Wes Brot ich ess'
Das ist die Form von Journalismus, die im Zeitalter des Internet immer mehr Einzug erhalten hat, leider auch hier auf unserer Insel Mallorca. Sie wird von Insidern wie auch vielen anderen Beobachtern scharf kritisiert, ist aber leider aus unserem Zeitgeschehen nicht mehr weg zu denken.
Die schlimme, geradezu dramatische Immobilienkrise auf Mallorca, um die geht es heute, und um die Berichterstattung hierüber. Diese Immobilienkrise wird uns als Kolumnistenthema noch sehr lange beschäftigen, fürchte ich.
Zu viele Existenzen stehen mit der Immobilienkrise auf dem Spiel, und, da meine ich nicht nur die zahlreichen Makler, Bauträger, das Bauhaupt- und Baunebengewerbe und noch manch andere, deren Wohl und Wehe in diesem Themenfeld zuhause ist.
Ich rede von den zehntausenden Familien, die Ihre Eigentumswohnung überteuert gekauft haben und die nun vor den Scherben ihres, oft sogar noch jungen Lebens stehen. Sie haben dem System blind vertraut, und da vor allem denjenigen, die an diesem besonderen spanischen System so glänzend verdient haben. Sie haben auch einer Politik vertraut, aber, dies ist ein ganz anderes Thema.
Ein Kolumnist auf Mallorca will sich heute einmal alleine mit der Berichterstattung über diese Immobilienkrise beschäftigen, er möchte seinen Leser einen Blick hinter die wohlfeilen, man könnte fast sagen marmorisierten, Kulissen des Immobiliengewerbes auf Mallorca gewähren.
Die Immobilienkrise auf Mallorca ist ein Fakt, genauso wie in Spanien und auch anderswo, aber, hier auf der Insel sind Ausmass und die Folgen viel, viel grösser. Die Preise sind nicht einfach nur im Sinken, nein, sie befinden sich im Sturzflug, und da dies so ist, wird in der Aussendarstellung alles Mögliche unternommen dagegen zu rudern.
Was liegt es da näher als dies über eine der bekannten Inselpostillen zu tun. Da wird dann in einem jüngsten Bericht von irren Preissteigerungen gesprochen, unkommentiert übernimmt man da die Aussagen derjenigen, die sich seit Jahren an den weit überzogenen Preisen eine goldene Nase verdient haben, und, die nun ihre Felle davon schwimmen sehen.
Der Immobilienmarkt auf Mallorca liegt am Boden, und zwar gründlich, wer sich etwas anderes weismachen lässt ist selbst dran Schuld. Wes Brot ich ess', des Lied ich sing, jedem von uns ist diese alte Binsenweisheit bekannt, weshalb bei allen Insel-Interessierten bei jedweden rosarot getünchten Berichten über Mallorca-Immobilien sofort die Alarmglocken im Geiste läuten sollten.
Wenn es hier auf Mallorca derzeit Preiserhöhungen bei Immobilien gibt, dann hat dies nur zwei einleuchtende Gründe. Erstens, die sogenannten institutionellen Anleger erhöhen angesichts steigender Hypothekenzinsen die Mieten. Wer kann sich dies erlauben, richtig, Banken, Hedge Fonds, Versicherungen, grosse Anleger eben.
Hier geht es alleine nur um die Zahlen, wer die Mieten dann nicht mehr aufbringen kann, und da gibt es durchaus jede Menge, der wird gnadenlos rasiert. Wie viele Existenzen seit Wochen und Monaten in den Ruin getrieben wurden, das erfährt man leider nicht, schlechte Nachrichten verkaufen sich nunmal nicht gut.
Oder haben Sie, verehrte Leser, Informationen darüber, wie viele Tausende Deutsche Jahr für Jahr hier auf Mallorca scheitern, abgebrannt, finanziell völlig am Ende, physich und psychisch noch dazu. Darüber werden Ihnen auch die Immobilienmakler vor Ort nichts erzählen, schon gar nicht unsere Landsleute.
