
Mallorca - zurück in die heile Welt
Erstellt: 2010-04-08 14:04:01
Die Bestrebungen in Richtung eines nachhaltigen Tourismus in Palma de Mallorca geben auch dem Kolumnisten der größten aller Baleareninseln endlich wieder etwas Hoffnung auf eine gute Zukunft einer Insel Mallorca, die einst noch so liebenswert gewesen ist. Und, die vor weit mehr als zwei Jahrzehnten bereits zu seiner lieb gewonnenen Heimat geworden ist.
Aus der Not mach einfach eine Tugend, werden sich die strategischen Berater von Balearenregierung und Inselrat denken. Und dass dies auch vor dem Hintergrund der äußerst klammen Finanzlage die derzeit beste aller Strategien ist, spüren auch zunehmends die Bürgerinnen und Bürger der Autonomen Gemeinschaft der Balearischen Inseln.
Die Sünden der Vergangenheit lasten schwer auf den Schultern dieses einstmals geradezu paradiesisch schönen Eilands. Korruption und Gier haben tiefe Spuren in den Landschaften der Insel hinterlassen. Dabei wäre das alles nicht einmal nötig gewesen.
Die Cañellas, Matas und Munars haben Hand in Hand mit maßlos egoistisch agierenden Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche Mallorca zu dem gemacht, was es heute ist. Ein Mittelmeerparadies, das nicht weiß, welche seiner zahllosen Wunden denn zuerst zu lecken sind. Der Blick zurück schmerzt da sehr. Mallorca, wie es damals war. Man müßte noch einmal von vorne beginnen können. Wenn es doch so einfach wäre.
Die Insel Mallorca ist schon immer das Zugpferd Nummer Eins unter allen balearischen Inseln im Mittelmeer gewesen, was schon alleine die Größe der Insel bedingte. Wenn der Tourismus auf Ibiza, Menorca, oder gar Formentera lahmt, so hat das in der Hauptstadt Palma in der Vergangenheit eher wenige gejuckt. Nicht umsonst haben sich auf den jeweiligen Inseln eigenständige politische Gruppierungen bilden müssen, die dann die individuellen Interessen der jeweiligen sehr viel kleineren Inseln bei der Regierung in Palma anmeldeten.
Und zumindest in Ibiza, dort läuft die Urlaubssaison 2010 im Vergleich zu Mallorca vergleichsweise hervorragend. Aber diese drittgrößte aller Baleareninseln hat lediglich 5 Gemeinden mit nur etwa 120.000 Einwohnern. Jedoch, der Massentourismus spült jedes Jahr rund 1,5 Millionen Urlauber auf die Insel, die zur Inselgruppe der Pityusen zählt. Wer diesen Zahlen Mallorca gegenüber stellt, wird feststellen, dass sich Ibiza, angesichts der deutlich bescheideneren natürlichen Ressourcen deutlich besser aufstellt.
So kann die Insel Mallorca mit 53 Gemeinden aufwarten, bei etwa 850.000 Bewohnern, und jährlich machen etwa 8 bis 9 Millionen Touristen der schönsten aller Baleareninseln ihre Aufwartung. Und während Ibiza ein 572 Quadratkilometer großes Inselchen ist, welches gerade einmal in etwa so groß wie der Bodensee ist, hat die Insel Mallorca bereits alleine eine Küstenlinie von etwa 550 km Länge. Die Ressourcen der Insel Mallorca sind riesig, was der Außenstehende anhand der genannten Zahlen gut ermessen kann. Denn auf der fast achtmal so großen Insel befindet sich alles, was ein erfolgreiches Tourismuskonzept als wichtigste Basis braucht.
Neben den üblichen Qualitäten der Mittelmeer-Sonne, der unzähligen schönen Strände und Buchten, hat Mallorca mit der Serra de Tramuntana ein Bergland, ohne dass diese Insel schon lange nicht mehr lebensfähig wäre. Zumindest nicht in der in der Vergangenheit übermäßig zelebrierten Form.
Dazu kommt ein Binnenland, welches in weiten Teilen eine Augenweide ist ist. Auch wenn in den übermäßig heißen Sommermonaten weite Teile der Natur der gnadenlosen Hitze einer zu dieser Zeit gar nicht mehr so angenehmen Mittelmeersonne kaum noch etwas entgegenzusetzen hat.
Aber, die Insel erholt sich, und dies mit schöner Regelmäßigkeit, alle Jahre wieder. Denn, Wasser gibt es zum Glück genug, wenn gleich das 5-Sterne-Tourismussegment für Mallorca durchaus eine Bedrohung darstellt. Auch wenn dies nicht jeder so gerne hört. Aber es ist nunmal so.
Langeweile kann auf Mallorca niemals aufkommen, denn hier kann der Urlaubsgast in seinen Ferien nahezu allen denkbaren Hobbies frönen. Die möglichen Wassersportarten reichen vom Windsurfen, über Segeln bis hin zum Tauchen. Vom Planschen im Meer einmal ganz abgesehen. Wer dies möchte, kann selbst in der Hauptsaison ein ruhiges Plätzchen an der Küste entdecken. Die Serra de Tramuntana bietet sich hier genauso an, wie die Region der Llevant im Osten von Mallorca. Wer lieber die Insel erkunden möchte, der kann neben dem Wandern oder Fahradfahren Mallorca natürlich auch als Paradies für Motorradfahrer erleben. Mit aller gebotenen Vorsicht natürlich.
Mallorca ist die Insel der Gegensätze, was auch die Hauptstadt Palma unterstreicht. Der Trubel einer Weltstadt, in der etwa 120 Nationen friedlich zusammenleben, und nur wenige Autominuten entfernt eintausend und mehr Meter hohe Gipfel, von denen Einheimische wie Touristen einen geradezu himmlisch anmutenden Ausblick über die Insel Mallorca genießen können. Nicht wenige Touristen träumen da oben träumen dann von ihrer eigenenImmobilie auf Mallorca.
Und wenn mir danach ist, dann klettere ich hinauf, auf einen der Gipfel der Serra de Tramuntana, ziehe mich in eines der unzähligen Refugien der Insel Mallorca zurück, in denen man noch für sich ganz alleine sein kann. Inmitten der Natur. Dort, wo nur noch die Einsamkeit herrscht, und selbst die Geräuschkulisse des Flughafens Son Sant Joan in der Faszination des Rundumblicks völlig untergeht.
Dann sehe ich die beiden Bilder vor mir. Mallorca vor vielen, vielen Jahren auf dem einen Auge, und das Mallorca von heute mit dem anderen. Und dann stelle ich mir vor, dass die Regierung unter Francesc Antich, gemeinsam mit dem Inselrat unter der Führung von Präsidentin Francina Armengol, jetzt alles daran setzen werden der Natur auf Mallorca genau das wieder zurück zu geben, was sie in den letzten Jahrzehnten zunehmends verloren hat.
Nämlich genau die Lebensqualität, die den Mallorca-Tourismus der Zukunft ausmachen wird. Dazu müssen die noch verbliebenen natürlichen Ressourcen vor der Gier korrupter Politiker, Baulöwen und Immobilienmaklern konsequent geschützt, und sinnlos zerstörter Naturraum wieder zurückgeführt werden.
Die ersten deutlichen Zeichen haben Balearenregierung und Inselrat bereits gesetzt. Es soll und muß wieder etwas rückwärts gehen. Oder besser formuliert, zurück in die Zukunft. Zurück in die heile Welt eines Mittelmeerparadieses Mallorca, das dann vielleicht eines Tages wieder ein wenig so sein wird, wie es früher einmal war.
Ihr Marlon
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