Schlag ins Wasser

Marlon über Korruptionsermittlungen im   Zusammenhang mit Jaume Matas auf MallorcaEs geschehen doch noch Zeichen und Wunder, hier auf unserer schönen Insel Mallorca. Die Mühlen der spanischen, bei uns speziell natürlich der mallorquinischen Bürokratie, sie mahlen bekanntermassen sehr, sehr langsam. Zumindest dann, wenn kein politisches oder sonstwie einflussreiches lobbyistisches Interesse dahinter steckt.


Der Kolumnist von Mallorca vergleicht die hiesige Bürokratie gerne mit dem stetig fliessenden Wasser, welches bekanntermassen auch noch den härtesten Stein klein bekommt. Und genau so wird es wohl bald auch einen Zeitgenossen treffen, der auf den Balearen noch bis vor etwa einem Jahr noch alle Zepter in der Hand hielt, und der sich, direkt nach seiner von ihm am allerwenigsten erwarteten Wahlniederlage, schleunigst aus dem Staub machte.


Das letztere war zumindest immer mein Eindruck. Ein frappierender noch dazu. Als neutraler Beobachter aller politischen, wirtschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Ereignisse auf Mallorca hatte mich dies seinerzeit auch nicht gross verwundert.


Ich hoffte, genauso wie andere, bis heute auf eine Art Selbstreinigungsprozess, denn jede Seilschaft auf Gottes Erde hat nicht nur Freunde, und schon gar nicht wenn diese Seilschaft in besonderer Weise um das eigene Wohl und Wehe besorgt ist.


Jaume Matas, so lautet der Name dieses Mannes, dessen damaliger politischer wie gesellschaftlicher Absturz Aussenstehende ganz sicher überrascht haben dürfte. Der ehemalige Balearenpräsident war nicht gerade bekannt für seine falsche Bescheidenheit. Ganz im Gegenteil.


Wir erinnern uns, drehen das Rad der Geschichte Mallorcas nur ein klein wenig zurück. Jaume Matas fand sich und seine Politik scheinbar zu wenig gewürdigt, weswegen er sich ein aussergewöhnliches Denkmal errichten lassen wollte. Eine Oper direkt am Hafen von Palma de Mallorca, nicht nur dem Äusseren nach gemäss dem Vorbild der australischen Sydney-Oper.


Bereits von weitem sollte sie jeder sehen können, und ohne das Parlament oder Volk zu fragen übergab er seinem Architektenkumpel sogleich den einige Millionen teuren Planungauftrag. Ein hausgemachte Schweinerei, Schiebung, Bananenrepublik, könnten Sie jetzt laut rufen, verehrte Leserinnen und Leser, und der Mallorca-Kolumnist bliebe dabei stumm.


Aber, es gab doch noch ein Zeichen des Herrn da oben, gerade noch rechtzeitig. Jaume Matas verlor die Wahl, seine Oper blubberte sozusagen in der Hafeneinfahrt von Palma ab, bildhaft beschrieben zumindest.


Und da unten auf dem Boden des Mittelmeeres, direkt vor unser aller Augen, da liegt sie nun am Meeresgrund. Die mallorquinische Sydney-Oper, so nenne nicht nur ich sie jedesmal, wenn ich einem Besucher der Hauptstadt der Balearen einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten zeige. Da darf diese Wasseroper nicht fehlen.


Und wenn ich dann die Entstehungsgeschichte dieser mallorquinischen Wasseroper erzähle, bei einem Glas Rotwein oder auch zwei, und meine Zuhörer dann gemeinsam mit mir, von meiner Terrasse in Portixol aus Richtung Hafeneinfahrt gen Palma blicken. Dann glaubte der eine oder andere die Umrisse diese Oper unter dem Wasserspiegel bereits von weitem erkannt zu haben.


Probieren Sie es doch einmal selbst, sollten Sie eines Tages am Hafen von Palma stehen. Oder besser, richten Sie Ihren Blick von oben, zum Beispiel von der Kathedrale La Seu Richtung Hafen, und schauen Sie dann ganz genau hin. In den Abendstunden, bei klarem Sternenhimmel, die Flasche Rotwein in der Linken, da sieht man sie am besten.


Mein erster Gruß am heutigen Tage, nicht ganz ohne eine kleine Genugtuung zu verspüren, angesichts der Tatsache, dass sich nun auch der Staatsanwalt mit diesem Mann beschäftigt, wenn auch in anderer Sache. Dieser Gruß geht an Jaume Matas. Diesem Schöpfer eines genauso überflüssigen wie grössenwahnsinnigen Bauwerkes könnte nun bald ein sehr altes Sprichwort zum Verhängnis werden. Eine überlieferte Weisheit, die da sagt, Hochmut kommt immer vor dem Fall.


Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an die Bürger der ostdeutschen Kleinstadt Schwerin. Ihr habt soeben euren Bürgermeister zum Teufel gejagt, demokratisch per Bürgerentscheid natürlich. Chapeau! Gratulation für soviel Engagement in der richtigen Sache.


Schade, dass dies nicht auch auf Bundesebene möglich ist, denn das, was sich ein Innenminister Schäuble mit Wissen und Wollen einer Bundeskanzerlin Merkel permanent erlauben darf, dies schreit nach Ansicht vieler dringend nach mehr direktem Einfluss der Menschen in Deutschland auf die Politik ihres Landes. Nach mehr und vor allem echter Demokratie eben, vielleicht gemäss Schweizer Vorbild.


Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca zum Jahrestag der Jaume Matas Gedächtnisoper. Schauen Sie sich diese Wasseroper ruhig einmal an, verehrte Leserinnen und Leser. Und gehen Sie am besten dabei so vor wie oben beschrieben. Und wenn Sie diese Oper nicht gleich auf Anhieb erkennen sollten, dann trinken Sie erstmal ein Gläschen Wein. Oder auch zwei. Sie werden sehen, irgendwann klappt das dann schon.


Herzliche Grüße von der Insel Mallorca


Ihr Marlon

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