Von Port d'Alcúdia bis Ca'n Picafort
Ein Hauch von Sylt, auf Mallorca. Brandung über Brandung rollt auf mich zu. Die Schaumkronen, in Vierer-Reihen, eine schöner denn die andere, das Türkis des Wassers, dunkler mit wachsender Entfernung, ein Gedicht. Beruhigt die Seele, tief durchatmen, Seeluft, herrlich klar, Rauschen des Windes, es inspiriert. Ich bin fast allein. An diesem Sonntag nachmittag. Ich starte in Port d' Alcúdia, der Bilderbuch-Strand ist eine Augenweide, als wärs das erste Mal. Nach Ca'n Picafort solls gehen, hin und zurück, die Meereslinie, kein Spaziergang, für wahr. Die Entfernung, ich nehms sportlich, ein paar Blasen dann später was solls, sitze sowieso den ganzen Tag, schadet nichts, dann mal los.
Die Sonne lacht, nicht zu warm, etwas Wind, Nachwehen des Sturms. Wo sind die Menschen. Frage ich mich und freue mich zugleich über diese unerwartete Ruhe, kein Treiben am Strand, lediglich einige Gleitschirm-Surfer, trainieren den nächsten Wettkampf. Noch nie gesehen, kunstvoll vollführen Sie ihre atemberaubende Artistik, Meer und Strand gehören ihnen, ganz allein, mit mir.
Weiter gehts, Platja de Muro ist passiert, plötzlich Stopp. Rechts die Dünen, links das Meer, dazwischen zwanzig Meter Strand, Natur, Seegras - und Quallen, Feuerquallen. Überall Feuerquallen, welch ein Anblick, Vorsicht ist angesagt. Im behutsamen Slalom gehts voran, schaurig schön, das leuchtende Rot, nicht zu übersehen, Gänsehaut-Feeling.
Jeder Meter voller Quallen, ihr Leben aushauchend, fast bis zu den Dünen, immer noch furchteinflössend. Der Blick aufs Meer, er zeigt es dann. Jede Brandung spült hunderte heran. Der Slalom erstreckt sich über mehr als einen Kilometer. Es reicht jetzt. Endlich die ersten Häuser. Ca'n Picafort, ich freue mich auf die Cerveza, oder auch zwei. 3 Stunden später, im Bus nach Palma, erschöpft, es ist dunkel.
Heute morgen, der Alltag. Ich lese Deutschland. Staat erzieht Kinder besser als die Eltern, heisst es, mehr Staat muss her. Das sagt nicht irgendeiner, nein, es ist Ulrich Wickert, der dies sagt. Fassungslos. Wieso macht er das, wieso sagt er das.
Ein Mann, aus gutem Elternhaus. Der Vater, tätig fürs Auswärtige Amt, Sachbuch-Autor, Wissenschaftler. Der Sohn, gutsituiert mit der Geburt, Zeit seines Lebens, er kennt es nicht. Das Leben. Das Leben der Menschen. Schweigen ist Gold, denke ich mir, manchmal zumindest.
Nicht mehr Staat muss her, sondern weniger. Viel weniger. Gebt den Eltern Luft zum atmen, lasst sie die Kinder erziehen, endlich. So wie früher, schnürt sie nicht ein, mit immer mehr Staat. Dann funktionierts auch wieder. Ich bin wieder einmal froh, dass ich hier bin und nicht in Deutschland.
Herzliche Grüße von (m)einer Zufluchtsinsel, der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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