Kennzeichen D auf Mallorca

Marlon über die politisch motivierte Jagd auf deutsche Kennzeichen 2008   auf der Insel MallorcaEntschuldigend zuckt ein langjähriger Freund aus den Reihen der Guardia Civil seine Schultern, als ihn ein Kolumnist auf Mallorca auf die neuerliche Hatz auf Kennzeichen D anspricht.


Wir befinden uns in einer gemütlichen Bar, inmitten einer der vielen kleinen Gassen in der Altstadt von Palma.


In seiner Rechten die Cerveza, mit der Linken unmissverständlich gestikulierend was er und eine Vielzahl seiner Kollegen von den neuerlichen Razzien auf deutsche Urlauber hier auf der Baleareninsel halten.


Der Befehl kommt von denen da oben, es sei natürlich rein politisch motiviert, genau so, wie dies im vergangenen Jahr der Fall gewesen ist, aber was sollen sie dagegen unternehmen. Der Polizeibeamte vor Ort, er muss nunmal das tun, was die da oben in Palma ihm sagen.


Hunderte Deutsche, eine grössere Zahl Engländer war auch unter den Opfern, allesamt erinnern sich noch heute mit blankem Entsetzen an die grossräumige Jagd auf deutsche Autofahrer in den ersten Monaten des vergangenen Jahres, in den Monaten vor den Parlamentswahlen.


Hunderte Autos wurden beschlagnahmt, Luxuskarossen wanderten gar in die Schrottpresse. Sie seien nicht umgemeldet gewesen, so sei nunmal die Vorschrift. Neben den Mallorca-Auswanderern traf es allerdings auch zahlreiche Touristen, einigen fanden sich wenige Tage nach ihrer Ankunft ohne Auto wieder. Sie kamen mit der Fähre von Barcelona nach Palma, konnten jedoch den Nachweis darüber nicht mehr erbringen.


Eine Insel Mallorca, auf der der Quadratkopf üblicherweise ganz und gar nicht geschätzt wird, gemeint ist das sture Beharren auf jedwede Regel und Vorschrift, diese Insel schwingt auch in diesem Jahr wieder die unerbittliche Keule des Gesetzes. Ein neuerlicher Wahltag steht vor der Tür.


Man verachtet sie im Grunde, die cabezas quadradas, diese Quadratköpfe, wie sie vor allem in Alemania zu finden sind, macht sich über sie lustig, reisst Witze, lacht sie aus. Wie kann man sich immer nur so gnadenlos und unbeirrbar an die Vorschriften halten, lasst uns die Eins doch ab und an auch als eine gerade Zahl betrachten.


Und genau diese Lebensphilosophie zieht viele von drüben an, in einem Land, in dem Disziplin und Ordnung fast schon als das halbe Leben angesehen wird. So ist dies auch heute noch die Einschätzung des Auslandes, auch und vor allem bei uns in Spanien urteilen die Menschen in dieser Weise über die Deutschen.


Es ist für den Kolumnisten auf Mallorca zwar immer wieder beruhigend zu wissen, dass ein Grossteil der Staatsdiener mit der Jagd auf Deutsche selbst nicht ganz einverstanden sind, auf die Praxis jedoch hat dies leider nur wenig Einfluss.


Vor Wahlen werden nunmal gerne die niederen Instinkte in uns Menschen geweckt, dies ist nicht nur auf Mallorca so. Wer die Insel kennt, wer Tag für Tag hier lebt, sich umschaut, der kann nur den Kopf darüber schütteln, dass man sich einmal mehr ausgerechnet die Deutschen mit aller Staatmacht vorknöpft.


Und genau diese grüße ich heute mit der besten Empfehlung, die ein alter Inselhase momentan aussprechen kann. Bleibt mit eurer Karre besser zuhause, egal ob drüben in Deutschland oder hier auf der Insel.


Abgesehen davon, ich würde mein Auto sowieso nicht von Deutschland nach Mallorca kutschieren. Nahezu jeder Wagen hier bekommt in relativ kurzer Zeit seine Dellen und Schrammen ab. So etwas nimmt man hier recht locker, man ist nunmal kein cabeza quadrada.


Und wenn ihr dann damit zur Polizei geht, dann werdet ihr dafür auch wenig Verständnis ernten. Im Gegenteil, wenn ihr Pech habt, dann wird euer Auto wegen eures deutschen Nummernschildes auch noch auf der Stelle konfisziert.


Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an das Bundeverfassungsgericht in Karlsruhe. Ihm ist es zu verdanken, dass die Bürgerinnen und Bürger ab heute wieder ein Stück mehr Vertrauen in ihr Land haben können.


In der Frage der Online-Durchsuchungen nämlich fällten die Karlsruher Richter ein lange überfälliges Urteil. Mit diesem Urteil schuf es ein neues Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme.


Computer von Verdächtigen dürfen demnach nur dann mit Spionageprogrammen überwacht werden, wenn überragend wichtige Rechtsgüter wie Menschenleben oder der Bestand des Staates konkret gefährdet sind.


Eine grossartige Deutsche Verfassung hat damit Politiker wie Otto Schily und Wolfgang Schäuble zunächst einmal deutlich in die Schranken verwiesen. Für die genannten Herren und jeder Menge anderer könnte man dieses Urteil als schallende Ohrfeige betrachten.


Entscheidenden Anteil an dem erfolgreichen Ausgang dieser Verfassungsklage hat ein wahrhaft aufrechter Demokrat. Sein Name ist Gerhard Baum, ehemaliger Bundesinnenminister, nicht nur ein grosser Liberaler, ein Kämpfer für eine demokratische Grundordnung, die auch noch ihren Namen wert ist.


Gerhard Baum ist in einem Atemzug mit Politikern vom Schlage eines Helmut Schmidt zu nennen. Anständige Menschen, über jedweden Zweifel erhaben, denen ihre Wählerinnen und Wähler noch blind vertrauen konnten. Gerade auch die Parteiführung der FDP sollte sich ein grosses Beispiel an ihrem Parteikollegen Gerhard Baum nehmen.


Und damit dieses Vertrauen in die handelnden Personen der Politik von heute endlich wieder Einzug hält, sollte im nächsten Schritt ein umfassendes Haftungsrecht für Politiker ins Leben gerufen werden. Denn, wenn genau dies nicht bald geschieht, muss befüchtet werden, dass die strenge Einschränkung des Bundesverfassungsgericht vielleicht doch zu oft und leichtfertig angewendet wird.


Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca, von der aus nicht nur ein Kolumnist am heutigen Tag mit grossem Interesse Richtung Deutschland blickt.


Herzliche Grüße von der Insel Mallorca


Ihr Marlon

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