KLaus Zumwinkel

Marlon über die Jagd auf Steuersünder in Deutschland und auf MallorcaDie Jagd nach dem bösen Steuersünder, sie ist mittlerweile in aller Munde, und sie wird bei uns auf der Insel Mallorca genauso heiss diskutiert wie drüben, bei Ihnen, verehrte Leser und Leserinnen, in Deutschland.


Ein Kolumnist auf Mallorca grübelt nun schon seit Tagen über Sinn und Unsinn der jüngsten Steuersünderhatz. Was wird da für ein Spiel getrieben, fragen sich nun bestimmt auch andere, die Einbeziehung geheimdienstlicher Kreise lässt dabei die ganze Angelegenheit nicht unbedingt vertrauensvoll und vor allem nachvollziehbar erscheinen.


Um den Mallorca Kolumnisten nicht misszuverstehen, mir ist es eher gleichgültig ob nun ein 200 Millionenmann 20 oder auch 50 Millionen Steuern nachzahlen muss, und schlimmstenfalls, wenn überhaupt, auch noch mit einer Bewährungs-Haftstrafe sanktioniert wird.


Dies ist eine andere Liga, da spielen wir alle nicht mit. Zudem lehne ich jegliche Form des Neides ab. Wer clever genug ist sich auf ehrliche Art und Weise ein kleines oder grösseres Vermögen zu verdienen, der soll dies meinetwegen tun.


Alles andere ist Sache der Politik. Liechtenstein zählt zur EU und daher darf man getrost davon ausgehen, dass die Steuerfluchtkonzepte in Brüssel wie auch Berlin Politik sind. Und ob nun irgendwelche Steuersparmodelle legal sind oder auch nicht, dies ist selbst dem Steuerexperten nicht immer geläufig.


Der ganze Vorgang wirft jede Menge Fragen auf. Fragen, die zunächst einmal beantwortet werden müssten, bevor sich ein Beobachter überhaupt eine erste Meinung bilden kann. Vielleicht erleichtert es mir die neutrale Ferne meiner Insel Mallorca, die Szenerie etwas weniger emotional zu betrachten und deshalb auch zu hinterfragen.


Da stellt sich zunächst einmal die Frage, wenn schon eine Liste mit Liechtensteiner Geldanlagen tausender Steuersünder über dunkle Kanäle angekauft wurde, wieso wird da zunächst erst einmal ein Postchef in multimedialer Weise vorgeführt. Mehr noch, Klaus Zumdickel wurde ja regelrecht abgeschlachtet.


Wieso erhalten Tausende anderer zunächst einmal eine öffentliche Ankündigung? Ist dies alles alleine nur eine Fahnungsmethode, die zwar etwas skurill anmutet, jedoch genauso wenig neu ist wie die Tatsache, dass Steuerhinterziehung in allen Kulturen und Epochen schon immer so etwas wie ein Volkssport gewesen ist?


Wenn man einige mehr oder weniger prominente Schwergewichte warnen wollte, um ihnen noch schnell die Gelegenheit zu geben Beweise beiseite zu schaffen, so ist dies sicherlich recht überzeugend gelungen.


Oder wollte man mit diesem beispiellosen Trommelwirbel via Massenmedien nur das eigene Unvermögen kaschieren und dabei hoffen, dass es nun zu einer grossen Zahl von Selbstanzeigen kommt?


Die jüngsten Veröffentlichungen lassen fast darauf schliessen, denn eine Selbstanzeige dürfte wahrscheinlich nur den allerwenigsten helfen, wenn man den Aussagen einiger Steuerexperten Glauben schenken darf.


Ist dies alles ein neuerliches Element einer genialen politischer PR-Strategie, die den vielen Millionen EU-Erweiterungs- und Globalisierungsverlierern in Deutschland beweisen soll, dass man angeblich doch auf deren Seite steht?


Ist es ein Ablenkungsmanöver, wenn ja von was will man die öffentliche Meinung ablenken? Ihr Kolumnist auf Mallorca kann da, genauso wie Sie, nur Vermutungen anstellen, und daher ist auch er zunächst einmal gespannt, wie es in den nächsten Wochen weitergehen wird.


Mein erster Gruss, er geht an diejenigen, denen mit dieser Aktion anscheinend vermittelt werden soll, dass die Politik in Berlin auf der Seite des kleines Manne steht. Pustekuchen. Der kleine Mann, er sollte nun gut achtgeben, etwas zwischen den Zeilen lesen und zuschauen, was die nächsten Wochen ergeben werden.


Denn, sollte es ernsthaft eine rechts- und beweissichere Liste von Steuersündern geben, dann hätte die offen auf den Tisch gelegt werden müssen, oder man hätte alle zur gleichen Zeit hops nehmen müssen.


Nicht nur Postchef Klaus Zumwinkel, dessen Hausdurchsuchung wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung sogar noch live im deutschen Fernsehen übertragen wurde. Allein diese Tatsache stimmt schon sehr nachdenklich, und es wirkt auf mich nicht seriös.


Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an diejenigen in der Politik Berlins, die mit daran beteiligt sind die Integrität der Fürstenfamilie in Liechtenstein zu beschädigen. Eines habt ihr sicherlich erreicht. Dorthin wird, zumindest in naher Zukunft, eher weniger Geld fliessen.


Aber, eine weitere Frage, sie lautet, wie sieht es eigentlich mit der Verwertbarkeit von Beweisen aus, die man auf illegale Weise erworben hat? Hat sich schon jemand diese wichtige Frage gestellt?


Tausende Razzien mit Ansage, wer soll das glauben, oder den Sinn dieses seltsamen Vorgangs nachvollziehen können. Und daher würde es mich nicht wundern, wenn es irgendwann einmal lautet, als Tiger abgesprungen, aber letztendlich einmal mehr doch nur als Bettvorleger gelandet.


Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca, auf der natürlich alle Bürgerinnen und Bürger pünktlich ihre Steuern zahlen.


Herzliche Grüße von der Insel Mallorca


Ihr Marlon

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