Weihnachtsgeschenk
Da sitzt man gemütlich in seinem Sessel und geniesst diesen immer wieder als unsagbar schön empfundenen Ausblick auf diese herrliche Bucht von Palma de Mallorca, denkt an die kommenden Weihnachtstage und beginnt Abzuschalten, und dann das.
Verdrängen wollte der Kolumnist auf Mallorca alles Leidvolle und Schreckliche, das Böse wie das Traurige, einfach nur einmal etwas geniessen, von schönen Dingen träumen, jedweden Zorn über das Schlechte in uns Menschen und vor allem auch über das Unvermögen einer Politik in Europa einfach einmal einige Tage ausblenden.
Mit einem Paukenschlag jedoch holten mich am gestrigen Tage die aktuellen Ereignisse wieder ein, die folgenreiche Entscheidung der EU-Kommission über milliardenschwere Strafgelder für grossvolumige Autos ab 2012 beweist nicht nur wieder einmal, sondern leider auch ganz besonders nachdrücklich das Versagen einer deutschen Politik der vergangenen Jahre.
Diese Entscheidung bevorzugt die Autobauer in Frankreich und Italien, das ist offensichtlich, man schädigt bewusst die renommierten deutschen Autobauer, Mercedes, BMW, Audi, wie auch Porsche. Als wenn Deutschland mit dieser unsäglichen EU-Politik des letzten Jahrzehnts nicht schon genug Schaden genommen hätte.
Diese EU-Entscheidung kann man getrost als ein fragwürdiges Weihnachtsgeschenk einer falschen deutschen EU-Politik bezeichnen. Einer Politik, die den Bürgern und Bürgerinnen in Deutschland mehr und mehr Zukunftsängste beschert.
Deutschland ist einst das Paradeland in Europa gewesen, wirtschaftlich gesund und stark, ein hoher Lebensstandard, dazu sozial. Was habt ihr nur aus diesem Land gemacht, und wie sieht das heute aus.
Wie konnte man einst nur die Entscheidung treffen das deutsche Wertesystem mit denen anderer Nationen in so enger Weise zu vereinen. Damit meine ich nicht nur Osteuropa, selbst im alten EU-Europa gibt es elementare weltanschauliche Unterschiede.
Der korrekte Deutsche, darüber lacht man Allerorten, amüsiert sich über die Cabezas Quadradas, über die Quadratköpfe, wie man uns hier nennt. Wir, die wir immer so korrekt sind und alleine nur das machen, was von oben herab abgesegnet ist, während sich andere oft das nehmen, was sie mit aller Schläue bekommen können.
Der Deutsche denkt, er kann sein Recht gerichtlich durchsetzen, darüber lacht ganz Spanien. Versuchen Sie hier einmal eine berechtigte Forderung auf dem Gerichtswege durchzusetzen. Das dauert schon mal zehn bis fünfzehn Jahre, also können Sie das getrost vergessen.
Der Spanier muss sich eben vorsehen, er muss jede Menge mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen als der Deutsche. Hier muss man eben viel gewitzter und schlauer sein, weil man sich auf Nichts und Niemanden verlassen kann, mit Ausnahme auf die Familie, auf andere Gemeinschaften, deren Teil man ist, letztendlich auch auf Seilschaften in Wirtschaft und Politik.
Lobbyismus nennt man dies, im Kleinen wie im Grossen. Deutschland hat sich bewusst in den Lobbyismus-Wettbewerb mit anderen europäischen Staaten begeben, mehr und mehr, immer mehr. Jedoch, wie man sieht, man kann es einfach nicht.
Eine deutsche Mentalität zerschlägt sein Vorzeigeunternehmen Siemens, weil deren Manager genau das tun, was im internationalen Wettbewerb gang und gebe, und damit auch überlebenswichtig ist. Naiv schaut man in Berlin zu, wie Siemens auf die Schlachtbank amerikanischer Wirtschaftsinteressen geführt wird, und übersieht fast schon fahrlässig, dass amerikanische Unternehmen mit Unterstützung ihrer Politik sowie Geheimdienste das Gleiche, und noch viel schlimmer, praktizieren.
Nach aussen hin so schön korrekt, hochethisch und moralisch, in Wirklichkeit fährt man jedweden Ellenbogen aus, und investiert seine Bemühungen vor allem in die Kaschierung des eigenen unmoralischen Tuns. Lobbyismus amerikanischer Machart, gepaart mit osteuropäischen Wertvorstellungen in der Praxis, dies scheint mittlerweile ein wesentliches Element der Europapolitik zu sein. In der globalen Politik ist es nicht anders.
Bei der Letzteren kommen dann noch die Wertvorstellungen der Chinesen, Südamerikaner und Afrikaner dazu. Und in Brüssel stellt man den gewieften Lobbyisten aus Italien und Frankreich, und anderswo, einen Günther Verheugen gegenüber. Und ein Edmund Stoiber ist nun auch dabei. Nicht, dass man mich missversteht, beides hochanständige Politiker, jedoch, gegen diese gewiefte Konkurrenz ist eine urtypisch deutsche Mentalität machtlos.
Einen Teufel mit Namen, Lobbismus auf äusserst schmutzige Art, diesem Teufel kann man nur mit dem Beelzebub begegnen. Jede andere Sichtweise ist naiv, so wie die deutsche Politik. Diese hat nun zu verantworten, dass zumindest ein erheblicher Teil der ehedem stolzen deutschen Autoindustrie nun bald endgültig zu Grabe getragen wird.
Und diese deutsche Politik dürfte schon in ihren Weihnachtsferien sein. Bestens versorgt mit einem satten zusätzlichen Monatslohn, oder sind es gar zwei, vierzehn statt zwölf im Jahr. Vielleicht denkt ihr in diesen besinnlichen Tagen auch einmal an die vielen Millionen in eurem Land, die gerade einmal nur zwölf haben, wenn überhaupt. Und die sich seit langem schon, dank eurer Politik, weder Urlaub, noch ein neues Auto, ja, oft nicht nicht einmal mehr ihre dritten Zähne leisten können.
Meine nächsten Grüsse nach Deutschland gehen an ein Institut, welches trotz der unzweifelhaften Misere tatsächlich noch Erfolgsmeldungen verbreitet. Obwohl das Weihnachtsgeschäft so mies ist wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr, sieht die Gesellschaft für Konsumforschung, kurz GfK, ein besseres Konsumklima.
Mehr noch, den Vogel schiesst dieses Unternehmen, bei dem ich mich Frage woher wohl das Geld für derartige Studien kommen mag, mit seiner Prognose für 2008 ab. Angeblich böten sich gute Chancen dafür, dass sich die Binnennachfrage 2008 spürbar beleben könne.
Ja, ja, und im Himmel ist immer Weihnachten, vielleicht hättet ihr das auch noch dazu schreiben können. Warum müssen ausgerechnet Theoretiker immer die Praxis beschreiben, und daraus dann noch Schlüsse ziehen. Dies wird ein Kolumnist auf Mallorca wohl Zeit seines Lebens nie begreifen.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel, auf der ebenfalls das Weihnachtsgeschäft so mies ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Grund ist der gleiche, wie in Deutschland. Die Menschen hier sind zunehmends kaum noch in der Lage ihre eigenen Grundbedürfnisse zu finanzieren. Für Weihnachtsgeschenke fehlt da einfach das Geld. Ursachenforschung kann manchmal so einfach sein.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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