Ich schäme mich

Marlon über eine Gesprächsrunde in Palma de Mallorca zum Thema     Wolfgang Thierse und Helmut KohlAn einem Freitag Abend, in der schönen Altstadt von Palma de Mallorca, die kleine Gesprächsrunde in diesem heimeligen Restaurant, zu fortschrittener Stunde gab es nur ein Thema.

Die jüngsten Ereignisse um Helmut Kohl, dem früheren langjährigen Bundeskanzler, und dem noch amtierenden Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse.

Multinational war die kleine Runde, Mallorca dominierte, jeweils ein Vertreter mehrerer anderer Nationen. Der Mallorca-Kolumnist hielt, zumindest streckenweise, die Alemannenfahne hoch, und als Alemanne schämte er sich an diesem Abend, für einen Landsmann, genauer, für den Bundestags-Vizepräsidenten Wolfgang Thierse.

Die Meinungen am Tisch, sie waren einhellig, alle Anwesenden bescheinigten Wolfgang Thierse einen höchst miesen Charakter. Verabscheuungswürdig, geradezu abstossend in jedem Fall, allemann waren der Meinung, dass die offizielle Stellungnahme von Bundeskanzerlin Merkel, zu den Vorgängen um Thierse, viel zu schonend ausgefallen sei.

Die deutsche Regierungschefin sprach von der Grenze zur Niedertracht, na ja, die Dame hat die, beileibe nicht immer angebrachte, Kunst der politischen Diplomatie gelernt. Die Grenze zur Niedertracht hat Wolfgang Thierse mit dieser schrecklichen Entgleisung längst überschritten.

Seine verbale Entgleisung wird an vielen Orten derzeit heiss diskutiert, und, wie Sie sehen können, verehrte Leser, nicht nur in Deutschland. Wer die Ereignisse dennoch nicht kennt, für den will ich Wolfgang Thierse, wenn auch ungern, noch einmal zitieren.

In einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung, im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Franz Müntefering, den dieser mit der schweren Krankheit seiner Frau begründete, da lässt dieser Wolfgang Thierse verlauten, Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.

Wolfgangs Thierses Aussagen sprechen die schwere Erkrankung, die Lichtallergie von Hannelore Kohl an, diese langandauernde und besonders deprimierende Krankheit fand ihr trauriges Ende mit dem Freitod von Hannelore Kohl, im Juli 2001 war dies geschehen.

Überall Empörung und blankes Entsetzen, von Schäbigkeit, Geschmacklosigkeit und fieser Gemeinheit bei Wolfgang Thierse ist die Rede. Die Forderungen nach dem Rücktritt eines Mannes, der während seiner Amtszeit das hohe Amt des Bundestagspräsidenten auch schon einmal einen parteipolitischen Anstrich gab, diese Rücktrittsforderungen an Wolfgang Thierse gibt es nicht zum ersten Mal.

Wer angesichts der grossen menschlichen Tragödie im Hause der Familie Kohl, wer da in der Lage ist Worte auszusprechen, die man höchstens einem ganz besonders niederträchtigem Fiesling zuschreiben würde, der hat nicht einmal etwas in einem Gemeinderat zu suchen, geschweige denn im Deutschen Bundestag, schon gar nicht im Bundestagspräsidium.

Ich persönlich glaube, Wolfgang Thierse wird auf keinen Fall zurücktreten, dieser Mann hat weder menschliche Grösse noch Format. Er ist der typische Politikvertreter, der in seinem gesamten Leben, von der Schulbank bis heute, noch nie in einer echten Verantwortung stand.

Politiker, die das Leben nicht kennen, die Menschen noch weniger, die sich an Pöstchen und den mit ihnen verbundenen Schulterklappen klammern, die ihr Fähnchen in den Wind hängen. Der Wind, der zu rechten Zeit den rechten Vorteil bringt. Ein Blick in den Lebenslauf von Wolfgang Thierse, und man hat recht schnell das allseits bekannte Aha-Erlebnis.

Thomas Strobl, Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg, er kommentierte zu recht das schäbige Verhalten von Wolfgang Thierse mit den Worten, Dabei würde dieser Herr Thierse heute immer noch im Dunkeln, nämlich hinter Mauern und Stacheldraht, sitzen, wenn nicht Helmut Kohl und die CDU die historische Chance ergriffen hätten. Wie die Faust aufs Auge, meine ich dazu.

