Schippe in die Hand

Marlon über das freie Europa auf MallorcaDer wahrscheinlich grösste Treppenwitz der europäischen Geschichte der vergangenen zehn bis zwanzig Jahre und seine Auswirkungen. Nirgendwo wird man die geradezu grotesken Auswirkungen anschaulicher erleben als hier bei uns, auf der Insel Mallorca, sowie auf allen anderen Baleareninseln.

Es treibt dem Kolumnisten auf Mallorca mittlerweile fast schon die Zornesröte ins Gesicht, wenn er sich dieses heutige EU-Europa anschaut, und noch mehr die Damen und Herren Politikvertreter, die mit einer schier unvorstellbaren Selbstgefälligkeit in Auftreten sowie Argumentation den Menschen in Westeuropa doch so viel Leid beschert haben.

Dieses Krebsgeschwulst Brüssel, nicht nur ich sehe diese unselige europäische Zentralisierung als eines der schlimmsten Übel der europäischen Geschichte der Neuzeit.

Dort wird bekanntermassen Politik gemacht, die nur einer Minderheit nutzt, aber zu all den Profiteuren gehören auch alle die, die es sich still und heimlich ein einem der zehntausenden europäischen Verwaltungs- oder Politikersessel bequem gemacht haben. Dort sitzen sie nun und quälen die Menschen drumherum Tag für Tag mit Tausenden neuen Gesetzen, Vorschriften und Durchführungsbestimmungen.

Den Bürgerinnen und Bürgern steht mehr und mehr das Wasser bis zum Hals. Sie ächzen unter einer völlig unpragmatischen Politik. Einer Politik, die Brauchtümer, Traditionen, hehre gesellschaftliche wie gemeinschaftliche Werte und damit auch die Menschlichkeit an sich mit den Füssen tritt.

Diejenigen, die dafür verantwortlich sind schmieden ihr unseliges Werk immer weiter, gnadenlos, zügellos. Niemand scheint sie aufhalten zu können, wen wunderts. Sind doch alle Betroffene und Leidtragende fast nur noch alleine mit ihren Sorgen und Nöten beschäftigt. Wie kann ich überhaupt noch überleben.

Dem gegenüber können die Macher und ihre zehntausende, wahrscheinlich sogar hunderttausende Erfüllungsgehilfen in diesem unseligen europäischen Verwaltungsdickicht geradezu frohlocken, denn mit ihren geringen Wochenarbeitszeiten, stattlichen Löhnen und noch stattlicheren Sozial- und Sonderleistungen haben sie auch jede Menge Zeit und Gründe dafür dies zu tun.

Rette sich wer kann, lautet längst das Motto. Doch, wer von uns kann dies überhaupt. Auf den Balearen, auf Mallorca hat man längst die richtige Strategie erkannt, und ich muss heute konstatieren, dass ich diese Strategie der Katalanen bislang völlig falsch beurteilt habe.

Man unternimmt hier alles Menschenmögliche Kultur und Traditionen Kataloniens zu erhalten, mit Zähnen und Klauen, wenn es sein muss. Bis vor kurzem war auch ich ein erklärter Gegner einer Balearenpolitik, die den Einfluss anderer europäischen Kulturen, sogar der spanischen, unbedingt eindämmen, zurückdrängen wollte.

Katalanisch Denken und Handeln, und ganz besonders katalanisch Fühlen. Dies soll nach dem Willen der autonomen Zentralregierung in Barcelona Einzug erhalten in das Leben hier bei uns. Und auf Mallorca, auf den Baleareninseln, gibt es für diese politische Ideologie eine breite Mehrheit, quer durch die Parteienlandschaft. Nun soll sogar jegliche mündliche und schriftliche Kommunikation in allen Verwaltungen der Balearen in katalanischer Sprache, in catalan, erfolgen.

Angesichts des jämmerlichen Zustandes, in dem sich das Europa von heute präsentiert, kann vielleicht genau diese Marschroute der Katalanen ein Vorbild für viele anderen europäischen Regionen sein. Überlebenswichtig scheint sie mehr denn je, angesichts einer geradezu frappierenden Ohnmacht und Wehrlosigkeit, in der sich die Bürger in einem EU-Europa 2008 befinden.

Die Demokratie existiert nur noch auf dem Papier, in Wirklichkeit gibt es sie nicht mehr. Wer meine Kolumnen regelmässig liest, der weiss um diese, meine knallharte Beurteilung des Zeitgeschehens.

Aber nun hat genau die gleiche These ein renommierter Staatsrechtler aufgestellt. Er hat sie in seinem jüngsten Buch niedergeschrieben. Was mir seit langem schon die Lebenserfahrung, der gesunde Menschenverstand und mein Herz sagt, unterstreicht nun ein Jurist, dessen Beruf und Berufung es ist, sich genau mit diesem wichtigen Thema seit Jahrzehnten zu befassen.

Und genau diesem Mann gelten meine ersten Grüße am heutigen Tag. Professor Hans Herbert von Arnim sagt in seinem Buch, Die Deutschlandakte, Das Volk hat fast nichts zu sagen, wir haben weder Herrschaft durch das Volk noch für das Volk – und damit keine wirkliche Demokratie.

Und er kritisiert seit langem die Auswüchse der Parteienherrschaft, bei der Berufspolitiker in erster Linie zum eigenen Vorteil handeln. Professor Hans Herbert von Arnim fordert mehr direkte Demokratie, mehr Einfluss der Bürger auf die, die geradezu allmächtig regieren.

