Integration

Marlon über die Integration von Auswanderern in Deutschland und auf     MallorcaDeutsche Auswanderer auf der Insel Mallorca in Feinripp-Unterhemden und kurzen Hosen in den Fussgängerzonen in Palma, Inca, Alcudia oder auch in anderen Inselorten.

Oder auch in Badekleidung, frei nach dem Motto, nun habe ich schon so viel Haut, dann zeige ich sie auch freimütig her. Wäre dieses Szenario vorstellbar, verehrte Leserinnen und Leser, oder trifft dies eher nur auf den Mallorca-Urlauber aus dem Alemannenland zu?

Denken wir überhaupt an die Kleiderordnung, wenn wir uns hier auf der Insel bewegen, oder sind uns die Lebensgewohnheiten, Bräuche, Sitten und Traditionen in Spanien, Katalonien und auf Mallorca völlig egal?

Ich denke, Sie werden dem Kolumnisten auf einer wunderbaren Baleareninsel zustimmen, wenn dieser sagt, dass es für den deutschen Urlaubsgast vielleicht eher nur eine Frage des guten Benehmens und seines Respektes ist, den er den mallorquinischen Gastgebern mit seinem Auftreten auf Mallorca erweist, oder halt auch nicht.

Es ist so etwas wie eine persönliche Visitenkarte, und wenn diese zum Ausdruck bringt, dass sich der Urlaubsgast eher wenig schert über die Fragen der guten Sitten und Bräuche auf seiner Ferieninsel, dann rümpft der Einheimische heutzutage nur noch selten die Nase.

Schliesslich ist ihm bewusst, irgendwann geht jede Urlaubssaison dem Ende entgegen, und, es ist schliesslich auch das Tourismus-Business, welches kräftig Geld in die Kassen spült. Geld, von dem der Einheimische letztendlich auch lebt. Er ist darauf angewiesen.

Jedoch, wie sieht es mit denen aus, die nach Spanien auswandern. Welche Messlatte legt man den Deutschen an, die Mallorca zu ihrer neuen Heimat auserkoren haben? Was erwartet der Mallorquiner von uns, was wäre der Idealfall, was wäre vielleicht gerade noch zu tolerieren, und was würde heute wie auch zukünftig für harsche Kritik und Ablehnung sorgen?

Ich möchte es nicht an der Kleiderordnung festmachen, jedoch kann man es an ihr in so herrlicher Weise bildhaft darstellen. Wäre es denn vorstellbar, dass 50.000 oder mehr Deutsche in Feinripp und kurzen Hosen durch die Altsstädte der Insel ziehen, dass sie in diesem Outfit Einkaufsläden und Restaurants, ja sogar Kirchen betreten?

Wäre es vorstellbar, dass 50.000 oder mehr Deutsche auf Mallorca dauerhaft leben, sich an den natürlichen Ressourcen der Insel laben, das Leben geniessen, sich eine kräftige Scheibe eines fremden Gemeinwohls abschneiden, sich aber standhaft weigern die Sprachen Castellano und Mallorquin zu lernen?

Und, um dem ganzen die Krone aufzusetzen, würden sich 50.000 Deutsche bereits vom Grundsatz her vehement dagegen weigeren, die Lebensgewohnheiten der mallorquinischen Gastgeber anzunehmen, sich in die Lebensabläufe der Insel zu integrieren?

Oder ist es eher der Ausdruck der Bequemlichkeit, vielleicht sogar Faulheit, wenn wir Deutschen nach fünf, zehn oder gar zwanzig Jahren Aufenthalt in Spanien, auf Mallorca, immer noch nicht in der Lage sind uns in den Sprachen der iberischen Völker zu verständigen?

Ich persönlich denke das Letztere ist der Fall, und in den vielen Jahren, die ich nun auf Mallorca lebe, habe ich nur selten, und wenn dann eigentlich nur am Stammtisch zu vorgerückter Stunde, den Alemannen getroffen, der sich dazu auserkoren sah die deutsche Lebensart unbedingt und mit aller Kraft nach Mallorca zu transferieren, und der sich deshalb standhaft weigerte sich auch nur ein kleines bischen in die Inselgemeinschaft zu integrieren.

Szenenwechsel. Der Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan unlängst in Köln, er wirft einen dunklen Schatten auf die Politik der Europäische Union und damit vor allem auch auf die Europa- und Aussenpolitik der Deutschen Bundesregierung.

In skandalöser Weise ruft Erdogan vor 16.000 Türken dazu auf, sich keinesfalls an deutsche Sitten und Bräuche anzupassen. Und er tut dies in einer Art und Inszenierung, die an Instinktlosigkeit und an Respektlosigkeit dem deutschen Gastgeberland gegenüber kaum noch zu überbieten ist.

Was würden meine mallorquinischen und spanischen Freunde sagen, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel hierher käme und einen derartigen Auftritt inszenieren würde. Wäre da nicht schnell der Vergleich zur unrühmlichen deutschen Vergangenheit gezogen?

Erdogans islamistisch-nationalistischer Auftritt in Köln, dazu ein türkischer Fernsehsender, der bei einer bewusst verzerrenden Wiedergabe der Geschehnisse um den Häuserbrand in Ludwigshafen reihenweise Deutschlandfahnen einblendet, die mit nationalsozialistischen Symbolen bedruckt sind. Fürwahr, dies ist auch eine Bankrotterklärung der deutschen Politik und der europäischen Politik der letzten zehn Jahre.

Und genau diese Politik grüße ich an dieser Stelle wieder einmal. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob man das provokante Auftreten von Erdogan einfach so ignorieren sollte. Ich halte dies jedoch für den falschen Weg, vor allem weil dieser Auftritt kein Zufall war. Er war minutiös geplant.

Integration kann nicht nur vom Gastland kommen, dazu muss in erster Linie die volle Bereitschaft der Einwanderer vorhanden sein, sich an die Lebensgewohnheiten eines Gastgeberlandes anzupassen.

Man muss bereit sein die Sprache zu lernen, sich in der Öffentlichkeit so zu bewegen, wie es die Gastgeber tun. Ob hier auf Mallorca, bei Ihnen in Deutschland, oder auch anderswo. Man stelle sich nur vor wir Deutschen würden in umgekehrter Weise in der Türkei auftreten.

Mein Gruß nach Deutschland, er gilt allen EU-Erweiterern. Das Europa 2008, es ist das Europa eines Gerhard Schröder, eines Joschka Fischer, eines Guido Westerwelle und einer Bundeskanzlerin Merkel.

Und diejenigen aus den Reihen der CSU in Bayern, die sich nun über Erdogan echauffieren, sie müssen sich ebenfalls vorhalten lassen, dass sie genau für diese riesige EU, für die globale Welt von heute gestimmt haben.

Eine EU, die dazu führt, dass das Leben in Deutschland immer schlechter wird, dass alte Traditionen und Werte von der Bildfläche verschwinden, und dass elementare Interessen der Menschen in Deutschland auf dem Altar wirtschaftlicher oder auch ideologischer Interessen einiger weniger geopfert werden.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca, die darauf angewiesen ist, dass sich alle Zuwanderer aktiv und eigenhändig um die eigene Integration bemühen. Und um dies zu erkennen, muss man beileibe kein politischer Extremist sein. Es ist dies einfach nur eine Frage des Anstandes, des Respektes und der Wertschätzung seinem Gastgeber gegenüber.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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