Ein Mallorca Kolumnist packt aus
Die Tätigkeit eines Kolumnisten auf Mallorca, dies soll am heutigen Sonntag einmal Gesprächsthema sein. Bereits seit längerem hatte ich dies vor, alleine es fehlte dazu die Gelegenheit. Die letzten Tage im August des laufenden Jahres sind eingeläutet, und irgendwie hat mich keines der aktuellen Ereignisse so richtig spannend gepackt.
Neben einer Familientragödie am gestrigen Tag, von der unsere Mallorca Redaktion selbst nicht einmal in ihren News berichtet, mit Rücksicht auf die betroffene Familie und weil das ganze so unsagbar traurig ist, sind wieder einmal nur üblichen, langweiligen und ärgerlichen Dinge wie verstärkte Verkehrkontrollen oder eine abermalige, wenig Sinn bringende, Mallorca Umrundung an der Tagesordnung.
Da möchte man doch am liebsten den virtuellen Bleistift einfach einmal liegen lassen. Aber, nun gut, dann bietet sich das eingangs erwähnte Thema doch jetzt einmal so schön wunderbar an.
Jedem in unserer Zunft sind die journalistischen Grundregeln ein Begriff, die Presseräte der meisten Länder hier in Europa haben Leitsätze für die zu beachtende, oder vielleicht noch besser formuliert, für eine anzustrebende Berufsethik formuliert. Die kleine rethorische Einschränkung soll den hohen Anspruch verdeutlichen, den es zu erlangen gilt, jedoch, es gelingt nicht immer, fehlbar ist nur der da oben, wir hier unten sind es nicht.
Neben der Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschenwürde soll natürlich die gründliche und faire Recherche oberstes Prinzip sein, die Achtung von Privatleben und Intimsphäre sollte man eigentlich für selbsverständlich erachten, neben einigem Andern.
Dass sich Boulevard-Medien mit dem Letzteren etwas schwer tun, ist uns allen nur zu bekannt, darüber reden wir heute deshalb auch nicht, aber, wie sieht es denn dann eigentlich mit den journalistischen Werken eines Kolumnisten aus.
Vor dem Hintergrund zahlreicher Leserbriefe, naturgemäss ein erklecklicher Teil davon an den Kolumnenschreiber in einer Redaktion gerichtet, erscheinen mir einige offene Worte heute angebracht zu sein. Die journalistische Tätigkeit eines Kolumnisten unterscheidet sich nämlich enorm von der seiner allermeisten Berufskollegen, und, zudem ist er von den Recherchen eben dieser in hohem Masse abhängig.
Zwar sollte der Kommentierende neben hohem Sachverstand, einer überdurchschnittlichen Intelligenz, und der ganz besonders wichtigen guten Allgemeinbildung, möglichst auch selbst noch genügend recherchieren. Dies gelingt jedoch in vielen Fällen ausschliesslich nur von seinem Schreibtisch-Schemel aus.
Der elementarste Unterschied zwischen dem Kolumnenschreiber und seinen Kollegen jedoch ist, diese sollten absolute Neutralität bewahren, er selbst aber lässt persönliche Wertungen ausdrücklich in seine Artikel mit einfliessen.
Die persönliche Meinung, sogfältig abgewägt sollte sie sein, und je grösser unter Anderem Lebenserfahrung, Intelligenz, Sachkenntnis und Allgemeinbildung sind, desto wertvoller dürften die Texte eines Kolumnisten ausfallen.
Zu alledem können noch Prädikate wie Kreativität, literarische Fähigkeiten oder Humor sowie auch Elemente, die auf der Gefühlsebene anzusiedeln sind, dazu kommen. Hier rede ich von Sensibilität, man könnte auch sagen Feinfühligkeit, die Gabe zur Empfindung von Sentimentalität, Schwärmerei und Liebe, das Fühlen mit Körper, Geist und Seele, möglichst grenzenlos sollte dies sein.
Bereits an diesen wenigen Erklärungen können Sie erkennen, dass in meinem Berufsstand, genauso wie anderswo, ganz zwangsläufig ein erhebliches Leistungsgefälle existieren muss. Vielleicht ist dies sogar noch viel grösser, zusätzlich auch schon alleine deshalb, weil Kolummen nicht selten von prominenten Namen verfasst werden. Und nicht jeder begnadete Fussballer ist ein ebensolcher Kolumnenschreiber.
