Schockierend

Marlon über die schockierenden Auswirkungen der Europapolitik in     Deutschland auf MallorcaBeim Anblick der Menschenkette vor dem Nokiawerk in Bochum, da hatte ein Kolumnist auf Mallorca einmal mehr sein Déjà-vu-Erlebnis.

Fast ungläubig beobachte ich, mit dem neutralen Blick der Ferne, hier von Palma de Mallorca aus, wie mehr als 6000 Menschen gemeinsam ein einziges Pferd von hinten aufzäumen.

Wieso demonstriert man dort gegen ein Unternehmen, welches ausdrücklich den gesetzlichen Rahmen nutzt, den ihm die Politik in Berlin vorgegeben hat.

Wieso wendet sich der Unmut nicht gegen die deutsche Politik, die seit Jahren genau auf dieses Szenario hingearbeitet hat. Gemeinsam mit den Vertretern aller EU-Bündnispartner, mit dabei auch die Politik in Spanien, aus der Hauptsstadt Madrid. Eure Politik alleine ist der Schuldige, nicht das Unternehmen, das nichts anderes tut als das, was die Allermeisten in der gleichen Situation tun würden.

Die Politik sorgt mit ihren EU-Erweiterungsbeschlüssen ausdrücklich und willentlich dafür, dass Nokia in Rumänien deutsche Steuergelder über den Umweg Brüssel erhält. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich unlängst hier in Palma de Mallorca vom spanischen Ministerpräsidenten einen Orden für ihre Europapolitik anheften lassen.

Das hat doch was, finden Sie nicht auch, verehrte Leserinnen und Leser? Allerdings kann auch ich darüber nicht lachen, auch wenn dieser Sachverhalt einer gewissen Komik nicht entbehrt. Ich war jedoch noch nie Anhänger des englischen Humors, denn genau der wäre dafür notwendig.

Die schon fast schockierenden Auswirkungen dieser unsinnigen EU-Osterweiterung, man sieht sie Tag für Tag auch bei uns auf Mallorca. Und es wird immer dramatischer.

So bevölkern zum Beispiel immer mehr rumänische Betrügerbanden die Insel. Am Wochenende konnte ich auf einem Marktplatz eines Inselmitte-Ortes junge rumänische Frauen beobachten, wie sie angeblich Geld für behinderte Kinder sammeln wollten.

Ihr Outfit war so gut es ging an das einer Mallorquinerin angepasst, sie trugen eine vorbereitete Unterschriftenliste mit sich, auf der ihr Ansinnen in spanischer Sprache formuliert war. Dort waren bereits einige Unterschriften voreingetragen, mit Beträgen von zehn, zwanzig oder gar dreissig Euro.

Stumm wie ein Fisch, ohne ein Wort zu sprechen, schritten sie auf die Menschen zu, teilweise klopften sie energisch mit dem Kugelschreiber auf ihr Schriftstück, welches an ein Brett geheftet war. Wer ihr Ansinnen abwies wurde mit einem bösen Blick bedacht.

Zunächst konnte man vielleicht noch denken sie seien vielleicht stumm, jedoch, wenn sie mit ihren Gesinnungsgenossen zusammen waren, dann konnte man sie aus einiger Entfernung plaudern sehen.

Das grosse, grenzenlose Europa, nur die wenigsten hier im Westen wollten es, aber jetzt ist es da. Auch und leider Gottes auch hier bei uns auf Mallorca.

Und meine ersten Grüße am heutigen Tag, sie gelten den Protestierenden in Bochum und anderswo. Sucht euch als Ziel eures Protestes besser das Übel direkt an der Wurzel aus, und protestiert nicht gegen diejenigen, die genauso handeln, wie ihr alle dies in der gleichen Situation tun würdet.

Wer die Zusammenhänge auch jetzt und heute noch nicht erkennt, sorry, aber der lebt nunmal auf dem Mond. Und genau dort wäre das Leben äusserst schwierig, äusserst kärglich. So wie dies euer eigener Lebensstandard zunehmends sein wird.

Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an das breite Parteienspektrum, welches für diesen ganzen Schlamassel verantwortlich zeichnet. Verlasst doch nur ein einziges Mal eure gut gepolsterten Lobbyistensessel und mischt euch ernsthaft unters Volk. Ohne Politik- und Marketingstrategen im Schlepptau, einfach nur als Mensch.

Und dann, dann schaut euch ganz ehrlich und ungeschminkt an, was ihr da angerichtet habt. Euer Wort von der Aufnahmefähigkeit der EU, ich kann es nicht mehr hören. Denn es geht doch lange nicht mehr darum wie gut ihr alle im Werfen von Nebelbomben seid.

Bei euch da drüben geht es zunächst einmal alleine nur um eure Bürgerinnen und Bürger, um die Menschen in Deutschland. Und diese Menschen leiden immer mehr, genauso wie wir hier in Spanien. Selbst hier, auf einer schönen Baleareninsel, weithin bekannt als Mallorca, auch hier ist das Leben, dank euch, schon lange nicht mehr so schön.

Wie immer auch meine Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel, die ebenfalls ein Opfer der EU-Osterweiterung ist.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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