Pulverfass

Marlon über grossen Verluste der Hoteliers und Frienwohnungsvermieter auf MallorcaDie Insel Mallorca am Rande einer Katastrophe? Nein, es sieht bereits viel, viel schlimmer aus. Wenn von offizieller Seite ein Minus von 15 % bei den Urlaubsbuchungen verkündet wird, dann dürfte man getrost davon ausgehen können, dass diese Zahlen auch diesmal wieder geschönt sind, und damit eben nicht die vollständige, nackte Wahrheit über den Saisonverlauf auf Mallorca wiederspiegeln.

Der Kolumnist der einstmals so begehrten Baleareninsel spricht seit Jahren mit vielen Gewerbetreibenden in nahezu allen Inselorten. Schon gewohnheitsmässig, bei seinen vielen Wanderungen und vor allem seinen noch zahlreicheren Motorradtouren.

Der Plausch mit dem Hotelier, dem Ferienhausvermieter oder auch dem Privatvermieter ist genauso eine willkommene Zerstreuung wie der Small Talk mit Restaurantbesitzern und Händlern, bei den letzteren gleich welcher Branche auch immer.

Man lernt sich kennen, oft über viele Jahre hinweg. Manche kennt man bereits zehn, zwanzig Jahren und noch länger. Man sieht den Erfolg genauso wie den Misserfolg vieler Existenzen, erlebt so manches Schicksal, leidet mit, fiebert mit, fühlt mit die Freude, wie auch den Schmerz.

Der letztere, der Schmerz, er überstrahlt längst schon alles andere, bei vielen hier auf Mallorca. Man fühlt sich machtlos, übervorteilt, ausgeliefert, einer Politik, die macht was sie will, wie sie es will, und die alleine nur darauf bedacht ist den äusseren Schein zu bewahren. Der Mallorquiner fühlt sich fremdgesteuert, irgendwo sitzen die dunklen Mächte, wenn man sie doch nur irgendwie greifen oder zumindest begreifen könnte.

Ob in Palma, Barcelona, Madrid, Brüssel oder in den Schaltzentralen der mächtigen europäischen Hauptstädte Berlin, Paris, London oder Rom. Was kann man gegen eine Generation von Politikern tun, die völlig unbeindruckt zu sein scheint, von der sich seit Jahren abzeichnenden Katastrophe.

Wie hält man den Niedergang in Gesellschaft und Wirtschaft auf, wenn Politiker nahezu aller Parteien scheinbar nur noch auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, frei nach dem Motto, was juckt mich das, wenns schief geht, und man mich abwählt, dann bin ich doch eh' bestens versorgt.

Und da mein Kollege vom politischen Gegener ebenso motiviert ist wie ich, dann ändert sich ja sowieso nichts, und vielleicht sitze ich dann in vier, sechs oder acht Jahren wieder an den willkommenden Pfründen der Macht.

So wie Francecs Antich, der vor gut einem Jahr ein zweites Mal zum Balearenpräsident gewählt wurde, und der für viele hier auf Mallorca zum Hoffnungsträger wurde, obwohl er das Flaggschiff der spanischen Tourismusindustrie vor Jahren bereits einmal in Grund und Boden gerammt hatte.

Nur, gegen die Probleme unserer Insel heute waren die seinerzeitigen rückläufigen Buchungszahlen eher ein Sturm im Wasserglas. Nicht wenige Hotels auf Mallorca verzeichnen 2008 einen Rückgang der Urlaubsbuchungen von mehr als 50 %, gegenüber dem Vorjahr. Einige gar noch deutlich mehr.

Und das Allerschlimmste dabei ist die Tatsache, dass so langsam aber sicher auch noch das letzte Fünkchen Hoffnung schwindet. Man sieht nicht einmal mehr den vielzitierten Strohhalm, mit dem man auch nur irgendeine Hoffnung, gleich welcher Art auch immer, verbinden könnte.

Die Lage auf Mallorca ist genauso ernst, wie anderswo in Spanien, eher noch viel schlimmer. Der Tourismus ist die Lebensader der Balearen, ohne diesen Tourismus ist alles tot, weshalb man am Regierungssitz in Palma zunehmend Nervosität spüren kann.

Das Mitte-Links-Bündnis ist ratlos, die Opposition ist immer noch damit beschäftig die Wunden zu lecken, die der plötzliche Abgang ihres Führers Jaume Matas im vergangenen Jahr aufgerissen hatte. Was also tun?