Mich persönlich fasziniert am Verfassen meiner Kolumnen die denkbare Vielfalt bei der Wahl meiner Themen und der Art der Formulierung, das Wortspiel ist es, welches mich schon einmal packen kann.
Die literarische Vielfalt, niemand setzt Grenzen, dazu die Möglichkeit Klartext zu reden, wenn es darauf ankommt, vielleicht auch wenn es dem Kolumnisten danach ist, oder wenn er es als unabdingbar oder sich selbst sogar in einer gesellschaftliche Verantwortung sieht.
Wie gerne würde ich es möglichst allen meinen Lesern recht machen, doch, gelingen kann dies nicht. Dennoch, fast alle Reaktionen, entweder in Form von Leserbriefen, aber auch mittels persönlicher Ansprache hier auf der Insel Mallorca, sie fallen nahezu ausschliesslich positiv aus. Fast unheimlich ist es mir gelegentlich dabei, Verlegenheit sieht man mir vielleicht hier und da auch mal an.
Aber es gibt auch Kritik, damit muss ich leben, diese soll möglichst die eigenen Bemühungen zur Reflektion, zur kritischen Selbstbetrachtung, verstärken. Hat man etwas übersehen, bist Du im Recht gewesen oder gar nicht.
Schade ist es allerdings, wenn Kritik völlig anonym erfolgt, denn dann wandert diese normalweise unbeachtet und umgehend in den Papierkorb. Es sei denn, es geht um ganz sensible Sachverhalte und Themen, bei denen die Anonymität des Absenders verständlich erscheint.
So ist dies vor kurzem auch gewesen, als nach einem von mir bereits vor längerer Zeit veröffentlichten Kommentar über die über viele Jahre erreichte gesellschaftliche Akzeptanz einer gesellschaftlichen Minderheit, ein Leser oder eine Leserin ihr Missfallen mir gegenüber äusserte.
Schriftlich per E-Mail und anonym, wie erwähnt. Der oder diejenige war augenscheinlich selbst betroffen, warf mir mangelnde Toleranz vor und spickte einen Fünf- oder Sechszeiler mit polemischen Angriffen gegen mich. Ohne direkte Beleidigungen zwar, aber doch recht polemisch.
Nicht nur weil die Vorwürfe selbst unberechtigt waren und ich dies in über zwanzig Berufsjahren noch nie erlebt hatte, dies war in Form und Inhalt allerunterste Schublade. Wer betroffen ist, der muss ganz besonders kritikfähig sein, und wenn er sachliche Einwände hat, dann muss er ebenso argumentieren.
Das kann dann ruhig knallhart geschehen, jedoch nur in der Sache. Wer dies nicht kann, der hinterlässt immer einen schlechten Eindruck, getroffene Hunde bellen. Und, er beraubt einen Kolumnisten um die Chance der Diskussion, denn, wenn eines damals wie heute klar und sicher ist, das Streitgespräch, die verbale, sachliche, Konfrontation, die liebte ein Marlon immer schon.
Mein erster Gruß geht heute mit grösster Freude an alle meine Leser, wie bisher freue ich mich auch zukünftig über Lob, die Anerkennung, aber auch über Kritik. Alles zusammen kann nur dazu führen, dass mein Horizont hoffentlich immer grösser und grösser wird. Und da ich genau dies von mir erwarte, bedanke ich mich bei Ihnen für all das, was war, und auch das, was da in Zukunft alles noch kommen wird.
Mein nächster Gruss geht wie immer hinüber nach Deutschland. Dort hat sich der Zentralrat der Juden einmal mehr zu Wort gemeldet. Er beabsichtigt eine Strafanzeige gegen das Internetpoprtal Youtube wegen angeblich rassistische und kriegsverherrlichende Videos. Und will die Deutsche Bunderegierung dabei vor seinen Karren spannen.
Zensur im Web, welch schwieriges Thema. Ich bin fast immer dagegen, die Netzneutralität ist sowieso schon in Gefahr, und restlos zu konrtrolllieren ist das Web auch nicht. In jedem Fall dürfte der Zentralrat der Juden mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit dafür gesorgt haben, dass die betreffenden Videos nun Millionenfach angeschaut werden. Manchmal frage ich mich, für was wir Menschen eigentlich den Verstand haben.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel im unverwechselbaren Urlaub himmelblau.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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