbesitzer auf Mallorca ginge, könnte man darüber sogar noch lachen.
Ich kann es nicht, genauso wenig wie die Betroffenen selbst. Diese senken nun den Verkaufspreis für ihre Eigentumswohnung oder ihr Haus um bis zu einem Drittel, und dennoch werden sie ihr Objekt nicht los. Das ist der traurige Fakt.
Einige Makler hängen nun mit Hinweis auf die Psychologie des Immobilienmarktes die Verkaufsschilder von den Fassaden wieder ab, man glaubt und hofft dadurch nach aussen hin den Eindruck erwecken zu können, das alles gar nicht so schlimm oder sogar nun wieder besser sei. Harte Bandagen, fürwahr, in einer Branche, in der es nicht unbedingt zimperlich zugeht.
Mein heutiger erster Gruß gilt allen verzweifelten Immobilienbesitzern auf Mallorca. Auch mich fragt man in diesen Tagen und Wochen immer wieder um Rat. Man hofft auf einen Insidertipp, fragt, wie ich mich nun an ihrer Stelle verhalten würde. Ich antworte dann regelmässig, ich weiss es nicht.
Nur Eines, das weiss ich zu genau. Wer immer dazu rät jetzt abzuwarten, Ruhe zu bewahren und vor allem nicht zu verkaufen, der tut dies nicht selten mit der Absicht zunächst einmal seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu holen.
Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an alle Mallorca-Immobilien-Träumer. Wartet einfach in Ruhe die weitere Entwicklung ab, man erwartet, dass es im nächsten Winter noch viel schlimmer sein wird. Was jetzt und heute ein angebliches Schnäppchen sein soll, kann dann ganz schnell den Ruin bedeuten.
Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel des Angst und Schreckens, wenn es um das Wohneigentum und dessen rapiden Werteverfall geht.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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