Der Fluch der Götter

Marlon über afrikanische Verhältnisse auf MallorcaMallorca ist nur noch ein Steinwurf entfernt vom afrikanischen Kontinent, wobei erstaunlich ist, dass dies selbst bei vielen Liebhabern dieser grössten aller Baleareninseln nicht einmal so sehr bekannt ist.


Auch wenn da schon der sagenumworbene Gulliver diesen Stein über das Mittelmeer schleudern müsste, damit das afrikanische Festland getroffen wird, wer als Mitteleuropäer die Insel Mallorca als sein neues Zuhause auserkoren hat wird recht schnell gewahr werden, dass die Uhren hier bei uns in vielerlei Hinsicht völlig anders laufen als er es zuvor gewohnt war.


Dabei ist die afrikanische Hitze nur ein kleiner, wenn gleich prägnanter Unterschied im Vergleich zur alten Heimat, ganz besonders in den Monaten Juni bis September geht man am Tage zwischen 11 Uhr vormittags und 17 oder gar 18 Uhr am Nachmittag besser in Deckung.


Dann nämlich halten sich den Strassen wie an den Stränden nur noch diejenigen auf, die aus verschiedenartigen Motiven heraus dazu gezwungen sind, beruflich oder auch privat, und natürlich die zahllosen unbelehrbaren Touristen, die sich, oft noch dazu mit nackten Leibern, in grosser Anzahl an den vielen Inselstränden aufhalten.


Obwohl allenthalben bekannt, weil immer wieder über die schwerwiegenden Folgen einer starken Sonneneinstrahlung berichtet wird, lassen es Jahr für Jahr aufs Neue Millionen von Mallorca-Urlauber darauf ankommen.


Glück hat dabei der, dessen Haut in der Folge dieser unsäglichen Hitze-Malträtierung nur etwas schneller altert und runzelig wird, nicht wenige handeln sich dann diesen schlimmen Hautkrebs ein.


Dieser tritt oft erst nach vielen, vielen Jahren auf, aber nun gut, es ist wohl eine nicht aufzuhaltende Entwicklung einer Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts, dass immer weniger Menschen kaum noch in der Lage sind über das Ende ihrer Tischkante hinauszudenken.


Afrika und Mallorca, da gibt es über klimatische Gegebenheiten hinaus noch einige elementare Gemeinsamkeiten mehr. Die Auffassung von Recht und Gesetz zum Beispiel, sie unterscheidet sich enorm von der bei Ihnen in Deutschland, in Österreich und ganz besonders stark von jener in der Schweiz, verehrte Leserinnen und Leser.


Ein Kolumnist auf Mallorca schüttelt ob der Gutgläubigkeit und Naivität vieler Mallorca-Reisenden immer wieder den Kopf, fast schon egal wo auf der Insel. Ob an den Stränden, wenn man arglos sein Hab und Gut liegen lässt, selbst die nur wenige Minuten andauernde Abkühlung in den verlockenden Fluten des Ozeans, oder auch der noch kürzere Gang zur nächsten Strandbude, können schwerwiegende Konsequenzen haben. Die Folge ist oft die mit ungläubigem Gesichtsausdruck quittierte Ernüchterung nach Rückkehr zu der Stelle, an der sich gerade eben noch die Habseligkeiten befanden.


Ebenso der naive Plausch mit den so warmherzig und liebreizend daherschauenden Nelkenfrauen, die dem Mallorca-Reisenden mit gütigem, nein, mehr sogar, mit einem fast schon seligen Blick die Willkommensblume überreichen.


Die Glückseligkeit hält dann leider nur ganz kurz an. Wer diese diebischen Nelkenfrauen einmal ganz genau bei Ihrer tagtäglichen Arbeit beobachtet hat, kommt aus dem Staunen kaum noch heraus. Taschendiebstahl in einer Perfektion, die beim Zuschauer fast schon ein Gefühl der Hochachtung auslöst, dies allerdings nur bei einem eingeweihten Betrachter, denn alle anderen einschliesslich der Betroffenen selbst bemerken es in der Regel nicht einmal, was da Übles im Gange ist.


