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Das Synonym

Marlon über schwierigen Zeiten auf MallorcaDie Insel Mallorca versinkt im Wasser. So könnten die Schlagzeilen der Herbstwochen anno 2007 lauten.

Ein kluger Mann, ein alter Mann, er sagte am gestrigen Abend in einer Gesprächsrunde in Palma gar, der Himmel weint.

Und er würde seine Tränen nicht nur über die Balearen, über Mallorca vergiessen, nein, auch und in erster Linie über Brüssel, über das gesamte EU-Europa.

Angesichts der weiter stark anwachsenden wirtschaftlichen Probleme, ein Kolumnist auf Mallorca pickt sich da jetzt einmal nur die beiden Länder Spanien und Deutschland heraus, scheint es fast so, als ob nun eine gehörige Portion Lack ab wäre.

Die ansonsten so minutiös geplante Öffentlichkeitsarbeit der EU-Erweiterungs- und Globalisierungstategen aus den europäischen Hauptstädten, sie kommt mehr und mehr ins Stocken. Die Schönfärberei der vergangenen Jahre kann die tatsächlichen Auswirkungen ihrer Politik kaum noch kaschieren.

Offensiv und aggressiv hat man vor allem in Berlin, aber auch Paris und London, Rom und Madrid, die gesetzlichen Grundlagen für eine hemmungslose Globalisierungspolitik geschaffen. Eine Politik, die Stück für Stück den einst hart erarbeiteten Wohlstand opferte, Deutschland gehört da wohl zu den grössten Verlieren.

Eine Politik, die noch von einem Bundeskanzer Helmut Kohl angeschoben wurde. Aber was juckt das diesen Mann heute schon. Alle Politikvertreter sind bestens versorgt, ganz im Gegenteil zu den Menschen in ihrem Land.

Mein Streifzug über die Insel am letzten Wochenende hat es einmal mehr bewiesen. Die Anzahl der Immobilien-Verkaufsschilder steigt und steigt. Viele Familien wissen kaum noch ein und aus, und sie verstehen vor allem nicht, wieso die wirtschaftliche Entwicklung nun so völlig anders verläuft als dies die politisch Verantwortlichen in den letzten Jahren regelmässig versprachen.

Noch grösser sollte der Wohlstand werden, vor allem diejenigen sollten davon profitieren, die sonst immer zu kurz kommen. Genau das Gegenteil ist jetzt eingetreten, weshalb sich viele Menschen in Europa hinters Licht geführt sehen. Ihr reales Einkommen ist drastisch gesunken, viel mehr noch als der Gesetzgeber mit seinen zumeist realitätsfremden Statistiken vermitteln will.

Und dann diese Preissteigerungen. Preiserhöhungen, wo man hinschaut, in einem Ausmass, welches nicht nur bei dem sogenannten kleinen Mann helle Aufregung verursacht. Der Gipfel des Ganzen, die so arg Gebeutelten erleben geradezu hautnah mit, wie diejenigen, die sie gewählt haben, einen Bock nach dem anderen schiessen.

Das traurigste Beispiel ist die Metro in Palma, das ehemalige Prestigeobjekt von Jaume Matas und seiner Partei PP. Der Vorgang kann bereits heute als einer der grössten Skandale aller Zeiten auf Mallorca bezeichnet werden, und wieso hier noch längst keine Handschellen in Aktion zu sehen sind, das versteht auch keiner.

Während ich diese Zeilen abtippe, dürfte der U-Bahn-Tunnel und seine Stationen einen nie gekannten Wasserstand aufweisen. Nicht wenige sehen daher auch die Metro als das Synonym schlechthin für die Qualität der Politik unserer Zeit. Das halte ich zwar für etwas übertrieben, aber, es hat was.

Mein erster Gruss geht heute an diejenigen in der Politik, die von dem mit der Globalisierung einhergehenden ausufernden Lobbyismus glänzend profitieren. Ob hier oder woanders, vor allem auch in Deutschland. Mittels bestens dotierten Beraterverträgen, Sitzen in Aufsichtsräten und manch anderen Unternehmensgremien.

Wie genau definiert ihr das Wort Gewissen, frage ich mich immer wieder. Gem. Art. 38 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sind Abgeordnete Vertreter des ganzen Volkes. Sie sind an Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen. Dennoch beziehen sehr viele Geld aus Lobbyismustätigkeiten.

Paradebeispiel Friedrich Merz, ein anderes der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily. Dieser bezieht neben einer Reihe anderer Zusatzeinkünfte noch Bezüge von Firmen, die sich mit der Entwicklung biometrischer Reisepässe beschäftigen.

An einer dieser Firmen ist Otto Schily sogar noch beteiligt. Ich halte das, wie auch viele andere Nebentätigkeiten der deutschen Bundestagsabgeordneten für einen Skandal. Oder, ist man da etwa nur ein Schelm, der sich Böses dabei denkt.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel, auf der Spaniens Oppositionsführer Mariano Rajoydie von der PP soeben verkündete, dass er im Falle eines Wahlsieges ein wesentliches Element der Demokratie abschaffen will.

Das hat er zwar wörtlich so nicht gesagt, aber faktisch wäre das so. Damit eine Koalition, wie sie derzeit hier in Palma regiert, nicht mehr möglich ist, will er ein entsprechendes Gesetz mit auf den Weg bringen. So er die nächsten Parlamentswahlen gewinnt.

Gott behüte, fällt mir da nur ein, und, was hat dieser Mann nur in der Politik eines demokratischen Staates zu suchen. Ich kann mir nicht helfen verehrte Leser, aber irgendwie passt das doch alles bestens zusammen. Finden Sie nicht auch?

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon
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