Von kleinen und grossen Bomben
Ein richtig schönes Feuerwerk konnte man die letzte Nacht erleben. Einmal mehr muss man sagen, denn davon gibt es reichlich hier auf Mallorca. Wunderschön anzusehen, obwohl ein nahezu voller Mond ein klein wenig der bunten Pracht zu rauben schien. Die Frage nach den Kosten stelle ich da lieber einmal nicht, zu leicht könnte man sonst schnell einmal über Sinn und Unsinn dieser oft in alten Traditionen begründeten Spektakel diskutieren.
Ein Kolumnist sagt dazu dann regelmässig, lasst doch den Menschen noch wenisgtens diesen kleinen Spass. Die grosse Freude am Leben, sie reduziert sich doch immer mehr.
Den Spass, den hatten sie, fürwahr. Laut war es auch wieder, unglaublich laut. Mit jeder Rakete mindestens ein Kanonenböller, oft sogar mehrere. Allerdings nicht die Dinger, die Sie heute drüben in Deutschland, oder auch in Österreich und der Schweiz gewohnt sind.
Wenn es hier knallt, dann aber heftig. Nicht wenige verziehen sich dann in ihre Häuser und gehen dann erst einmal in Deckung. Vor allem bei dem einen oder anderen der älteren Menschen könnten da unter Umständen leidvolle Kriegserinnerungen hochkommen. Was am gestrigen Abend hoffentlich ausgeblieben ist.
In jedem Fall dürften sich die Haustiere in ganz Inca in die hintersten Winkel ihrer Stuben verzogen haben, denn selbst in ein oder zwei Kilometer Entfernung schepperte es noch ganz gewaltig. Wie gesagt, man kennt das in den deutschsprachigen Ländern in der lautstarken Weise schon lange nicht mehr.
In den siebziger Jahren begann der Gesetzgeber in Deutschland damit, das Feuerwerk immer weiter zu reglementieren. Konnte man da vorher noch als Jugendlicher fast das ganze Jahr wie ein Wilder herumballern, noch dazu mit Kanonenböllern in allen Grössen, war es dann damit recht schnell Essig, wie man dies jetzt einmal umgangssprachlich ausdrücken könnte.
Da konnte man dann den missliebigen, weil kinderhassenden Nachbarn im Hochsommer keinen der damals noch mächtigeren Böller in den Briefkasten werfen, und sich dann darüber freuen, wenn so richtig schön die Fetzen flogen. Wehe, man liesse sich dabei erwischen, denn dann setzte es Haue.
Und wenn man Pech hatte mit dem Stock oder einem Teppichklopfer. Und dann war wieder Ruhe, die Kinder und Jugendlichen haben daraus gelernt. Ohne Polizei, die dagegen heutzutage fast schon bei jedem Kinderstreich gerufen wird. Nicht hier zum Glück, aber bei euch da drüben ist dies so.
Die Schelle, die uns damals in unserer Entwicklung noch eher genutzt als geschadet hat, diese ist ja bereits seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr erlaubt. Aber das ist ein anderes Thema, genauso wie die Tatsache, dass gestern eine ganze Reihe Fiesta-Teilnehmer gefehlt haben.
Darüber wird noch geredet werden müssen, denn es kann nicht sein, dass zehntausende Haushalte im Südwesten fast den gesamten Tag ohne Strom, Telefon und Wasser bleiben müssen. Noch dazu im Hochsommer bei Aussentemperaturen von vierzig Grad und mehr.
Der Schaden dürfte beträchtlich sein, und die ersten Erklärungen der Gesa hierfür scheinen zumindest nicht so ganz schlüssig zu sein. Diese Akte wird auch nicht so einfach und schnell wieder geschlossen werden, da gibt es noch jede Menge Reibereien.
Was solls, viele derer, die aus dieser Ecke kommend mit mir in Inca verabredet waren, sie blieben halt diesmal gezwungenermassen zuhause. Schadenserkennung und Behebung war am gestrigen Abend erst einmal angesagt. Bin mal gespannt wie gross der volkswirtschaftliche Schaden dann ist, falls man dies überhaupt einmal erfahren wird.
Mein erster Gruss gilt heute den Stromausfallgeschädigten. Jetzt bleibt einmal abzuwarten, wie das alles versicherungsrechtlich ausschaut, obwohl ich einmal mehr fürchte, dass es am Ende bei euch ganz besonders lange Nasen geben wird.
Mein Gruss von Mallorca hinüber nach Deutschland ist wieder einmal mit einem heftigen Kopfschütteln begleitet. Was macht denn eure Politik da drüben für eine schaurige Figur. Zuerst sollte die deutsche Geisel in Afghanistan offiziell einen natürlichen Herztod gestorben sein, obwohl sie augenscheinlich schwer misshandelt wurde.
Und nun spricht man von dem Glauben an einer "nicht gezielten Tötung". Derartige Wortschöpfungen, die noch dazu dem armen Tropf und seiner Familie nichts mehr helfen, diese können anscheinend aus dem Munde eines Politikers kommen.
Dem auf Veranlassung der deutschen Politik in Afghanistan tätigen Ingenieur haben sie beide Knie kaputt geschossen, und dann in den Rücken. Was sollen dann diese Aussagen. Wenn Sie mich fragen, ich halte das Verhalten der deutschen Politik für ganz besonders menschenverachtend.
Wie kann man es zulassen, dass Deutschland auf Drängen einer völlig unglaubwürdigen und unmoralisch handelnden Bush-Administration in höchst fragwürdige Kriege heineingezogen wird. Kriege, die erkennbar auf Lügen, Desinformation und Manipulation der öffentlichen Meinung aufgebaut sind.
Und dass dann fast schon zwangsläufig deutsche Bürger zur Zielscheibe derer werden könnten, die vor dem Hintergrund der Ermordung von Frauen, Kinder und Babys durch Natobomben verständlicherweise Rachegedanken bekommen? Wie würden denn wir alle reagieren, wenn da so plötzlich eine Befreiungsbombe mitten in unserem Haus einschlagen würde? Gar nicht, denn wir wären dann auch tot.
Ich halte die amerikanische Politik für pervers, schmutzig hoch drei. Jetzt will man kleinere Bomben nehmen, genau dies soll nun sage und schreibe die neue Nato-Strategie werden. Damit die Verluste in der afghanischen Zivilbevölkerung nicht mehr so gross sein werden.
Genau so vermeldet man dies öffentlich. Was leben wir nur in einer schmutzigen Welt. Bundeskanzlerin Angela Merkel lauscht in diesen Tagen den Klängen von Richard Wagner in Bayreuth. Afghanistan ist ja so weit, daher scheint hier auch niemand zu grösseren Protesten bereit.
Viele Grüsse auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Einer Insel, von der ich hoffe, dass sie nicht auch einmal das Ziel derartiger Befreiungs- und Selbstverteidigungsaktionen der Amerikaner und Nato wird.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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