Im Gegenteil, dort zahlen Sie dann noch eine gehörige Schippe mehr dafür, dass Sie aufgrund der Sprachbarrieren keinen mallorquinischen Immobilienmakler aufsuchen. Bei den Letztgenannten zahlen Sie meist nur die Hälfte der Kaution, die Mietobjekte sind ebenfalls in der Regel günstiger.
Der zweite Grund für mögliche Mietsteigerungen betrifft nur ganz wenige Objekte in besonders nachgefragten Lagen, die besondere Zielgruppen ansprechen. Aber, selbst hier bezweifle ich das stark. In mehr als zwei Jahrzehnten Mallorca kennt man seine Insel, und vor allem auch den Immobilienmarkt.
Der Bauboom war nicht zu übersehen, und trieb noch dazu manch seltsame Blüte. Das Letztere gilt ebenfalls für die Immobilienbranche auf Mallorca, Holzauge sei wachsam, sage ich nur dazu. Eine wirklich neutrale, sachliche Berichterstattung über das, was sich hier auf Mallorca abspielt, die gibt es nunmal kaum.
Deshalb kann ich nur an alle Mallorca-Interessierte appellieren, habt eure Emotionen im Griff, wenn es ums Auswandern geht. Besonders diejenigen unter Ihnen spreche ich an, die nicht über ein bis zwei Jahresgehälter Rücklagen verfügen. Noch besser ist, man hat zusätzlich zu diesen Rücklagen noch eine Tür zurück nach Deutschland offen.
Wer mit ungenügenden Rücklagen, oder gar fast abgebrannt, das Heil in der Fremde sucht, der konkurriert hier auf Mallorca mit Zehntausenden Einwanderern aus Zentral- und vor allem Nordafrika, insbesondere Marroko, aus Osteuropa, da vor allem aus Rumänien, sowie aus Lateinamerika.
Was dies bedeutet, kann nur derjenige beurteilen, der die Verhältnisse hier auf der Insel kennt. Die wichtigste Erkenntnis aus alledem, der Druck auf dem Arbeitsmarkt ist unglaublich hoch, die Löhne in den meisten Bereichen extrem tief, selbst für diejenigen, die die Sprache beherrschen.
Die Arbeitslosigkeit steigt und steigt, wer ohne einen sattelfesten Arbeitsvertrag nach Mallorca kommt, könnte ebenso noch vor der Abreise Harakiri begehen. Wer den Job hat, oder seinen eigenen von hier aus ausüben kann, der sollte sich bei der Suche nach einer Langzeit-Mietwohnung auf die einheimischen Makler konzentrieren.
Noch besser, man fährt mit seinem Mietwagen die Insel ab. Überall findet man Schilder, auch von Privatvermietern. Noch dazu gibt es jede Menge Privatanzeigen in den einheimischen Tages- und Wochenzeitungen.
Die nötige Hilfe für ein Telefonat, oder zur Vereinbarung eines Besichtigungstermins, zu bekommen ist nicht schwer. Das kostet vielleicht einhundert Euro, im Gegenzug spart man dann schnell einmal viele Tausende, wenn nicht gar Zehntausende.
Mein erster Gruss geht heute an an alle die, die hier auf Mallorca eine Wohnung mieten oder eine Immobilie kaufen wollen. Zu Allererst gilt, Ruhe bewahren, Emotionen unterdrücken, vor allem die, die mittels blumiger Werbesprüche und schönen Sonne-, Strand- und Meer-Bildern auf den Webseiten des Immobiliengewerbes geschürt werden. Wer dies vermag, und noch dazu das oben Niedergeschriebene beherzigt, der kann dann kaum noch Schiffbruch erleiden.
Mein Gruss nach Deutschland geht heute einmal an Harald Schmidt und Oliver Pocher, beide haben soeben mit ihrer neuen ARD-Show Premiere gefeiert. Harald und Oli, nehmts mir nicht übel, aber an euch beiden kann man den traurigen Zustand Deutschlands anno 2007 ablesen.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel. Einer Insel mit herrlichem Sonnenschein am bevorstehenden Wochenende, wenn man den Meteorologen Glauben schenken kann. Was wir schon aus einem Eigeninteresse heraus selbstverständlich tun.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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