Dank einem angeblich so freien und grenzenlosen Europa, das in Wirklichkeit zunehmend ein Europa der Würdelosigkeit geworden ist, ein Europa, in dem sich immer mehr Menschen zu Niedrigstlöhnen verdingen müssen, Dank diesem Europa starten Tag für Tag Hunderte von Banden aus Osteuropa bei uns auf Mallorca ihre Raubzüge.


Überall auf der Insel werden sowohl Einheimische als auch Touristen Opfer von Taschendiebstählen und anderen Betrügereien, sie werden ausgeraubt, nicht selten schon sogar am hellichten Tage, zunehmend auch ohne Rücksicht auf das Leben der Opfer.


Wer einmal die internen Polizeistatistiken zu Gesicht bekommt, dem sträuben sich alle Nackenhaare, und man wünscht sich in diesem Moment die Kräfte des griechischen Göttervaters Zeus, oder auch von Jupiter, dem Göttervater der Römer, herbei.


Um dann mit diesen Kräften solange Blitz und Donner in Richtung Regierungszentralen der europäischen Hauptstädte zu senden, die dieses unsäglich menschenfeindliche Europa in die Wege geleitet haben. In erster Linie natürlich nach Berlin, denn dort scheint das Zentrum aller denkbar möglichen Destruktivität zu sein, denn dort geht man diesen längst schon von zahlosen Expternen als falsch apostrophierten Weg eines grossen Europas, einer globalen Welt, unbeirrbar weiter.


Mallorca ist ein geradezu ein schillerndes Beispiel dafür, dass dieses grosse freie Europa ein Europa der zunehmenden Armut und Kriminalität und noch dazu der Korruption geworden ist. Der in diesen Tagen aufgedeckte grossflächige Betrugsfall in der Ausländerbehörde in Palma dürfte da nur die Spitze eines gigantischen Korruptionseisberges sein.


Wie man in Spanien mit Korruption umgeht kann man übrigens auch daran ersehen, dass der Hauptbeschuldigte bereits wieder auf freiem Fuss ist. Dieser hatte gegen entsprechende Entlohnung gefälschte Arbeitsverträge akzeptiert und damit Immigranten aus Ländern außerhalb der Europäischen Union zu Aufenthaltsgenehmigungen auf Mallorca verholfen.


Business as usual, so könnte man es auch ausdrücken, und genau deshalb macht es für uns Insulaner wenig Sinn uns über diesen jüngsten Korruptionsfall überhaupt noch gross aufzuregen.


Meine ersten Grüße gehen heute an den Regierungssitz von Francesc Antich, dem balearischen Regierungschef. Es ist höchste Zeit zu handeln, denn Mallorca kann sonst schnell zum Pulverfass werden. Und was dies bedeuten kann, das hat uns allen die Geschichte gelehrt.


Sich mächtig aufregen, wie auch schimpfen, das kann der Mallorquiner vor allem wenn es um dieses EU-Europa geht. Mit diesen Worten grüße ich heute wieder einmal die deutsche Bundesregierung, und dort vor allem die Mitglieder einer SPD, deren Politikalltag nur noch wenig Soziales wiederspiegelt.


So wie bei Ihnen in Deutschland, so geht auch so langsam hier in Spanien so ziemlich alles vor die Hunde. Werte und Traditionen müssen Platz machen für genau das Gegenteil. Die drängende Frage von heute, sie lautet, Ein Leben in Würde und Anstand, für wen wird dies bald überhaupt noch möglich sein.


Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca, die den Zustrom an kriminellen Einwanderern, wie auch den Zustrom an Wirtschaftsflüchtlingen schon lange nicht mehr verkraften kann.


Herzliche Grüße von der Insel Mallorca


Ihr Marlon

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