Politiker wie Wolfgang Thierse, sie sind mit der Grund dafür, wieso es in unserer Gesellschaft an den richtigen Vorbildern mangelt. Was hat man seinerzeit alles an Schlechtes über Helmut Kohl gesagt, gegen Ende seiner Amtszeit, als offenbar wurde, dass das marode System der ehemaligen DDR doch nicht so schnell zu sanieren war, und dass ganz Westdeutschland viel tiefer in die Taschen greifen musste, als es in den Jahren 1989 und 1990 noch alle gedacht hatten.

Helmut Kohl, Willy Brandt und Hans-Dietrich Genscher, die grossen Alten, sie waren vielleicht, genauso wie wir alle, auch nur ein wenig geblendet von der seinerzeitigen Euphorie um diese bewegenden historischen Ereignisse. Vielleicht auch ein wenig mehr als wir alle, auch das wäre nur zu verständlich, wenn man sich die Stationen ihres Lebens anschaut. Helmut Kohl, er war damals in der höchsten Verantwortung, und, er stellte sich ihr.

Helmut Kohl machte zu jenem Zeitpunkt eigentlich nur einen einzigen, jedoch grossen und damit folgereichen Fehler. Er hätte, getragen von den optimistischen Gefühlen dieser einmaligen historischen Chance, nicht die kurzfristigen blühenden Landschaften, sondern zuvor zwanzig bis dreissig harte Jahre versprechen sollen.

Dann hätten die Menschen, und vor allem eine Oppositionspolitik, ihn, Helmut Kohl, nicht zum Sündebock einer schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung abstempeln können. Wie wir alle wissen, wenn man einen Schuldigen braucht, dann findet man einen. Helmut Kohl, er hatte sich auch dieser Tatsache gestellt, er hatte sich mit Grösse verabschiedet, ganz anders als sein Nachfolger im Amt dies dann Jahre später tat.

Helmut Kohl, er zeigt auch jetzt wieder die von ihm gewohnte staatsmännische und besonders die menschliche Grösse. Er nahm die zweite Entschuldigung von Wolfgang Thierse an, obwohl sie, genauso wie die erste, leider nur halbherzig gewesen ist.

Wenn wir heute alle einmal ehrlich sind, auch diejenigen, die einen Bundeskanzler Helmut Kohl nach sechzehn Jahren Amtszeit seinerzeit, im Jahre 1998, in die Wüste gewünscht hatten, heute wäre wir froh einen Staatsführer wie ihn zu haben.

Angesichts der seit Jahren politisch handelnden Personen, wie ihre Namen auch immer lauten, Schröder, Fischer, Merkel, Steinmeier, Thierse und Andere. Man konnte zu Helmut Kohl stehen wie man will, mit diesem Mann verschwand jedoch letztendlich auch ein grosses Mass an Berechenbarkeit.

Mein erster Gruss, er geht heute an den ehemaligen Bundeskanzer Helmut Kohl, den grossen alten Mann der deutschen Politik. Ich erinnere mich noch gut, wenn man zu Ihrer Zeit, Herr Kohl, von einem Aufschwung sprach, dann gab es den auch, und zwar für die weitaus grösste Mehrheit im Land. Heute ist dies leider völlig anders, die politische Kultur, sie scheint völlig dahin.

Wie viele andere Menschen in Deutschland, Herr Kohl, schäme auch ich mich in diesen Tagen für einen Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages namens Wolfgang Thierse.

Mein Gruß hinüber nach Deutschland, er geht an die SPD, die Partei von Wolfgang Thierse. Werte Genossen, was muss eigentlich geschehen, bis man in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands endlich wieder einmal ad hoc begreift, was asoziales und unmenschliches Verhalten ist. Ein Mann wie Thierse hat weder in einem politischen Amt wie diesem, noch in eurer Partei etwas verloren.

Noch dazu, wenn er im gleichen Atemzug mit seiner an Helmut Kohl gerichteten Entschuldigung das Folgende öffentlich erklärt: Mir ist ein Fehler unterlaufen, nicht in dem, was ich gesagt habe, sondern, dass ich ein Interview nicht autorisiert habe.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel. An diesem Wochenende einmal mehr die Insel des blauen Himmels und des Sonnenscheins. Es ist mittelalterlicher Markt in Sa Pobla, und ich freue mich auch dieses Mal wieder einige bekannte Gesichter zu sehen.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon
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