Gedanken eines Kolumnisten

Marlon über die gesellschaftspolitische Entwicklung in Europa und auf     MallorcaVertreter der Politik können recht dünnhäutig sein, wenn es um die vorhandene oder gar fehlende Wertschätzung ihrer eigenen Leistungen geht. Dies geht durch alle Parteien, die Eitelkeiten sind jedoch eher menschlicher Natur, insofern betrifft sie denn auch uns alle.

Das Vorteilhafte ist, die meisten von uns stehen gar nicht erst im Rampenlicht, noch dazu sind sie niemandem Rechenschaft schuldig.

Falls Sie, verehrte Leser, zu denjenigen gehören, die nur ihrer inneren Stimme Rechenschaft ablegen müssen, Sie sollten sich dieses seltene Glück nicht nur bewahren, Sie sollten es überaus und umfassend geniessen.

Ein Kolumnist auf Mallorca ist da nicht ganz so frei, denn, er sollte sich Gedanken über möglichst Vieles und, vor allem, Elementares machen, bevor er dann schlussendlich etwas zu Papier bringt. Ein langer, nie endenwollender Prozess der Wissens- und Meinungsbildung sollte generell den Alltag eines journalistisch Tätigen prägen. So er denn sogar zu den Kolumnenschreibern zählt, eher sogar noch viel mehr.

Die persönliche Meinung ist es, die eine Kolumne von einer sonst zwingend notwendigen sachlichen Berichterstattung unterscheidet. Diese fliesst ausdrücklich mit ein, etwas Überlegung und vor allem Sensibilität, vielleicht sogar etwas Strategie, kann deshalb bei dem Verfassen einer Kolumne von erheblichem Vorteil sein.

Für mich persönlich stellt sich Vieles noch facettenreicher dar, und nur wenige meiner Gründe, wieso ich dies Eine so, aber das Andere so formuliere, werden jemals die Runde machen.

Nachdem ich vor wenigen Tagen aus den Reihen Betroffener etwas Unmut zu hören bekam, ob meiner offenen Wortwahl, da möchte ich zumindest einmal einen Teil meiner Überlegungen erläutern. Wieso kann der Marlon einerseits blumig-schwärmerisch und positiv prosaieren, andererseits aber auch so unheimlich gnadenlos draufhauen. Dies ist leichter erklärt als gedacht, Lösungen können zuweilen frapppierend einfach sein.

Wir leben einerseits in einem medialen Zeitalter, die Informationsflut ist enorm. Fast jeder auf unserem Erdball ist mit der Erfindung des Internet dazu in der Lage an vielfältige Informationen zu gelangen, und, noch mehr, er kann sogar andere mit eigenen Formulierungen oder Darbietungen erreichen.

Viele Menschen können sich plötzlich Gehör verschaffen, bis vor wenigen Jahren war dies noch ein Ding der Unmöglichkeit. Staatlich reglementiert war jedes grosse Medium, trotz aller demokratischen Beschwörungen ist es in unseren Breiten für einen Normalsterblichen verwehrt, einen eigenen Hörfunk oder gar einen Fernsehkanal ins Leben zu rufen.

Lizenzen braucht es hierfür, erschwinglich alleine nur für die mit dem ganz grossen Geld, zusätzliche Reglementierungen erschweren das Ganze dann noch einmal. Die zunehemde Verquickung von Politik mit den Massenmedien unserer Zeit, diese wiederum sind in grosser Abhängigkeit von ihren Finanziers, von Wirtschaftsunternehmen.

Multinationale Konzerne, Hedge Fonds, Lobbyismus wo man auch hinschaut, die ganz grosse Knete bestimmte mehr und mehr die Politik. Wir Menschen wenden uns ab, machtlos, dann auch illusionslos. Wahlbeteiligungen von 30 Prozent und weniger, Zustände des grossen Vorbildes aus Übersee zementieren sich zunehmends auch hier in Europa.

Diejenigen, die mit dem ganz grossen Geld hantieren, es nicht selten als eine Waffe einsetzen, deren Wirkung schlimmer sein kann als jede Terroristenbombe, sie sind mit diesem Zustand durchaus zufrieden. Sie agieren im Hintergrund, ziehen die Fäden, spinnen sich ihr globales Netz.

