Die Gedanken sind frei
Mit einem, ¡Bon any nou!, einem, ¡Feliz año nuevo!, oder einem, Frohes neues Jahr!, an Sie gerichtet, meine verehrten Leser und Leserinnen, begrüsst Sie der Kolumnist der Mallorca Redaktion am Anfang eines neuerlichen Jahres.
Wir notieren den zweiten Januar des Jahres 2008, wie schnell doch die Zeit vergeht. Viele meiner Leser werden dies ähnlich wie ich empfinden, je älter man wird, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen.
Wie im Fluge, kaum beginnt ein neues Jahr ist es gleich Ostern und Frühling, und bis man sich versieht begegnet man in den Einkaufsläden schon wieder den Nikoläusen.
Das zurückliegende Jahr 2007, ich bewerte dies jetzt einmal als recht durchwachsen, womit ich diesem Jahr wahrscheinlich rückblickend mit mehr Wohlwollen begegne, als es in den Augen der meisten Menschen bei Ihnen da drüben in Deutschland, aber auch anderswo in Europa, und ganz besonders hier in Spanien und auf Mallorca persönlich empfunden wird.
Der Blick zurück, der Blick hinter so manche Kulisse und Zeile, der wird die nächsten Tage von hier aus folgen. Dieser Rückblick wird tiefgründig sein, natürlich auch scharfzüngig, so wie Sie dies von dem Kolumnisten auf Mallorca, von mir, gewohnt sind, verehrte Leserinnen und Leser.
Selbstverständlich sind meine Kommentierungen, meine Einschätzungen der jeweiligen Sachverhalte auch subjektiv, dies liegt in der Natur der Sache. Es ist dies regelmässig meine Sicht der Dinge und Abläufe, die Marlons Kolumne wiedergeben, wie könnte dies auch anders sein.
Allerdings stelle ich auch heute wieder fest, rückblickend auf das vergangene Jahr, und hier will ich ein zumindest kleines, Leider Gottes, hinzufügen, dass meine Kolumnen viel zu oft den richtigen Nerv getroffen haben. Ich wünschte mir manchmal, dass ich daneben liege, und muss dann hinterher feststellen, es ist ja alles noch viel schlimmer gewesen, als mit meiner spitzen Feder formuliert.
Wenn ich zum Abschluss meiner Tageskolumne dann regelmässig noch eine Weile über deren Thema, Inhalt und Formulierung sinniere, frage ich mich desöfteren, bist Du vielleicht zu weit gegangen, hat da der Marlon eventuell doch einmal überzogen.
Eine durchaus sensible Seele mit hehren Absichten versteckt sich hinter Marlons Feder, gleichzeitig jedoch auch ein Mann, der im Laufe eines ausgefüllten Lebens den Menschen an sich kennengelernt hat. Und was das bedeutet, dies weiss Einjeder.
Wobei ich der Hoffnung Ausdruck geben will, das ich meine virtuelle Feder noch einige Jahrzehnte schwingen werde, woraus meine Leser mit Recht schliessen können, so alt ist der Kolumnist auf Mallorca ja noch gar nicht.
Aber viele von Ihnen werden das Gefühl ebenso wie ich kennen. Das Gefühl, das mir einerseits sagt, Mensch wie die zurückliegenden Jahre im Flug vergingen, andererseits jedoch quillen Kopf und Geist über, angesichts der Fülle des bisher Erlebten.
Ein stetig wachsende Lebenserfahrung, verbunden mit der Gabe dem Volk aufs Maul zu schauen, und den Entscheidern im Volk noch viel mehr, hinzu kommt eine schier niemals endende Neugier, ein Interesse auf und für Alles und Jeden.
Dies Alles, verbunden mit einer kleinen oder gelegentlich auch grösseren Portion von vielem Anderen, ergibt dann den hoffentlich nicht alltäglichen Gedankenmix, der sich etwas vom Einheitsbrei einer Mediengesellschaft unserer Zeit unterscheidet.
Die Gedanken sind frei, sie sind es noch zumindest, auch wenn einem zuweilen das Gefühl beschleicht, dass dies so manchem in Politik und Wirtschaft des dritten Jahrtausends nicht passt. Aber sie sind es auch heute noch, zum Glück.
Und ich möchte heute in Gedenken an einige grosse Deutsche, wie z. B. Hoffmann von Fallersleben, oder auch Walther von der Vogelweide, die erste Strophe eines alten Liedgutes noch einmal wiedergeben. Viel zuviele scheinen die hintersinnigen Zeilen dieses bekannten deutschen Volksliedes vergessen zu haben.
Dabei haben es die meisten von uns im Kindesalter geträllert, nicht wenige werden mit Wehmut an ihre Studentenzeit zurückerinnert werden. So manche Studentenverbindung hatte dieses Lied an feuchtfröhlichen Abenden skandiert.
Die Gedanken sind frei wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen mit Pulver und Blei:
Die Gedanken sind frei!
Kennen Sie das noch? Oder hätten Sie es noch gewusst? Den genauen, aktuellen Wortlaut können Sie hier an dieser Stelle in der Mallorca-Redaktion noch einmal nachlesen. Zumindest und gerade in meiner Zunft, die der Journallie, würde die Rückbesinnung auf einen grösseren kritischeren Geist wieder gut zu Gesichte stehen.
Mein Grüße von heute gelten daher vielen meiner Kolleginnen und Kollegen, vor allem der schreibenden Journallie. Befreit euch endlich wieder von manch unangenehmer Fessel, das alte Sprichwort, wes Brot ich ess, des Lied ich sing, darf es in diesem Ausmass in unserer Branche eigentlich gar nicht nicht geben. Denn wenn ihr euch nicht bald eines Besseren besinnt, dann sehe ich eine wahrlich düstere Zukunft für die demokratische Gesellschaft. Und damit auch für uns alle.
Meine Grüsse hinüber nach Deutschland, hinüber nach Österreich und in die Schweiz, und überall dahin in der Welt, wo man der deutschen Sprache mächtig ist und daher meine Kolumnen lesen kann, meine Grüße an alle anderen hier auf meiner schönen Insel Mallorca.
Diese Grüße verbinde ich mit den besten Wünschen für das neue Jahr 2008, mögen Sie gesund und fit sein, bleiben, oder wieder werden. Mögen Sie beruflich mindestens die Ziele erreichen, die für ein zufriedenes Leben notwendig sind.
Und mögen Sie vor allem Ihr persönliches Herzensglück erleben. Endorphine, Glückshormone mögen Ihre Seele in diesem Jahre regelrecht bombardieren, mögen Sie also viel Zeit haben für die Lust und für die Liebe.
Dies alles wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen, und natürlich, träumen Sie auch dieses Jahr wieder ab und an von einer wunderbaren Insel. Eine Insel, genauer, von einer Baleareninsel, im Mittelmeer, unweit der afrikanischen Küste. Eine wunderschöne Insel mit dem Namen Mallorca. Träumen Sie von meiner Lieblingsinsel.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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