Selbst ich, der ich seit Jahren die Ereignisse von heute in vielerlei Kommentaren prognostiziert hatte, selbst mir fällt es nun schwer Lösungsansätze zu sehen, die meiner geliebten Insel Mallorca kurzfristig Linderung versprechen würden.

Wie gesagt, die Menschen hier fühlen sich ausgeliefert, fremdbestimmt, von denen da oben in der Politik, die sie im Zuge der Globalisierung und EU-Erweiterung zum Spielball gieriger Kapitalinteressen machten.

Sie sehen, dass es ihnen schlecht geht, während eine kleine Minderheit in Saus und Braus leben kann. Oder zumindest ungeniert und sorgenfrei. Und zu dieser Minderheit zählen die Damen und Herren Politikvertreter. Gerade dies registriert man mit zunehmder Aufmerksamkeit.

Damit wird auch Mallorca, neben vielen anderen Regionen Europas, zu einem Pulverfass. Es brodelt ganz gewaltig unter der tourismusblau getünchten Oberfläche der Insel, und die Frage wird nicht sein, ob, sondern wann es zu einer gewaltigen Explosion kommt.

Mein erster Gruß am heutigen Tage gilt auch dieses Mal wieder den politisch Verantwortlichen in den einflussreichen europäischen EU-Haupstädten. Wehe, wenn ihr jetzt nicht schnell wieder das Ruder herumreisst. Eure EU-Erweiterungspolitik war falsch, so einfach ist das. Selbst ihr wisst dies heute längst, seid jedoch anscheinend zu vornehm eure Fehler einzugestehen.

Die Visionen von Kohl, Genscher, Brandt, sie waren falsch, weil nicht umsetzbar. Und es waren vor allem mächtige dunkle Kräfte, die nach dem Fall des eisernen Vorhangs diese Welt von heute genauso wollten, wie sich diese Welt nun aktuell präsentiert.

Ein Handvoll Superreiche, vielleicht sogar einhundert, die die Welt beherrschen. Und die von der weltweit steigenden Not immer mehr profitieren. Löhne in Westeuropa, die ins Bodenlose fallen, weil die Politik hier alle Barrieren und Grenzen, alle Reglementierungen, eingerissen hat. Ohne über die schwerwiegenden Folgen nachzudenken. Das ist das Schlimme dabei.

Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen auch da an die Politik, an alle Parteien. Was packt mich die Wut, wenn ich an die Selbstgefälligkeit der Grünen denke. Die Partei, die einst so viele Hoffnungen geweckt hatte.

Welchen Schaden an der Menschheit haben die Grünen zu verantworten, mit ihrem unheilvollen Einfluss auf die Politik in Deutschland, Europa und auch der Welt. Joschka Fischer, Claudia Roth, Reinhard Bütikofer, nur drei Namen, die mit ihrer idealistischen, planlosen und vor allem opportunistischen Politik massgeblich für elementare Fehlentwicklungen der letzten zehn, zwanzig Jahre mitverantworlich sind.

Auch dafür, dass heute immer mehr Menschen in der Welt verhungern. Eine Umweltpolitik, die sich auf unwahre Aussagen stützt, Stichwort CO2-Lüge, und in dessen Folge überall auf der Welt wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen mit Hilfe von Subventionen in Anbauflächen für Biotreibstoffe umgewandelt wurden.

Im Jahr 2008 müssen auch und gerade deshalb 850 Millionen Menschen an Hunger leiden. Welch ein Grauen, aber, man stellt sich auch hier dieser Verantwortung nicht. Die deutsche Sozialdemokratie steckt da genauso mit drin wie die anderen Parteien. Selbst heute wird gezaudert. Die grosse Koalition könnte das politische Ruder endlich herumreissen. Sie unterlässt dies jedoch.

Ehrlichkeit währt am Längsten. So haben wir alle es einmal gelernt. Nur in der Politik, und da besonders auf dem langen Marsch durch die Institutionen, da scheint man dies vergessen zu haben. Augenscheinlich ist man dort vielerorts nicht einmal mehr ehrlich zu sich selbst.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca, auf der jetzt alle Verantwortlichen in Palma den tatsächlichen Ursachen für den Niedergang des mallorquinischen Urlaubsparadieses auf den Grund gehen sollten.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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