Das Fest der Feste
Zwei Tage war er weg, der Kolumnist auf Mallorca, abgetaucht in die Freuden eines der schönsten Feste der Insel. Ohne Vorankündigung, aber seit langem geplant, das musste einfach sein. Und, es war beileibe nicht das erste Mal, dass mich die Feierlichkeiten rund um die Herbstmesse in Inca ihren Bann gezogen hatten.
Manch ein Tourist kennt ihn längst, den Dijous Bo in der Inselmittestadt, man nennt ihn auch den guten Donnerstag. Was viele jedoch nicht wissen, Mallorca feiert so richtig bereits am Tag davor. Man feiert hinein, und wie man dies tut.
Bereits am frühen Abend ging es los, und je fortgeschrittener die Stunde, desto mehr tanzte da der Bär. Wir Insulaner sind an jenem Fest ganz unter uns, Sie werden auf Mallorca Ähnliches nicht wiederfinden.
Die Ausgelassenheit mit der Zehntausende fröhlicher Menschen Inca für eine Nacht zum Mittelpunkt der Welt zu machen schienen, sie war einmal mehr auch für den Kolumnisten beeindruckend.
Auch der zu früher Abendstunde bereits einsetzende und langandauernde Regen tat dem Ganzen überhaupt keinen Abbruch, im Gegenteil, die Stimmung in den Strassen wurde immer besser. Selbst als das traditionelle und nicht nur für mich schönste Feuerwerk Mallorcas den vom Himmel strömenden Wassermassen zum Opfer fiel, tat dies dem Vergnügen der Feiernden keinen Abbruch.
An jenem Abend, in jener Nacht, da konnte der aufmerksame Beobachter den Mentalitätsunterschied leicht erkennen. Was den Mallorquiner vom Alemannen so wohltuend unterscheidet. Man nimmt das Leben hier auf Mallorca nicht so schwer, man nimmt es einfach wie es kommt.
Und wenn es einmal ganz Dicke kommt, dieses Mal kam es halt von oben, da lautet das stille Einverständnis aller, jetzt erst recht, warum auch nicht, und man feiert dann eher noch etwas länger.
Die pure Freude dauerte bis um drei Uhr am Morgen, die Gesänger einiger Kehlen schallten sogar noch bis zum Sonnenaufgang durch die Strassen von Inca. Die sonst wenig beachtete Stadt, in der allerdings soviel los ist, auch an vielen anderen Tagen im Jahr, sie kam an diesem Morgen des Dijous Bo kaum zur Ruhe.
Nur wenige Stunden später ging es weiter, nun strömten auch zahlreiche Touristen in die Stadt. Auch wenn diese, wie es hier auf Mallorca leider zu oft der Fall ist, das Beste verpasst hatten, werden sie nun, ob der kaum zu glaubenden Angebotsvielfalt, ob dem lang andauernden Rummel in der kleinen Stadt, ganz sicher mit bleibenden Erinnerungen ausgestattet sein.
Meine ersten Grüße gehen deshalb heute an die Organisatoren des schönsten Festes auf Mallorca. Sie gehen nach Inca an Hunderte von Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt, ohne deren Engagement dieses grosse Fest nicht zu stemmen ist. Gratulation und ein Dankeschön auch diesmal wieder für zwei wunderbare Tage. Und, ihr könnt sicher sein, wir alle kommen auch in den nächsten Jahren wieder.
Mein Gruss nach Deutschland, er gilt den Lokführern im Streik. Jungs, haltet durch, denn was ihr jetzt macht, hat diesem Land bereits zu lange gefehlt. Vielen Anderen geht es genauso wie euch, oder gar noch schlimmer.
Ihr arbeitet bis zu 55 Stunden pro Woche für 1800 Euro netto, mit allen Zuschlägen. Kaum Freizeit für so wenig Geld, in einem noch dazu verantwortungsvollen Beruf. Man schaue sich im Vergleich dazu nur einmal die immensen Summen, die ein Bahnchef namens Mehdorn Monat für Monat einstreicht.
Die Verhältnisse in Deutschland, in Europa wie auch anderswo, sie stimmen schon lange nicht mehr. Angesichts einer immer schamloser agierenden Politik, zum Nutzen weniger, auf Kosten der Mehrheit, wird es Zeit, dass die Menschen in Deutschland endlich wieder einmal auf die Strassen gehen.
Herzliche Grüße auch an alle anderen hier auf der Insel, in diesen Tagen eine Insel mit Schneefall, zumindest in den Höhen des Tramuntana.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca,
Ihr Marlon
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