Wie grotesk die Politik von heute ist kann man auch an Kurt Beck sehen. Meine kopfschüttelnden Grüße hinüber nach Deutschland gelten ihm ja nicht zum ersten Mal. Dieser Mann ist ein Spitzenpolitiker, wobei das Wort Spitze ganz sicher nur hierarchisch gemeint sein kann. Für mich ist der Mann ein einziges Armutszeugnis einer politischen Kultur von heute, in der Kurt Beck beileibe kein Einzelfall ist.

Nun will man einem mehr und mehr geknechteten Volk die Diskussion um den Beckchen Bart aufzwingen. Ob und wie dieser denn weg müsste. Ich stelle heute laut die Frage, wie tief muss die deutsche Gesellschaft denn noch sinken. Als ob das nur der Bart wäre, und als ob das nur der Beck wäre.

Vielleicht sollte man in einem Volksentscheid alle Parlamentarier dazu verdonnern Sand an den Stränden von Mallorca zu schaufeln. Immer schön sinnleer, hin und her, tagein, tagaus, ein ganzes Jahr lang. Vielleicht würde ja dann der eine oder andere gewisse Parallelen zu seinem eigenen politischen Handeln erkennen.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca, die sich in ihrem politischen und gesellschaftlichen Leben mehr und mehr von einem unmenschlichen EU-Europa entfernt. Und das ist auch gut so.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

Weitere Artikel in der Rubrik Marlons Gedanken:
  • Inselträumereien

    Der Blick auf eine etwas unruhige See am heutigen Morgen, er holt den Kolumnisten der Insel Mallorca ein klein wenig aus seinen träumerischen Frühlingsgedanken in die W...

  • Ich schäme mich

    An einem Freitag Abend, in der schönen Altstadt von Palma de Mallorca, die kleine Gesprächsrunde in diesem heimeligen Restaurant, zu fortschrittener Stunde gab es nur ei...

  • Seele baumeln

    Traumwetter auf Mallorca, wie es besser nicht hätte sein können, an einem letzten Sonntag im Oktober. Bei Temperaturen um zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Grad liess ein...

  • Das Spiel des Geldes

    Die Armut war das wichtige Thema der Woche in Marlons Kolumne. Diese Armut gibt es mittlerweile weit verbreitet in Europa, auch hier auf Mallorca. Armut ist das Resultat einer h...

  • Armut auf Mallorca und anderswo

    Die Armut in der Welt, und da insbesondere auf dem schwarzen Kontinent, in weiten Teilen Asiens, drüben in Amerika, sie ist uns allen seit Jahrzehnten wohl bekannt. Alleine, ...

  • Francecs Antich - ein erstes Resümee

    Nun ist die neue Balearenregierung in Palma de Mallorca bereits seit vier Monaten in Amt und Würden, die weithin übliche, wenn auch unverbindliche Einhundert-Tage-Scho...

  • Still und leise

    Es ist das erste Wochenende im September, unsere Insel Mallorca ächzt weiterhin unter der grossen Hitze. Zum Glück weht hier und da eine leichte Brise, selbst tief dri...

  • Pfeifen ohne Lederhosen

    Nach der letzten Nacht hatte ein Kolumnist am heutigen Tage zunächst nur wenig Neigung gezeigt sein Haupt überhaupt aus seinem Schlafgemach zu erheben. Der Blick aus...

  • Von kleinen und grossen Bomben

    Ein richtig schönes Feuerwerk konnte man die letzte Nacht erleben. Einmal mehr muss man sagen, denn davon gibt es reichlich hier auf Mallorca. Wunderschön anzusehen, obw...

  • Der giftige Peter

    Es wird immer heisser auf Mallorca, bis zu vierzig Grad im Schatten an diesem Wochende werden ein Urlaubsvergnügen dann kaum noch zulassen können. Und als wenn dies nich...

  • Herzblut

    Endlich einmal ein Hauch von Urlaubsstimmung an den Stränden der Insel Mallorca. Bei meiner Fahrt zu einigen der beliebten Strände der Baleareninsel am gestrigen Diens...

  • Die Ritter

    Es ist etwas ruhiger geworden auf der Insel Mallorca. In der heißen Endphase des Inselwahlkampfes scheint man sich etwas vornehmer zurückzuhalten, als dies in den bishe...

  • Es brennt

    Die Grand Nation hat gewählt. Auch einige wenige Franzosen auf unserer Insel hier, auf Mallorca, sollen gewählt haben lese ich. Es waren wohl zu wenige, befürchte ...

  • In memoriam

    Der so wunderbar unendlich lange Sommer auf Mallorca zeigt sich bereits jetzt mit Temperaturen von fünfundzwanzig Grad. Und dies bereits um elf Uhr am Morgen. Mittlerweile is...

  • Alle Jahre wieder

    Wie sich die Welt doch gleichen kann. Ob Deutschland, Mallorca oder anderswo, es gibt Dinge im Leben, da ist dann überall das Gleiche gleich. Nun ist man es schon so viele ...

  • Eine Strasse nur für mich

    Ja, das gibt es hier auch. Hier auf Mallorca. Gelegentlich fragt man, ob denn wirklich alles so schön sei, wie man es immer so hört, hier von der Insel. Es könne do...

Diesen Artikel bookmarken:

Mr. WongWebnewsIcioOneviewLinkarenaFavoritenSeekxlKledy.deSocial Bookmarking ToolBoniTrustBookmarks.ccFavitNewskickNewsiderLinksiloReadsterFolkdYiggDiggDel.icio.usRedditJumptagsSimpyNetscapeFurlYahooSpurlGoogleBlinklistBlogmarksDiigoTechnoratiNewsvineBlinkbitsMa.GnoliaSmarking
© 2005-2008 power-labels.com - Intelligente Internet Lösungen