In Mark und Bein

Marlon auf Mallorca über die Unwetter im Herbst auf den BalearenDie vergangene Nacht auf Mallorca, sie wird nicht wenigen noch für eine längere Zeit in Erinnerung bleiben.

Das Gewitter war kurz, aber heftig, und es kam unerwartet. Lange nach Mitternacht, um drei Uhr wird dies gewesen sein, da dürften Zehntausende auf der Insel mit einem Schlag wie eine Kerze im Bett gestanden haben.

Einigen E-Mails an die Mallorca Redaktion zufolge kam das Unwetter wie aus dem Nichts, in der Inselmitte, am Rand der Berge des Tramuntana, da sollen angeblich sogar einige Menschen in Windeseile die Koffer gepackt und darauf gesessen haben, und damit bereit zu einer Flucht nach einem eventuellen Blitzeinschlag gewesen sein.

Eine halbe Stunde, glühend gelbe Blitze, sie liessen die Nacht zum Tage werden, schlugen ein in unmittelbarer Nähe zu den Wohnhäusern der Menschen. Schlimmeres wurde bis dato zum Glück noch nicht bekannt.

Krachende Donner, in einer Lautstärke, die vielen die Angst in Mark und Bein getrieben hat, so furchteinflössend muss dies gewesen sein. Ein Mallorca Kolumnist gesteht, dass er nach einigen Gläschen köstlichen roten Binissalemer Weines so fest geschlummert hat, dass er davon überhaupt nichts mitbekam. Extreme Schläge, die befürchten lassen, dass da doch noch etwas nachkommt, wollen wir nicht hoffen, dass etwa Inselbewohner zu Schaden gekommen sind.

Auf den Balearen, hier auf Mallorca, da gibt es sie, diese gewaltigen Gewitterfronten, die aus dem Nichts auftauchen, und dann genauso schnell wieder verschwinden. Die Fluten, die an manchen Stellen auf Mallorca vom Himmel regneten, auch sie sollen gewaltig gewesen sein.

Die Meteorologen avisierten für den morgigen Freitag sechzig Liter pro Quadratmeter Regen, Wasssermassen, die alles überfluten werden. Für unsere Breiten nichts Ungewöhnliches, es geschieht hier mehrmals im Jahr.

Die vergangene Nacht soll jedoch mehr als nur ein Vorgeschmack gewesen sein. Mit einer Brachialgewalt stürzte das Nass vom Himmel, als hätte jemand da oben die Schleusentore eines riesigen Stausees geöffnet, und gleichzeitig den Stöpsel mit einem Durchmesser von einigen Kilometern gezogen. Wieviel Regen genau herunter kam, die Meteorologen werden es uns in Kürze berichten.

Das Gute an den Regenfällen, die es dieses Jahr gegeben, und die noch kommen, unsere Insel Mallorca wird erst einmal, bis auf Weiteres, von Wasserknappheits-Problemen verschont bleiben. Die Wasserstände in den beiden Stauseen, hoch oben im Tramuntanagebirge, sie werden schon jetzt recht hoch sein, der Grundwasserspiegel dürfte sich damit bald endgültig ausreichend erholt haben.

Gute Meldungen also für Mallorca, bleibt zu hoffen, dass die Unwetter der kommenden Tage, Windhosen soll es sogar geben, dass diese Unwetter gnädig mit dem Leben auf der Insel umgehen wird, sowie das Hab und Gut der Menschen dann möglichst auch noch verschont.

Mit einigen Stossgebeten gen Himmel, an ihn da oben, verabschiede ich mich heute. Und ich könnte mir vorstellen, angesichts der ungeheuerlichen Naturgewalten, es werden sich bei dem Einen und bei dem Anderen etwas mehr Demut in den Gedanken der kommenden Tage wiederfinden.

Meine nächsten Grüße nach Deutschland, sie betreffen die rechtsradikale Szene in diesem Land. Ihr wollt angeblich Eva Herman vereinnahmen, eine Unverschämtheit ist das in meinen Augen. Von euch braunen Elementen hat sie sich ausdrücklich distanziert, und angesichts der jüngsten Ereignisse und Berichterstattung stelle ich mir die Frage, wer euch zu wessen Vorteil denn überhaupt finanziert.

Es ist und bleibt ein unerträglicher Zustand, dass man über die schlimmste deutsche Geschichte, auch mehr als sechzig Jahre nach dem Krieg, einfach nicht differenziert reden kann, ohne gleich auf eine Stufe mit diesem Rechtsradikalen gestellt zu werden. Wer hat an diesem Zustand Interesse, dies und nichts Anderes scheint mir hier die entscheidende Frage zu sein.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel, die auch die kommenden Unwetter überstehen wird.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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