Ein krankes Hirn

Marlon über den Verstoss gegen die ärztliche Schweigepflicht auf     MallorcaDie Insel Mallorca hat seinen Sexskandal. Na, wenn das nichts ist, weshalb es auch verwunderlich ist, dass sich noch nicht die Kollegen aus dem Hause der Yellow Press darauf gestürzt haben.

Meine Leser wissen, welches Blatt ich meine, die mit den vier grossen, roten Buchstaben natürlich. Wenn es etwas Schlüpriges gibt, da sind sie normalerweise gleich zur Stelle, wollen wir doch mal sehen, was nicht ist, das kann ja noch werden.

Eine deftige Schweinerei, eine andere Bezeichnung wäre eher noch schlimmer, ist das, was sich ein im Ruhestand befindlicher Arzt hier auf Mallorca geleistet hat. Fünfundachzig Jahre alt, ein greiser Mann also, Landarzt in der Gemeinde Sant Joan ist er über den langen Zeitraum von fünfzig Jahren gewesen.

Und nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit plaudert Arnau Company, so lautet sein Name, aus dem Nähkästchen, völlig unbekümmert darüber, dass er damit gegen einen elementaren Berufsethos seiner Zunft verstösst.

Ein ganzes Dorf hat über weit mehr als eine Generation diesem Arzt, ihrem Arzt, vertraut, haben ihm geheimste Gedanken und Gefühle mitgeteilt, und müssen nun mit ansehen, wie sie von diesem Mann ungeniert in die Pfanne gehauen werden.

Dieser Arzt stellt mit seinen Erzählungen über Intimes seine Patientinnen bloss, beschädigt das Schamgefühl vieler Menschen, auch wenn er sie nicht direkt beim Namen nennt. In dem Buch sind zwar alle Namen erfunden, dennoch erkennen sich viele darin wieder, oder werden von anderen wieder erkannt.

Er selbst behauptet, alle Ereignisse in dem Buch beruhe auf Fakten. Das Buch mit dem eher merkwürdig anmutenden Titel, Gesundheit und Sexualität in den letzten 50 Jahren des 20. Jahrhunderts, er scheint es auch mit der Absicht verfasst und veröffentlicht zu haben, die Menschen, die ihm so lange vertraut haben zu verletzen, sie zu demütigen.

Wie anders wäre es sonst zu verstehen, dass er nach der berechtigten Empörung sogleich ein zweites Buch veröffentlichen will. In seinem ersten verunglimpft er seine Patientinnen, in dem folgenden soll es dann gegen Homosexuelle gehen.

Ein Kolumnist auf Mallorca fragt sich, welch Geistes Kind dieser greise Mann sein muss. Einst, vor vielen Jahrzehnten war dies gewesen, verpflichtete er sich dem körperlichen und seelischen Wohl seiner Patienten, unterwarf sich seinem Berufsethos, wie der ärztlichen Schweigepflicht.

Ich werde hier jetzt nicht aus dem Buch zitieren, zu geschmacklos und widerwärtig sind für mich einige seiner Fantasien, die er selbst wahre Begebenheiten nennt. Und genau deshalb sollte man sich die Frage stellen, ob denn da nicht Manches einem kranken Geiste entsprungen ist.

Ob sich hier nicht ein pervertiert denkender alter Mann, ein Mann, der vielleicht Zeit seines Lebens doch nicht so konnte, wie er wollte, auch wenn er genau das Gegenteil schildert, ob hier nicht ein krankes Hirn die Feder geführt hat, die dann dieses Buch, nein, besser, dieses Pamphlet geschrieben hat.

Meine ersten Grüße gehen an die balearische Ärztekammer, die ein Ermittlungsverfahren gegen dieses Schmierfink eingeleitet hat. Dort wird nun geprüft, ob der Mediziner gegen sein Schweigepflicht verstossen hat. Eine lange Prüfung könnt ihr euch ersparen, seine Approbation dürfte ihm ziemlich egal sein.

Angebrachter wäre es diesen Herrn in die Psychiatrie einzuweisen, und per Gerichtsbeschluss die Weiterverbreitung des Pamphlets zu verhindern. Denn, wenn das Schule macht, dann sehe ich schwarz für das zukünftige Vertrauensverhältnis zwischen einem Arzt und seinen Patienten.

Meine nächsten Grüße nach Deutschland gehen an am heutigen Tag wieder einmal an den Verteidigungsminister Jung. Schon wieder drei Schwerverletzte Deutsche in Afghanistan, von euch dahin gesandt, aus fragwürdigen Motiven, wie nicht nur ich meine. Was muss noch geschehen, damit ihr endlich Probleme damit habt euch selbst in einem Spiegel zu sehen.

Diese Afghanistan-Mission ist überflüssig wie ein Kropf, viele Millionen Menschen denken da so wie ein Kolumnist es tut. Geht endlich selbst dort hinüber, fechtet das doch meinetwegen selbst aus. Aber das macht ihr natürlich nicht, ihr nehmt dafür lieber andere in die Pflicht.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel mit zahlreichen Menschen in Sant Joan, die wehrlos den Besudeleien ihres ehemaligen Arztes ausgesetzt sind.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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