Sie denken sich nicht nur, sie wissen es vielmehr auch, je weniger Wähler an der gesellschaftlich-politischen Entwicklung Einfluss nehmen, desto weniger stellt sich ihren Zielen in den Weg. Der unermessliche Reichtum einiger weniger, einhergehend mit der Ausbeutung elementarer Ressourcen auf unserem Erdball, eben zugunsten dieser Wenigen, dies ist die Ursache für milliardenfaches Leid.

Dann war das Web da, und damit plötzlich auch ein Stück weit mehr Demokratie, fast schon Züge der Anarchie waren da zu befürchten, jedoch, vieles im Web reguliert sich von selbst.

Nun kommen die Mächtigen, die Netzbetreiber, die alten Massenmedien auf den Plan. Hand in Hand mit der einflussreichen Politik nimmt man mehr und mehr Einfluss. Lobbyismus ohnegleichen, wohin man auch schaut.

Ein Stichwort, Netzneutralität, welche Datenströme präferiere ich als Derjenige, der diese kontrolliert. Dies sind die Kabelnetzbetreiber, grosse, mächtige Konzerne ziehen da jetzt schon die Strippen im Hintergrund, Telekom ist in Europa einer davon.

Und dann ist da die eingangs erwähnte Politik. Diese nimmt seit Jahrzehnten über ihr nahestehende Massenmedien erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung in einem Land, auch und gerade in einem demokratischen, wie zum Beispiel Deutschland.

Nur zwei von zahllosen Beispielen seien hier erwähnt, die der CDU sehr nahestehende konservative FAZ auf der einen Seite, die mächtige WAZ-Gruppe auf der anderen Seite, an der die Sozialdemokraten sogar erhebliche Anteile halten.

Die Pressefreiheit, eines der höchsten Güter einer der grossartigsten Verfassungen der Menschheitsgeschichte, gemeint ist das Deutsche Grundgesetz, diese Pressefreiheit wurde in der alltäglichen Praxis zunehmends ausgehöhlt.

In ganz subtiler Weise, wie so vieles in unserer Welt. Alles legal, im Rahmen der bestehenden Gesetze. Die Folge hieraus, wenn ich mir das Deutschland der letzten vierzig Jahre anschaue, nie waren die gesellschaftlichen Zustände ungerechter, ungleicher als heute.

Und, da dies so ist, halte ich es für elementar wichtig, dass es in unseren Reihen auch Zeitgenossen gibt, die da versuchen etwas dagegen zu steuern. Sie werden leider immer weniger.

So wie ein Kolumnist auf Mallorca dies tut. Engagiert, mit vielleicht zu grossem Herz und Gerechtigkeitssinn, der letztere noch aus der Jugendzeit bewahrt. Wer jetzt glaubt hier schreibt ein Idealist, weit gefehlt. Meine Wirkung dürfte gegen Null gehen, in Illusionen gebe ich mich nicht hin.

Wenn es mir jedoch gelingt meine Leser hier und da zum Innehalten, zum Grübeln und vielleicht auch einmal zum Hinterfragen zu bringen, dann, ja dann habe ich im Rahmen meiner bescheidenen und unbedeutenden Möglichkeiten schon, zumindest fast, alles erreicht.

Meine ersten Grüße gehen heute an alle die, die in der Politik jegliches Mass verloren haben. Denen die Geschichte unseres Landes, Deutschland, ein Land, das auch ich immer noch liebe, denen dies mittlerweile völlig abhanden gekommen ist.

Wie ihr euch auch mit Namen nennt, quer durch alle Parteien. Opportunismus und Ignoranz, feister Egoismus und Scheinheiligkeit, denkt daran, auch ihr könntet einmal Opfer dieser, unsere Zeitgeschichte beherrschenden, Untugenden sein. Ein wenig Innehalten täte gut, ein Nachdenken über Moral und Ethik, und auch über einen zunehmends fehlenden Mut.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel der in diesen Wochen leider ebenfalls ignoranten Politik.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,

Ihr Marlon
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